Heimkehr in die Fremde

"Landgericht” erzählt vom scheiternden Versuch eines jüdischen Richters, nach Ende des Krieges in seine Heimat zurückzukehren. Auf Einladung des Geschichtsvereins hat Ursula Krechel am Samstagabend in Prüm daraus gelesen.

Prüm. Vor rund 100 Zuhörern hat die Schriftstellerin Ursula Krechel am Samstagabend im Prümer Haus der Kultur aus ihrem Roman "Landgericht" gelesen. Im vergangenen Jahr war Krechel für den Roman mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Zu der Veranstaltung mit der Buchpreisträgerin hatte der Geschichtsverein Prümer Land geladen.
"Landgericht" erzählt die Geschichte des jüdischen Richters Richard Kornitzer, der nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Exil in Havanna nach Deutschland zurückkehrt und versucht, sich ein neues Leben in den Trümmern des Alten aufzubauen. Es ist eine Heimkehr in die Fremde - Kornitzer, der entkommene Jude, trifft auf alte Nazis und auf Überlebende, die nur ihr eigenes Leid sehen und von dem Heimkehrer nichts wissen wollen. Er nimmt einen verzweifelten Kampf auf um Entschädigung und Gerechtigkeit - einen Kampf, der von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.
Krechel habe einen "bewegenden, politisch akuten, in seiner Anmutung bewundernswert kühlen und modernen Roman" vorgelegt, heißt es in der Begründung der Buchpreis-Jury. Tatsächlich zeichnet die Schriftstellerin in nüchterner, fast analytischer Sprache ein facettenreiches Zeitporträt, in das viele historische Quellen eingeflochten sind, etwa Briefe und Amtspapiere. Sie habe ihr halbes Leben für den Roman recherchiert, bemerkt sie.
Zweiter Besuch in Prüm


Das Buch sei "ein großes Stück deutscher Literatur", das sich "ein großes Stück deutscher Geschichte" zum Gegenstand mache, sagt Volker Blindert, der Vorsitzende des Geschichtsvereins. Darum passe das Buch "wie kaum ein anderes" zum Verein. Er vergisst auch nicht zu erwähnen, dass Krechel bereits 1994 in Prüm zu Gast war: Damals wurde sie für ihren ersten Roman "Sizilianer des Gefühls" mit dem Eifeler Literaturpreis ausgezeichnet. Wie erinnert sie ihren Besuch Prüms im Jahr 1994? Krechels Antwort amüsiert: Kleine Mädchen hätten vor ihr geknickst - deshalb sei ihr Prüm "aus der Zeit gefallen" erschienen.
"Landgericht" ist das 25. Buch der 1947 in Trier geborenen Schriftstellerin, die vor allem für ihre Lyrik bekannt ist - und, nach "Shanghai fern von wo" (2008) der zweite Roman, in dem sie sich mit dem Schicksal deutscher Emigranten in der Nazizeit auseinandersetzt. Ein Thema, das sie auch weiterhin beschäftigen wird, wie sie an diesem Abend in Prüm verrät: Sie recherchiere bereits für ihren nächsten Roman, der ebenfalls Emigration zum Thema haben werde.