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Heutige Mediengesellschaft kann Fluch und Segen sein

Heutige Mediengesellschaft kann Fluch und Segen sein

Bilder der Gewalt gehören zu unserem Alltag. Beim 63. Prümer Grundschulforum ist Herwig Oehlschläger am Montag besonders auf die Wirkung solcher Darstellungen auf unsere Kinder eingegangen.

Gewaltdarstellungen hat es schon immer gegeben: Im Märchen wird die Hexe verbrannt, die große Weltliteratur lebt von Krieg und Frieden, und auch in der Oper wird intrigiert und gemordet.
Doch was hat sich im Umgang mit den heutigen Medien geändert?

Herwig Oehlschläger, Professor an der Universität Hannover, erläuterte in der Bertrada-Grundschule Prüm, dass es einen großen Unterschied macht, ob ich etwas "mit eigenen Augen gesehen habe", oder aber nur darüber höre oder lese. Studien zufolge hat ein 18-jähriger durchschnittlich etwa 400 000 Gewaltdarstellungen im Fernsehen, Internet oder auf der Spielkonsole gesehen. Bis zu einem Alter von neun bis etwa zwölf Jahren halten Kinder das Meiste davon für real. Der Jugendschutz oder die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft greifen hier nach Meinung von Oehlschläger nicht weit genug, denn: "Beanstanden kann man nur die wirklich sichtbaren Dinge. Das, was wir uns anhand angedeuteter Szenen oder schauriger Musik vorstellen, kann auch gewaltvoll sein, lässt sich aber rechtlich nicht verbieten." Gerade bei Computerspielen sieht er die Problematik, dass man hier zusätzlich zu den bildlichen Gewaltszenarien auch am Geschehen beteiligt ist. Er spricht sich dafür aus, dass Eltern oder Lehrer immer wieder das Gespräch mit den Kindern über das Gesehene und die dargestellten Gewalttaten suchen sollten.

"Wenn ich etwas ändern will, muss ich auch die Hintergründe sehen", sagt er und regt dazu an, dass man Kinder auffordern sollte, sich auch einmal die "Opfer" oder die vermeintlich "Bösen" und deren Leben zu betrachten. Das Hinterfragen dessen, was man vordergründig sieht, die Empathie mit den Opfern und die Notwendigkeit, Kinder nicht allein zu lassen mit den Gewaltdarstellungen und ihrer Angst - all das habe zu allen Zeiten gegolten und sei auch weiter ein Weg im Umgang mit den aktuellen Medien. hau