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Herbstzeit ... Zeit der Vergänglichkeit

Herbstzeit ... Zeit der Vergänglichkeit

Ich stehe am Waldrand und betrachte einen Baum, der seine Blätter verliert - viele liegen schon eingerollt, verblasst und verwelkt am Boden. Einige hängen noch an den Ästen.

Sie sind leuchtend gelb, orange und rot... und wunderschön. Die Wildkräuter fangen an zu vergehen - einige für immer...sie sterben. Aber sie haben vorher im Sommer geblüht und wurden befruchtet. Sie konnten Früchte tragen, haben ihre Samen in die Erde gesetzt und neues Leben angelegt. Dann sind sie gestorben.
Ich denke nach...
Eigentlich sollte ich nicht traurig sein, wenn etwas oder jemand stirbt. Ich befinde mich mitten im Entstehen, im Sein und im Vergehen; als Teil eines Ganzen. Aber Trauer ist stark. Um was trauere ich eigentlich, wenn eine geliebte Person stirbt? Um den Tod? Ich glaube nicht. Ist es nicht vielmehr so, dass ich an all das denke, was ich noch mit diesem Menschen erleben wollte oder was ich ihm noch sagen wollte? Doch nun ist er nicht mehr da für mich. Das ist traurig.
Doch dann fällt mir auch ein, wie gut es war, dass ich die vergangene Zeit mit dem lieben Menschen verbringen durfte. Es wurde mir geschenkt, und ich durfte gleichzeitig schenken. Da war Liebe - ich durfte ein Teil des anderen werden. Ich war geborgen. Alle diese Erfahrungen prägen sich viel tiefer in meine Seele als der Moment des Abschieds. Ein Mensch hat meine Seele berührt und mich zu dem gemacht, was ich bin - und umgekehrt -, und das ist gut so.
Alles, was in der Schöpfung geschieht, scheint gewollt und geplant.
So ist es auch bei den abgeernteten Feldern ... auf den ersten Blick sehe ich die Stoppeln der Vergänglichkeit, auf den zweiten Blick erblicke ich aber "die vollen Scheunen der Vergangenheit. Im Vergangensein ist nämlich nichts unwiederbringlich verloren, vielmehr alles unverlierbar geborgen" (Viktor E. Frankl)
Ingo Ruhe, Forstwirt aus Schwirzheim