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Hering und Weißwurst to go

Einfallsreiche Ehrenamtler : Hering und Weißwurst to go in Bitburg-Masholder

Seniorennachmittage, Dorffeste, Weihnachtsmärkte — wegen der Pandemie ist 2020 manches ins Wasser gefallen. Im Bitburger Stadtteil Masholder haben Ehrenamtliche für Ersatz gesorgt.

Weihnachten steht vor der Tür. Auch wenn man davon ohne Kalender kaum etwas mitbekommen hätte. Denn das Corona-Virus setzt alles daran, den Eifelern das Fest zu vermiesen. Weihnachtsmärkte: abgesagt oder ins Netz gewandert. Sogar eine adventliche Traktorfahrt musste abgebrochen werden. Und nun kommt auch noch der Lockdown, pünktlich zum Heiligabend.

Wer da in die richtige Stimmung kommen will, muss schon hart im Nehmen sein. Oder: sich etwas einfallen lassen. Wie eine Gruppe von Bürgern im Bitburger Stadtteil Masholder. Gefunden hat sich das Team von „Ma trefft sich“  vor Jahren beim Zukunftscheck Dorf. Inzwischen ist daraus, zusammen mit dem Förderverein, eine Initiative zum Erhalt des Dorflebens geworden. „Und zwar eine, die auch in größeren Gemeinden ihresgleichen sucht“, wie Mitinitiatorin Karin Bujara Becker (CDU) sagt.

Was man schon so alles auf die Beine gestellt hat: einen regelmäßigen Kaffeetreff sowie diverse Veranstaltungen zu Ostern, Halloween, Weihnachten. Und sogar eine eigene kleine Dorfzeitung, genannt „Maßelter Blatt“.

Doch im Frühjahr kamen das Virus und der Schock. Wie sollte es weitergehen mit „Ma trefft sich“, wenn man sich eben nicht mehr treffen darf? Schnell war klar: Kopf in den Sand stecken ist nicht. Was es brauchte, waren besondere Ideen für eine besondere Zeit.

Die erste Veranstaltung, die wegen des Virus auf der Kippe stand war das Heringsessen im März. Und klar, als Fest war das nicht möglich. Doch wenn der Mensch nicht zum Fisch kommt, muss man den Fisch eben zum Menschen bringen, dachten sich die Veranstalter. Und boten den Hering einfach „to go“ an.

Was offenbar so gut angenommen wurde, dass man es im April gleich wieder probierte. Statt eines großen Osterfestes haben die Ehrenamtlichen Geschenke gekauft und sie den rund 45 Senioren vor die Tür gestellt. Die Freude, sagt Bujara-Becker, sei riesig gewesen.

Erfolge wurden auch das Kürbisschnitzen mit Kindern im Herbst. Und vor allem der bayrische Abend, eine Art „Oktoberfest“ im eigenen Wohnzimmer mit Weißwurst, Kartoffelsalat und Bier auf Bestellung.Auch für die Adventszeit hat sich die Gruppe etwas einfallen lassen. Statt des Adventsbasars, der angesichts der steigenden Infektionszahlen im Kreis freilich abgesagt werden musste, will man nun mit besonderer Dekoration und Beleuchtung Weihachtsstimmung in den Ort bringen. Und die kommt nicht etwa von Amazon, sondern aus der heimischen Werkstatt.

Genauer: aus der des Masholderers Thomas Sander. Denn der hat in den vergangenen Tagen und Wochen fleißig Holzfiguren gesägt und gebrannt. All die Bärchen, Glocken, Sterne, Kerzen und Nussknacker mussten nur noch von Kindern bemalt und an die Tanne auf dem Dorfplatz gehängt werden. Und fertig ist der in diesem Jahr besonders ausgefallene Weihnachtsbaum.

Für die passende adventliche Atmosphäre fehlt nur noch die richtige Beleuchtung. „Ich habe das Gefühl, dass es in dieser doch dunklen Zeit ein großes Bedürfnis nach Licht gibt“, sagt Bujara-Becker. Und auch das überlassen die Masholderer nicht dem Zufall.

Hering und Weißwurst to go
Foto: TV/Privat

Sie haben daher Leuchttannen bestellt und an Senioren verschenkt. Auch andere Bürger können sie bei der Gruppe erwerben. Das Ziel: Jeder Masholderer soll zumindest ein Fenster beleuchten. Mit dem Dorfgemeinschaftshaus haben die Ehrenamtlichen schon angefangen. So geht bald auch in Masholder ein besonderes Jahr zu Ende. Das durch die Gruppe „Ma trefft sich“ wohl zumindest etwas erträglicher geworden ist.