Herbert Fandel begrüßt Margot Käßmann bei Einblicke im Haus Beda

Kostenpflichtiger Inhalt: Talkshow im Haus Beda : Herbert Fandel begrüßt Margot Käßmann bei „Einblicke“

Herbert Fandels Talkshow „Einblicke“ ist um einen Höhepunkt reicher. Im ausverkauften Saal des Hauses Beda plauderte er mit Margot Käßmann über ihre Karriere, ein angespanntes Verhältnis zu den Medien und ihre Einstellung zum Tod.

Es sind genau diese Momente, die einen Talkmaster glücklich machen: Der Gast, in diesem Fall die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, lässt sich ganz fallen, kommt ins plaudern und nimmt kein Blatt vor den Mund. „Das ist hier aber auch gemütlich in dieser Wohnzimmersituation“, sagt sie und lacht – wie so häufig an diesem Abend – sehr herzhaft. Sie vergesse ganz, dass da noch andere Leute seien. Ein größeres Kompliment hätte die 61-Jährige ihrem Gastgeber kaum machen können, von den Anderen gibt es an diesem Abend nämlich durchaus sehr viele.

Bereits wenige Minuten nach dem Vorverkaufsbeginn, waren alle 300 Karten für den Abend vergriffen. Wer eines der begehrten Tickets ergattern konnte, darf sich glücklich schätzen, denn die Chemie zwischen dem ehemaligen Schiedsrichter und der pensionierten Pfarrerin stimmt von Anfang an. Chronologisch sprechen sie über Käßmanns Leben bis zum jetzigen Ruhestand.

Wie seit der Premiere der „Einblicke“ vor fast zehn Jahren bewährt, gibt Fandel vor allem Gesprächs-Impulse und lässt seinen Gast dann ganz in Ruhe reden. Erst geht es um eine glückliche Kindheit in der Werkstatt ihres Vaters, dann um die Bildung. „Meinem Vater war das Abitur eher egal, aber meiner Mutter war wichtig, dass ich als Mädchen mein Abi mache“, sagt sie. Dass die Reise in Richtung Theologie gehen würde, sei nicht geplant gewesen, aber für sie selber auch nicht überraschend. „Gott gehörte immer dazu. Sonntags gingen wir als Familie in die Kirche. Wenn ich nicht wollte, dann sagte meine Mutter nur: ‚Wenn der liebe Gott in der Woche immer für Dich Zeit hat, dann kannst Du sonntags auch Zeit für ihn haben.“

Die Minuten rasen an den Plaudernden und ihren Zuhörern vorbei. Intensiven Eindruck hinterlassen wohl besonders Käßmanns Positionen zum Thema Tod. „Er gehört einfach zu uns dazu. Wir alle werden einmal sterben. Wichtig ist, dass wir vorher drüber sprechen“, sagt sie. Sie verstehe nicht, dass der Tod zu einem Tabu-Thema stilisiert werde. „Es gibt tausende Wege der Geburtsvorbereitung, für den Tod aber im Grunde keine.“

Eher unaufgeregt blickt sie auf ihre Pionierrolle in Sachen Frauenbeteiligung an der EKD. Das sie als erste junge Frau Landesbischöfin, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages und später EKD-Ratsvorsitzende würde, das sei eben so. „Es passierte einfach immer wieder“, analysiert sie nüchtern. Oft, ja sogar sehr oft, wird auf der Bühne gelacht, nur wenn es um das Verhältnis zur Presse geht, wird der Grundton deutlich ernster als zuvor. „Wenn ich heute etwas anders machen würde, dann wäre es der Umgang mit den Medien. Ich war naiv und erzählte immer wieder einfach alles von der Leber weg“, sagt sie. Heute wäre sie da wohl vorsichtiger, mutmaßt sie.

Käßmann macht keinen Hehl daraus, dass besonders die „Trunkenheitsfahrt“, die schließlich im Februar 2010 den Rücktritt als EKD-Vorsitzende nach sich zog, ihr Verhältnis zu den Medien nachhaltig veränderte. Offenherzig berichtet sie von dem Abend, der mit einer positiven Alkoholkontrole der Polizei endete. „Es war ein Fehler und es ist auch heute noch ein Fehler. Aber diese Form von Spießrutenlaufen, die auf die Berichterstattung der Bildzeitung folgte, habe ich so das erste Mal erlebt“, sagt sie. Überall sei sie von Kameras verfolgt worden. „Ja, das war ein Alptraum.“ Sie genieße wieder einigermaßen „privat“ zu leben. „Menschen, die wie Kim Kardashian von dieser Aufmerksamkeit leben, verstehe ich nicht.“

Gefühlt ist der Abend nach einem Wimpernschlag vorbei,tatsächlich vergingen mehr als anderthalb Stunden. Fandel schließt mit einer Bestandsaufnahme und fragt danach, was Käßmann heute umtreibt. Ihr mache die veränderte Stimmung im Land Angst, sagt sie. „Ich sorge mich angesichts des neuen Tons. Nicht nur im Internet entsetzt mich die Häme, die Hetze und die Boshaftigkeit.“ Jüngst habe ihr jemand eine Nachricht geschickt mit dem Inhalt: „Wir werden dich abschlachten und halal ausbluten lassen.“

„Was sind das für kranke Menschen, die jemandem sowas schreiben?“ Der Widerstand gegen diese Verrohung sei nicht allein Angelegenheit junger Menschen. „Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass der Wille und das Bekenntnis zur gesellschaftlichen Freiheit das einzige sind was zählt und nicht etwa Hautfarbe oder Herkunft.“

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