Bundeswehr unterstützt Eifelkreis : Helfer in Flecktarn packen mit an

Normalerweise schützen sie die eigene Truppe bei Auslandseinsätzen. Seit vergangener Woche helfen nun einige Soldaten des Bataillons Elektronische Kampfführung 931 aus Daun auch im Kreis Bernkastel-Wittlich aus. Ein Einblick in die Arbeit des Bundeswehr-Teams, das in Bitburg im Einsatz ist.

Der Sitzungssaal der Kreisverwaltung Bitburg hat sich ganz schön verändert. Dort, wo sich sonst Kreistag und Ausschüsse treffen, sitzen seit vergangener Woche Soldaten und Soldatinnen in Tarnuniform. Sechs Männer und zwei Frauen sind es, die dem Gesundheitsamt des Eifelkreises bei der Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten helfen. Ähnlich in Wittlich: Dort sind acht Bundeswehrkräfte bei der Kreisverwaltung im Einsatz, vier verstärken das Team in der Corona-Teststation.

Eine weite Anreise hatten die Militärangehörigen nicht. Sie kommen aus der Heinrich-Hertz-Kaserne in Daun. Für die Soldaten ist es dennoch ein ungewohnter Einsatz. Denn normalerweise hat das Bataillon in der Vulkaneifel völlig andere Aufgaben. „Es ist definitiv eine Umstellung für uns, den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen“, sagt Leutnant Sandra Weis, die in Bitburg das Kommando hat, „zu telefonieren und Daten zu sammeln.“ Und auch so viel Kontakt mit Zivilisten gebe es sonst selten im Dienst: „Doch das hat in dieser Ausnahmesituation eben Vorrang.“

„Aufklären“ und „schützen“ — so wird die Mission des Bataillons „Elektronische Kampfführung 931“ auf der Website der Bundeswehr zusammengefasst. Das heißt: Mittels moderner Technik wachen die Dauner über Patrouillen im Auslandseinsatz, warnen vor Sprengfallen, indem sie gegnerischen Funk abhören beziehungsweise unterdrücken. Und tragen somit zur Gewinnung von Informationen bei.

Seit einer Schulung am vergangenen Mittwoch haben die Kameraden weiterhin den Auftrag, aufzuklären und zu schützen.  Allerdings an ganz anderer Stelle und auf ungewohnte Weise. Denn jetzt gilt es Infektionsketten aufzuklären und vor Neuinfektionen zu schützen. Es geht nicht um Kampfmittel, sondern um ein tödliches Virus. Einen Erreger, der die Behörden vor eine nie dagewesene Herausforderung stellt und täglich immer mehr Menschen, auch im Eifelkreis, befällt.

Der Job der Soldatinnen und Soldaten ist es nun, diese Erkrankten über die positiven Tests zu informieren und mit ihnen eine Liste ihrer Kontaktpersonen durchzusprechen. Um diese anschließend in Quarantäne zu schicken und Infektionsketten zu durchbrechen.

Dabei arbeitet die Bundeswehr mit einer Gruppe von Studenten zusammen. „Wir teilen uns die Betroffenen auf“, sagt Leutnant Weis: „Und bearbeiten unsere Fälle dann von Anfang bis Ende.“

Die Zusammenarbeit laufe hierbei reibungslos, die Ermittlung der Kontakte könne das Team „derzeit sehr gut stemmen“. Während es deutschlandweit ja bekanntlich in vielen Behörden zu Rückstaus kommt, bleibe hier nichts liegen. „Es ist interessant, die Zusammenhänge zwischen den Infektionen aufzudecken“, sagt Leutnant Weis, der die Arbeit sichtlich Freude bereitet. Bei der Kreisverwaltung spricht man ebenfalls von „hoch motivierten Mitarbeitern“, wie es Büroleiter Carl Diederich ausdrückt. Man sei sehr froh über die Unterstützung der Bundeswehr. Zumal nun auch an den Universitäten wieder das Wintersemester beginnt und die Studenten, vor allem an Werktagen, nur noch begrenzte Kapazitäten für die Kontaktverfolgung hätten. „Aktuell sind drei da. Ab nächster Woche dann nur noch eine junge Frau.“

Gut also, dass die Bundeswehr bis mindestens Ende November Unterstützung zugesagt hat und laut Diederich bereits Gespräche für eine Fortsetzung der Amtshilfe über die kalte Jahreszeit hinweg laufen. Wohlwissend, dass die Kommune nicht die einzige sein wird, die anfragt.

Denn immer mehr Ämter bitten um die Hilfe der Bundeswehr, die längst nicht nur bei der Kontaktverfolgung im Einsatz ist (siehe Info). Allein das Bataillon aus Daun unterstützt derzeit das Gesundheitsamt Wittlich sowie das Gesundheitsamt und das Krankenhaus Daun. Für Leutnant Weis ist es „ein anspruchsvoller, aber auch erfüllender Job“, sagt sie. Einer, der nun eben getan werden muss, zum Wohle und Schutz der Bevölkerung.