Heilbach will Abwasser günstiger entsorgen

Heilbach will Abwasser günstiger entsorgen

1250 Haushalte der Verbandsgemeinde Neuerburg haben bislang noch keinen Anschluss an eine Kläranlage. Dazu gehören auch die rund 40 Haushalte in Heilbach. Dort gibt es derzeit Überlegungen, die Versorgung über private Kleinkläranlagen abzuwickeln. Deren Errichtung wird auch vom Land gefördert - allerdings wohl nicht ganz so großzügig wie zunächst gedacht.

Heilbach. "Wir waren noch nicht zu Hause, da ging schon ein Aufschrei durchs Land", sagt Winfried Schreiber vom Umweltministerium in Mainz und bezieht sich damit auf eine Veranstaltung in Neuerburg im März 2012. Dort wurde damals die Studie zur Abwasserbeseitigung in der Verbandsgemeinde Neuerburg vorgestellt. Dabei anwesend war auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken, die unter anderem eine 50-prozentige Landesförderung privater Kleinkläranlagen zusicherte. Unter der Voraussetzung, dass sich eine private Variante gegenüber einer öffentlichen (Verbandsgemeindewerke) als die günstigere erweist.
In Neuerburg fand diese Aussage Zustimmung, im übrigen Rheinland-Pfalz jedoch weniger, wie Schreiber erklärt. So hätten sich viele Verbandsgemeinden (VG) im Land darüber geärgert, dass sie die Vorgaben im Gegensatz zur VG Neuerburg längst und damit auch fristgerecht erfüllt hätten, es dabei jedoch für private Einzelfalllösungen keine Förderung gegeben habe. Von einem "enormen Spannungsfeld", spricht der Referent der Abteilung Wasserwirtschaft, der an diesem Abend ins Dorfgemeinschaftshaus nach Heilbach gekommen ist, um dort angesichts dieser Spannung die "Idee des Gleichheitsgrundsatzes" zu präsentieren.
2500 Euro Förderung


Demnach sollen die privaten Kleinkläranlagen im Land (auch die bereits errichteten) einheitlich mit 2500 Euro gefördert werden. Bei Bedarf seien dabei allerdings auch noch ein paar Hundert Euro Spielraum, so dass private Kläranlagenbetreiber unter Umständen von der zunächst in Aussicht gestellten 50-prozentigen Förderung gar nicht so weit entfernt seien, sagt Schreiber.
Rund 6400 Euro würde bei einer höchstmöglichen handwerklichen Eigenleistung die günstigste Variante einer Kleinkläranlage kosten, erklärt Ingenieur Ingo Bruch, der in Heilbach Auszüge der Abwasserstudie präsentiert. Demnach wäre für Heilbach eine private Lösung mit dezentralen Kleinkläranlagen günstiger als die Versorgung über die VG-Werke. Gerechnet auf 50 Jahre kämen auf die Heilbacher insgesamt Kosten von rund 750 000 Euro zu, wohingegen die Variante über die VG bei mehr als 900 000 Euro liege. Auch die neun Haushalte im Ortsteil Windhausen kämen mit eigenen Kläranlagen günstiger weg.
"Das Problem ist allerdings, dass nicht alle Haushalte in Windhausen dezentrale Anlagen wollen", sagt Bruch. Zwar wäre es grundsätzlich auch möglich, nur einen Teil des Ortes privat und den Rest öffentlich zu versorgen, doch seien solche Lösungen unterm Strich teurer. Zudem hänge die Wirtschaftlichkeit auch von der Größe der Haushalte ab (siehe Extra).
Heilbachs Ortsbürgermeister Peter Trauden ist für die private Lösung. Er zeigt sich zuversichtlich, dass es der Gemeinde gelingen kann, alle Einwohner für diese Lösung zu gewinnen. Zumal in Heilbach extrem viele Handwerker lebten und deshalb auch viel in Eigenleistung gemacht werden könne.
Dagegen hätten offensichtlich auch die Werke nichts einzuwenden. "Die VG billigt das Projekt nicht nur, sondern begrüßt es auch", sagt VG-Chef Norbert Schneider, der sich damit gegen den seiner Meinung nach in Mainz vorherrschenden Eindruck wehrt, die VG blockiere das Vorhaben. So hätten sowohl der Werkausschuss als auch der VG-Rat grünes Licht gegeben, betont Schneider. "Wenn in Heilbach alle mitmachen, dann ist das kein Problem."
Extra

Die Orte, die derzeit keinen Anschluss an eine Kläranlage haben und in der Studie untersucht wurden, sind Affler, Altscheuern, Burg, Fischbach-Oberraden, Gaymühle, Heilbach, Heilbach-Windhausen, Neuerburg-Görgeshof, Keppeshausen, Kruchten-Schwarzenbruch, Leimbach, Muxerath, Nasingen, Niehl, Oberraden, Scheitenkorb, Scheuern, Waldhof-Falkenstein und Zweifelscheid-Engelsdorf. Ammeldingen an der Our ist auch ohne Anschluss, soll aber an das luxemburgische Netz angeschlossen werden. Ebenfalls in der Planung sind die Gemeinden Berscheid und Herbstmühle. Rund 5,8 Millionen Euro würde es laut Abwasserstudie kosten, die Anlagen entsprechend der Empfehlung zu errichten. Inklusive der Orte, in denen die Abwasserversorgung bereits in der Planung ist, und der 160 Einzelgehöfte liegen die geschätzten Investitionskosten bei rund elf Millionen Euro. Laut Vorgabe der Wasserrahmenrichtlinie hätten diese Haushalte schon bis 2012 angeschlossen sein müssen, doch wurde der VG Neuerburg aufgrund der zersiedelten Struktur eine Fristverlängerung bis Ende 2015 eingeräumt. redExtra

Ob der Betrieb einer privaten Kleinkläranlage günstiger ist als die Versorgung über die Verbandsgemeinde, hängt von der Größe des Haushalts ab. Laut Ingenieur Ingo Bruch liegen die Ausgaben für eine private Anlage bei rund 400 Euro pro Jahr. Darin enthalten sind neben den Kosten für die zwei Mal jährlich vorgeschriebene Wartung auch Rücklagen für Reparaturen. Leben nur zwei Personen im Haushalt, wäre für sie die öffentliche Versorgung mit 360 Euro Abwassergebühren günstiger. Bei einem Vierpersonen-Haushalt hingegen wäre eine Kleinkläranlage in Eigenregie nach diesen Berechnungen rund 200 Euro günstiger als die Versorgung über die Verbandsgemeindewerke (600 Euro). uhe

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