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Heute Bomben-Entschärfung

Heute Bomben-Entschärfung

Gestern entdeckten Bauarbeiter bei Ausschachtungsarbeiten in der Bitburger Philipp-Reis-Straße eine zweieinhalb Zentner schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Heute müssen alle Menschen im Umkreis von 300 Metern um die Fundstelle ihre Häuser räumen, damit der Blindgänger entschärft werden kann - rund 1500 Menschen sind betroffen.

Bitburg. "Bombenfund in der Philipp-Reis-Straße: Sie werden aufgefordert, ihre Wohnung bis 17 Uhr zu verlassen": Handzettel mit diesem Eingangssatz wurden gestern im Evakuierungsgebiet verteilt. "So sind alle schon mal vorgewarnt", sagt Erich Grün, Leiter des Ordnungsamts."Um eine möglichst geordnete und unaufgeregte Evakuierung der rund 1500 betroffenen Menschen sicherzustellen, haben wir uns im Krisenstab entschieden, die Bombe erst heute zu entschärfen", erklärt Bürgermeister Joachim Streit. Rund 200 Leute von Polizei, den Rettungs- und Hilfsdiensten und der Stadt werden dafür heute im Einsatz sein.

Notaufnahme-Quartier: Schulzentrum St. Matthias

Weiterer Vorteil des einen Tags Aufschub: Das von langer Hand vorbereitete Handballspiel vom TV Bitburg gegen den Bundesliga-Vierten VfL Gummersbach konnte wie geplant gestern Abend in der ausverkauften Edith-Stein-Hauptschule über die Bühne gehen (Bericht folgt). Hinzu kommt: Da auch drei Seniorenwohnheime mit 160 Bewohnern betroffen sind, hofft der Krisenstab, dass so einige der Senioren bis 17 Uhr von ihren Angehörigen abgeholt werden können und nicht ganz so viele Krankentransporte anfallen. Bis zur Entschärfung wird die Bombe rund um die Uhr von der Polizei bewacht.

Der zweieinhalb Zentner schwere Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ist Bauarbeitern bei Ausschachtungsarbeiten für ein Privathaus auf die Baggerschaufel geraten. "Bombe und Zünder sind in einem sehr guten Zustand, so dass wir keine Schwierigkeiten erwarten", sagt Horst Lenz vom Kampfmittelräumdienst. Und ergänzt: "Gelacht wird aber immer erst hinterher."

Das nahe gelegene Cascade-Bad ist von der Evakuierung nicht betroffen, der Badebetrieb läuft wie gewohnt. Nur kann ab 17 Uhr nicht mehr der Parkplatz über den Talweg angefahren werden. Auch sonst ist das Evakuierungsgebiet ab 17 Uhr abgeriegelt. Als Notaufnahme-Quartier steht die Turnhalle des Schulzentrums St. Matthias in der Prümer Straße bereit.

Der Zeitplan: Bis 17 Uhr müssen alle Häuser im Evakuierungsgebiet geräumt sein, die Polizei wird darauf auch ab 17 Uhr per Lautsprecher-Durchsage hinweisen; ab 17.30 Uhr kontrollieren die Hilfsdienste, ob tatsächlich alle Häuser geräumt sind; zeitgleich werden alle Zubringerstraßen zum Evakuierungsgebiet gesperrt - inklusive der B 257 ab Sonnenhof. Spätestens um 21 Uhr soll die Bombe dann entschärft sein.

Das Evakuierungsgebiet: Philipp-Reis-Straße, Otto-Hahn-Straße, Robert-Koch-Straße, Röntgenstraße, Am Römerquell, Wittlicher Straße, Ludwig-Jahn-Straße, Eifelstraße (zwischen Wittlicher und Gerolsteiner Straße), Am Zuckerborn (zwischen B 257 und Römerquell), Sven-Hedin-Straße (ab Nummer 5 bis Wendeanlage), Talweg (Wittlicher Straße bis Friedhof), Lucas-Cranach-Straße (ab Nummer 5 bis Wendeanlage), Hans-Holbein-Straße (ab Nummer 5 bis Wendehammer) und ein kleiner Teil der Albrecht-Dürer-Straße.

Krankentransport: Wer aus dem Evakuierungsgebiet einen Krankentransport braucht, kann sich ab 8 Uhr unter Telefon 06561/602056 melden. Bitburg.

EXTRA Bitburg. (lars) Von Weihnachten 1944 bis Kriegsende fielen immer wieder Bomben auf die Region. In den vergangenen zehn Jahren musste der Kampfmittelräumdienst in Bitburg mehrfach eingreifen und Blindgänger entschärfen. Insgesamt mussten bei diesen Einsätzen über 6000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Hier eine Rückschau auf die spektakulärsten Einsätze der vergangenen Jahre: NOVEMBER 1997: Bei Baggerarbeiten in der Mötscher Straße wird eine 250-Pfund-Bombe in Bitburg gefunden. Die Mötscher Straße wird für mehrere Stunden gesperrt. Etwa 100 Anwohner werden in Sicherheit gebracht. JULI 1998: Zwangspause für das Folklorefest in Bitburg, weil ein Baggerfahrer in der Brodenheckstraße in 2,40 Meter Tiefe auf einen Blindgänger stößt. 1500 Bitburger müssen vorsorglich ihre Häuser verlassen. AUGUST 2000: In der Bitburger Denkmalstraße wird eine Bombe gefunden. Der Zünder ist jedoch verbogen, und der Kampfmittelräumdienst entschließt sich, das Fundstück auf ein Militärgelände bei Rittersdorf zu bringen, um es dort zu entschärfen. Während des Transports müssen 1500 Bitburger ihre Häuser verlassen. AUGUST 2003: Der Fund einer amerikanischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hält Bitburg in Atem: In der Innenstadt müssen 2000 Bewohner ihre Häuser verlassen, als die Bombe in der Baustelle für einen neuen Aldi-Markt in der Neuerburger Straße entschärft wird. Die komplette Fußgängerzone und ein Seitentrakt des Bitburger Krankenhauses liegen im Evakuierungsgebiet. JANUAR 2006: Nachdem ein Förster eine 46 Kilogramm schwere Bombe in einem Wald bei Bitburg gefunden hat, macht sich der Kampfmittelräumdienst auf die Suche und findet binnen zwei Tagen fünf weitere Splitterbomben gleicher Art in dem Waldstück. OKTOBER 2006: Rund 1200 Menschen müssen in Bitburg nach dem Fund einer 2,5-Zentner-Bombe in der Thilmany-Straße evakuiert werden. Die Entschärfung am Abend verläuft problemlos.