Herbert Wirtz (92) erinnert an seinen Einsatz bei Ardennenoffensive

Geschichte : Er musste mit 17 Jahren in den Krieg

Der Krieg hat ihm die Jugend genommen: Herbert Wirtz (92) erinnert sich in der Vorweihnachtszeit an die furchtbaren Erlebnisse während der Ardennenoffensive.

Ein heute 16 Jahre alter Eifeler wird entweder eine Lehre machen oder die Schule besuchen, er wird Hobbys haben, Sport oder Musik machen, mit Freunden oder der Freundin über Weihnachtsmärkte schlendern und hoffentlich keine größeren Sorgen haben. Und das ist auch gut so.

Als Herbert Wirtz 16 Jahre alt ist, muss er zum Reichsarbeitsdienst nach Ibenheim am Rhein. Und das ist der Anfang vom Ende seiner Jugend - und nicht nur seiner Jugend. Das Schicksal teilt er mit vielen jungen Burschen zu der Zeit, als der Zweite Weltkrieg tobte und der Kriegstreiber Adolf Hitler auch Kinder an die Front schickte. Als Herbert Wirtz zur Marine-Lehrabteilung nach Büsum einberufen wird, muss er die Familie und seinen Heimatort Zendscheid verlassen. Der Abschied von Eltern und Geschwistern am Bahnhof Densborn ist furchtbar schwer, denn es kann ein Abschied für immer sein. Mehrere junge Soldaten aus dem Bekanntenkreis der Familie Wirtz haben schon ihr Leben verloren. Seine Mutter will ihn gar nicht gehen lassen.

Nach dem Ende der Grundausbildung in Büsum wird Wirtz mit seiner Einheit in der Nacht zum 20.September 1944 in einen Güterzug verladen, ohne zu wissen, wohin die Fahrt geht. Der Zug fährt Richtung Osten, im Berliner Ostbahnhof wird der Zug von feindlichen Bombern angegriffen, wie Wirtz es in seinem Buch „Vom Märchenbuch zur Panzerfaust. Jugenderlebnisse eines Eifeler Zeitzeugen in der 30er und 40er Jahren “ schildert.

Die Fahrt geht schließlich in der Nacht weiter zum Truppenübungsplatz Schiratz in Polen. Wirtz Kompanie wird dem Volksgrenadierregiment 320 unterstellt, der Traum von der Marine ist ausgeträumt.

„Wir Grenadiere waren fast alle 17,18,19 Jahre alt. Ich war mit noch 16 einer der jüngsten“, schreibt Wirtz. Seinen 17. Geburtstag am 3. Oktober 1944 feiert er in einem ehemaligen Gesindehaus eines Gutshauses in Polen. Der Feldwebel schenkt ihm ein ganzes Kommissbrot und jeder bekommt ein halbes Essgeschirr Rotwein sowie einen freien Nachmittag.

Wirtz und seine Gruppe werden als Panzerjäger an Panzerschreck und Panzerfaust ausgebildet. Wirtz schreibt viel über die zum Teil schlechte Verpflegung und den ständigen Hunger, weniger über seine Gefühle. Die Ausbildung ist schließlich beendet und es herrscht Aufbruchstimmung. Die Soldaten werden wieder in Güterzüge verladen, ohne dass sie wissen, welches Ziel sie ansteuern.

Dass es an die Front geht, ist ihnen klar, sie sind aber erleichtert, als sie anhand der Schilder und Bahnhöfe erkennen, dass es Richtung Westfront geht. „Am Bereitstellungsraum um Trier“ angekommen, erfahren Wirtz und seine Kameraden, dass sie an der Ardennenoffensive teilnehmen werden. Nachts müssen sie mit dem Schlauchboot über die Sauer in Richtung der amerikanischen Stellungen, und hier nimmt das Grauen seinen Lauf.

Sein Buch widmet Wirtz seinem Kameraden Philipp Lottermann, der am 23. Dezember 1944 von einem Granatsplitter der eigenen Artillerie ins Herz getroffen wurde und in Wirtz Armen gestorben ist. Und es sind die Erinnerungen an diese schreckliche Zeit, die dem heute 92-jährigen Wirtz besonders  in der Vorweihnachtszeit immer noch zu schaffen machen. „Das kommt jetzt alles wieder hoch“, sagt Wirtz.

Sein Buch stößt auf Interesse: Lob bekommt er dafür von Brigadegeneral a. D. Helmut W. Ganser, der  eine Rezension darüber geschrieben hat. Ein Student der Universität Trier ist mit Wirtz den Weg abgegangen, den er während der Ardennenoffesive marschiert ist. Den Hof mit dem Rübenkeller, in dem er Heiligabend 1944 unter schwierigsten Bedingen verbrachte, haben sie laut Wirtz wiedergefunden.

Über das Interesse des Geschichtsstudenten an seinen Erinnerungen hat sich Wirtz gefreut. Ihm ist es wichtig, dass sich junge Menschen mit der Vergangenheit befassen. In seiner Schlussbetrachtung seines Buches schreibt er:

„Ich schreibe diese Erinnerungen nicht etwa, weil ich stolz auf das bin, was wir damals taten. Nein, sie sollen Erinnerung und Mahnung sein, um vor allem jungen Menschen aufzuzeigen, dass Friede und Freiheit wertvolle Güter sind, die zu verteidigen es sich lohnt.“

Das Buch „Vom Märchenbuch zur Panzerfaust. Jugenderlebnisse eines Eifeler Zeitzeugen in den 30er und 40er Jahren“ ist erschienen im Stephan Moll Verlag, Burg Ramstein, Kordel;www.verlagsmo.de