Helfen ist manchmal gar nicht so einfach

Helfen ist manchmal gar nicht so einfach

Der Daleidener Unternehmer Winfried Schmitz hatte eine Idee: Man könnte doch Brot und Backwaren, die abends aus seinen Läden zurückkommen, an Flüchtlinge weitergeben. Das aber ist gar nicht so einfach, wie er dachte.

Daleiden. Winfried Schmitz will etwas loswerden, und zwar im guten Sinn: Brot- und Backwaren aus seinem Geschäft in Daleiden (Eifelkreis Bitburg-Prüm), seinen Edeka-Märkten in Bleialf, Waxweiler und Mettendorf und von der Raiffeisen-Tankstelle in der Prümer Bahnhofstraße, die er ebenfalls beliefert.
Denn da kommt so einiges jeden Tag in die Auslage und in den Verkauf. Aber es geht eben auch manches wieder zurück.
Diese Ware plus etwa 25 Kilogramm frisches Brot jeden Tag würde Schmitz gern verschenken - an Flüchtlinge, sagt er: "Was heute übrig ist, krieg ich morgen nicht mehr verkauft. Aber das heißt ja nicht, dass die Ware schlecht ist."
Also könne man die doch gut spenden - Schmitz betont im Gespräch mit dem TV, dass es ihm nicht darum gehe, "die alten Sachen loszuwerden". Denn wenn niemand sie nehme, müsse er sie wegwerfen.
Schmitz hörte sich also um, wie das mit der Spende laufen könnte. Im Prinzip müsse nur jeden Morgen jemand nach Daleiden kommen und alles abholen.
Er wandte sich auch an Landrat Joachim Streit. "Lobenswerte Idee", findet der. Nur habe darauf die Kreisverwaltung leider keinen Einfluss, "da es sich bei der Aufnahmestelle in Bitburg um eine Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier und damit eine Einrichtung des Landes handelt, die vom DRK geführt wird".
Streits Empfehlung: Schmitz soll es beim DRK-Kreisverband Bitburg-Prüm versuchen, der sich auch um die Erstaufnahme-Einrichtung am Flugplatz Bitburg kümmert.
Was Schmitz auch tat - nur: Das DRK kann sein Angebot beim besten Willen nicht annehmen. "Wir haben einen Catering-Dienst, der das alles bei uns bewerkstelligt", sagt Mario Pavlovski, der beim Kreisverband des Roten Kreuzes für die Bitburger Einrichtung zuständig ist. "Der hat seine Bezugsquellen - und einen Vertrag mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion."
Außerdem könne man es "logistisch nicht stemmen", täglich jemanden nach Daleiden zu schicken, um die Waren dort abzuholen. "Am Ende kostet die Spende dann mehr, als wenn ich das über den Großhandel einkaufe."
"Super Idee, gar keine Frage", findet wiederum Andreas Kruppert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld. Aber auch er sagt, er habe keine Möglichkeit, die Spende anzunehmen und in der Kommune zu verteilen - zumal die Flüchtlinge ja bereits Leistungen erhielten, von denen sie ihren Unterhalt bestreiten müssten.Meinung

Dienstweg? Holzweg!
Die Sache mit Winfried Schmitz' verhinderter Brotspende zeigt, wie sehr wir uns manchmal selber auf den Füßen stehen: Da hat jemand eine gute Idee, aber Logistik und allerlei Regularien bremsen ihn aus. Am Ende hilft wohl nur die direkte, persönliche Initiative von Bürgern, die sich privat um Flüchtlinge und andere Bedürftige kümmern. So jemand könnte in Daleiden vorbeifahren, die Lebensmittel abholen und sie verteilen. Muss ja nicht jeden Tag sein. Aber wer wirklich helfen will, der kriegt das hin, was auf dem großen Dienstweg nicht läuft. f.linden@volksfreund.de