Hegen statt ballern: Drei Kreisjagdmeister berichten aus dem Alltag des Jägerlebens
Bitburg/Daun/Wittlich · Herbstzeit ist Jagdzeit. Die Schonzeit der meisten Wildtiere ist vorbei, und für viele Tiere beginnt die Paarungszeit. Das bringt einige Gefahren gerade auch für Autofahrer mit sich. Jäger müssen nun die geforderten Abschusszahlen sorgen.
Bitburg/Daun/Wittlich. Die drei Kreisjagdmeister sind sich einig: Jagen ist ein tolles Hobby. Gerd Grebener ist seit einem Jahr Kreisjagdmeister im Eifelkreis Bitburg-Prüm und seit 1999 Jäger. Schon etwas länger im Amt sind seine Kollegen aus dem Vulkaneifelkreis und dem Kreis Bernkastel-Wittlich. Ulrich Umbach geht bereits seit 48 Jahren zur Jagd, seit 25 Jahren ist er Kreisjagdmeister im Vulkaneifelkreis. Noch ein Jahr länger jagt Günther Vanck, er ist seit Mai 1967 im Besitz eines Jagdscheines und seit 18 Jahren als Kreisjagdmeister aktiv.Fasane und Rebhühner gefährdet
Alle drei wissen, dass es um den Ruf ihrer Zunft schon besser bestellt war. "Viele Menschen glauben, wir ballern hier wild durch die Gegend", erklärt Grebener. Doch dies kann und will er nicht gelten lassen. Zum einen erfüllten die Jäger die geforderten Abschüsse, zum anderen seien sie zunehmend in der Hege gefragt. Einige Wildtier-Populationen gebe es kaum noch, erklärt Grebener und erzählt von Fasanen, Hasen oder Rebhühnern. "Die Populationen vieler Niederwildarten sind extrem gefährdet. Andere Arten sind absolute Gewinner dieser Entwicklung und müssen scharf bejagt werden: Fuchs, Dachs, Waschbär, aber auch Raben, Krähen und Elstern", sagt Grebener. Umbach ergänzt, dass Jäger sich auch um die Gestaltung des Lebensraumes kümmern, um die Fütterung der Wildtiere in Notzeiten beispielsweise.Von der Tradition zum Marketing
Die Jagd hat sich stark gewandelt. Das betrifft sowohl die Lebensbedingungen der Wildtiere als auch die Gesetze. "Die Jagd hat sich von Tradition zu Marketing gewandelt", analysiert Vanck. "Wir müssen uns als Jäger auch daran gewöhnen müssen, dass Dinge hinterfragt werden. Wir müssen mehr auf die Menschen zugehen", sagt Grebener.
Der Herbst bringt nicht nur Wildtiere und Jäger einander näher. Auch Verkehrsteilnehmer können in den kommenden Wochen häufig Kontakt mit den hemischen Wildtieren bekommen. "Das Laub fällt von den Bäumen, bietet keinen Schutz mehr, die Tiere wollen sich aber verstecken und sind auf der Suche nach Futter", erklärt Vanck, warum sich gerade im Herbst die Unfälle mit Wildtieren häufen. Einig sind sich alle drei Kreisjagdmeister, dass die sogenannten Drückjagden, in denen die Tiere mit Hilfe von Treibern leicht beunruhigt werden, nicht zu steigenden Unfallzahlen mit Wildtieren führen. "Bei Drückjagden werden im Allgemeinen die Verkehrsstraßen abgesichert durch Hinweisschilder und Warnposten", sagt Umbach, und Vanck ergänzt: "Vor allem Futtervorkommen und Brunftzeit des Rotwildes oder Rauschzeit bei Schwarzwild bewirken Straßenwechsel."
Totes Wild nicht mitnehmen
Falls es doch zu einem Unfall kommt, rät Grebener, dazu, die Polizei zu informieren. "Das ist alleine schon für den Versicherungsschutz wichtig. Lebt das Tier noch, so sollte, so schnell wie möglich, ein zuständiger Jäger hinzugezogen werden. Verendetes Wild darf nicht mitgenommen werden", erklärt Grebener.Extra
Abgeschossene Wildtiere: Zwischen dem 1. April 2013 und dem bis 31. März 2014 wurden im Eifelkreis Bitburg-Prüm 938 (1010) Stück Rotwild als erlegt gemeldet. Beim Rehwild waren es in diesem Zeitraum 5017 (5110), beim Schwarzwild 2319 (4237), beim Muffelwild 66 (73); ausschließlich aus Gatterhaltung entflohenes Dammwild 47 (15). Im Landkreis Vulkaneifel wurden in demselben Zeitraum erlegt: 647 Stücke Rotwild,, 1764 Stück Schwarzwild, 4347 Stück Rehwild, rund 600 Füchse und 400 Hasen sowie anderes Niederwild, wobei ein Teil dem Verkehrstod zum Opfer gefallen ist. Im Kreis Bernkastel-Wittlich wurden in diesem Zeitrum rund 10000 Stück Schalenwild geschossen. Dies unterteilt sich in 3800 Stück Schwarzwild, 1000 Stück Rotwild und 5200 Stück Rehwild. Jagdscheine: Im Eifelkreis Bitburg-Prüm werden jährlich 1000 bis 1100 Jagdscheine ausgegeben, teilt Kreisjagdmeister Gerd Grebener mit. Die meisten Jagdscheine in der Region werden im Vulkaneifelkreis gelöst. Laut Ulrich Umach sind es 1260 Stück. In Bernkastel-Wittlich werden rund 1000 Jagdscheine gelöst. jörExtra
Die Aufgaben der Kreisjagdmeister sind vielfältig. Sie sind Ehrenbeamte des Landkreises und Ansprechpartner in Fachfragen für die Untere Jagdbehörde, der Jäger, der Forstämter und Jagdgenossenschaften. außerdem leitet er den Kreisjagdbeirat und die Jägerprüfungskommission. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die beratende Mitarbeit und Unterstützung bei der Abschussplanung, den Abschussanalysen und der Abrundung von Jagdbezirken. Auch bei Fragen in Ordnungswidrigkeitsverfahren und beim Vollzug der Landesverordnung über die Fütterung und Kirrung von Schalenwild ist der Kreisjagdmeister Ansprechpartner. jör