Heinz, Horst und Konsorten

Heinz, Horst und Konsorten

PRÜM. Wenn die Basilika erzählen könnte – so manche Geschichte von historischer Tragweite käme ans Tageslicht. Aber es gibt auch viele kleine Episoden, die sich um die Prümer Pfarrkirche ranken. Eine ganz besondere kennt Heinz Beer.

Abteistadt Prüm im Jahr 1959: Heinz Beer ist gerade einmal 13 Jahre alt, geht zur Schule, läuft in kurzen Hosen umher und - wie es sich für einen Prümer Jungen gehört - dient jeden Sonntag brav die Heilige Messe. Als während der Heilig-Rock-Zeit "ständig Messen" abgehalten werden, nehmen sich die jungen Männer mit den weißen Gewändern kurzerhand mal eine kleine Auszeit. "Zunächst kam uns die Idee, den Turm einfach mal illegal zu besteigen", erinnert sich der heute 60-jährige Lehrer an der Wandalbert-Hauptschule an die Zeit, als er zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Horst Wesselmann und einigen anderen Freunden über wacklige Leitern auf abenteuerliche Weise in den Nordturm hinaufsteigt. Von dort aus finden sie rasch den geheimnisvollen Weg über das riesige Mittelschiffgewölbe bis ganz nach vorne. "Praktisch direkt über dem Hochaltar haben wir die ideale Stelle gefunden, um uns ein Versteck anzulegen", erzählt Beer. Zwischen Taubenkot und altem Schiefer, zwischen Gestein und Eichengebälk nageln sie also etliche Bretter fest, um sich Sitzgelegenheiten zu verschaffen für ihr "Häuschen", in dem sie sich fortan regelmäßig treffen, um Geschichten zu erzählen. Tatkräftige Mithilfe finden Heinz, Horst und Konsorten in Pastor Hansen. Der Theologe, Onkel der Geschwister Hansen aus Prüm, weiß nämlich von dem Versteck. Als Freund der Messdiener und jemand, der Verständnis für die Abenteuerlust seiner Zöglinge hat, drückt Hansen immer wieder ein Auge zu. Mehr noch. Er zahlt den Jungs sogar den Zweit-Schlüssel, um in den Turm zu gelangen. Das Original haben sie sich zuvor aus dem Mantel vom alten Küster Hanni Hillesheim "besorgt", um ihn bei Eisen-Müller nachmachen zu lassen. "Pastor Hansen. Ja, das war ein lustiger Typ, der hat sich immer mit uns beschäftigt", schwärmt Heinz Beer heute noch. "Die drei Mark für den Nachschlüssel hat er uns gerne gegeben." Die Sache mit dem Basilika-Häuschen hoch über den Dächern von Prüm lief also wie geschmiert. Wäre da nicht Hanni Hillesheim gewesen. Nach ein paar Monaten nämlich flogen die Jungs mit ihrem Gemeinversteck auf und wurden vom Küster, wie sich Heinz Beer noch sehr genau erinnert, "mit einer Tracht Prügel belohnt". Und dann? Beer: "Dann haben wir uns nicht mehr getraut." Nach 47 Jahren war Heinz Beer am Donnerstag zum ersten Mal wieder im "Häuschen" hoch oben in der Basilika. Über eine Hühnerleiter ist es nach wie vor zu erreichen, aber dieses Unterfangen ist noch mindestens so abenteuerlich und gefährlich wie 1959. Ein paar Bretter von früher findet Heinz Beer auch noch, ebenso wie all die Erinnerungen, die ihn ihm hochkommen. Bis heute übrigens kann es Heinz Beer immer noch nicht lassen, in der Basilika herum zu klettern. Der Unterschied zu früher: Er macht es offiziell, nämlich als Turmführer. Schon mehr als 500 Menschen hat er auf diese Weise in die Geheimnisse der Prümer Kirche eingeweiht. "Hier atmet man den Hauch der Prümer Geschichte", erzählt Heinz Beer am Ende der heutigen Turmführung auf schwerem Eichengebälk sitzend, während draußen eine Taube gegen die Scheibe in 50 Metern Höhe klopft und die Mittagsglocke mit ohrenbetäubenden Lärm ihre Arbeit verrichtet. Ob er während der Führungen den Leuten denn auch vom "Häuschen" erzählt? Heinz Beer: "Gelegentlich. Man muss es ja auch spannend machen!" Wer (in Kleingruppen) eine Turmbesichtigung mit Heinz Beer unternehmen möchte, kann sich telefonisch anmelden unter 06551/2074 (Beer) oder 06551/2469 (Pfarrhaus).