Herzblut und Durchhaltevermögen
Über sieben Monate hat die Industrie- und Handelskammer die Schulklasse 8 b der Maximin-Schule Bitburg im Projekt "Fit für das Berufsleben" geschult. In einer Abschlusspräsentation beeindruckten die Schüler mit beachtlichen Leistungen sowie einem großen Zugewinn an Persönlichkeit und Eigenständigkeit.
Bitburg. Die Maximin-Schule in Bitburg ist eine Förderschule mit Schwerpunkt Lernen und Sprache. Die Kinder werden zeitlich begrenzt, in Fällen stärkerer Lernbeeinträchtigung aber auch durchgehend von Klasse 1 bis Klasse 9 unterrichtet. In der Schulstruktur hat die Klasse 8 b als "Arbeitsweltklasse" eine Sonderstellung, denn hier wird mit stark praxisorientiertem Unterricht auf die Entlassung in die Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet. "Der pädagogische Hintergedanke ist: Praxis ebnet den Weg zur Theorie", sagt Schulleiter Ferdinand Heib. In diesem Sinne schien Klassenleiter Dirk Sponholz eine Infoveranstaltung über Bewerbertrainings der IHK Trier interessant, er knüpfte Kontakt und es entstand "Fit für das Berufsleben": "Ein besonderes Projekt, weil Mitarbeiter der IHK Einblick ins Förderwesen und die Schüler Einblick in die Wirtschaft gewinnen." Koordiniert von Alexandra Lossjew haben Caroline Thielen-Reffgen und viele andere ehrenamtliche Dozenten der IHK über sieben Monate zweimal wöchentlich mit den neun Schülern und einer Schülerin der 8 b in kleinen Gruppen gearbeitet. In den Unterricht integriert standen unter anderem Persönlichkeitsbildung, die Auseinandersetzung mit eigenen Stärken, Schwächen und Berufswünschen auf dem Programm. Dazu gab es Präsentationsübungen und eine intensive Schreibwerkstatt mit dem Ziel, individuelle statt Standardbewerbungen abfassen zu können. "Eine große Herausforderung für unserer Schüler, denn viele sind Legastheniker", erklärt Sponholz. Alexandra Lossjew betont: "Wir haben versucht, ihnen nichts abzunehmen, sondern sie als Partner auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit zu unterstützen." Und das ganz lebenspraktisch, denn der Gang zum Fotografen oder zum Schreibwarengeschäft wurde genauso geprobt wie ein "echtes" Vorstellungsgespräch. "Sie haben Bewerbungen auf eine fiktive Stelle an die IHK geschickt und dann eine Einladung bekommen", erzählt Lossjew. In der Volksbank Bitburg sei das Gespräch simuliert worden, ohne dass eine den Schülern vertraute Person dabei gewesen sei. Ihre Erfahrungen und ihr neues Wissen haben Micha, Dominik und die anderen auf der Bühne ihrer Schule präsentiert. Mit dem Mut, überhaupt vor Publikum frei zu sprechen, Freundlichkeit, Unbefangenheit und anrührend persönlich formulierten Erkenntnissen haben sie dabei die Gäste, darunter Regierungsschuldirektor Hubert Weis, Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit und IHK-Hauptgeschäftsführer Arno Rössl beeindruckt. Eine Mutter meinte: "Ich erkenne meinen Sohn nicht wieder." Sichtlich gerührt zogen auch Alexandra Lossjew und Caroline Thielen-Reffgen Bilanz: "Wir nennen das Projekt jetzt ,Zukunft durch Leistung', denn die haben die Schüler hier mit Herzblut und Durchhaltevermögen erbracht." Eine Weiterführung soll es schon im nächsten Jahr geben.