Hexen an der Giftspritze

Erst einige Tage später werden in Geichlingen die Ausmaße eines vermeintlichen Hexennacht-Streichs sichtbar: Mit Unkrautvernichter haben Unbekannte eine wirre Botschaft auf dem Sportplatz hinterlassen und damit das Rasengelände ruiniert.

Unbekannte haben in der Hexennacht mit Unkrautvernichter auf dem Rasensportplatz in Geichlingen viel Schaden angerichtet. TV-Foto: Uwe Hentschel

Geichlingen. Frank Bermes und Martin Peters stehen hinter der Theke des Vereinshauses und schauen aus einem der Fenster. Es regnet, doch selbst wenn an diesem Tag die Sonne schiene, so bliebe die Aussicht auf den Sportplatz getrübt. Und daran ändern könnte auch das Pinup-Girl nichts, das leicht bekleidet mit laszivem Blick zwischen den Fenstern an der Wand hängt. Denn die Niederlage, die der SC Geichlingen-Koxhausen vor wenigen Tagen eingefahren hat, ist bitter. Richtig bitter. Bitterer als jedes verlorene Heimspiel - und die Aussicht auf Revanche minimal, da die Fußballfreunde aus Geichlingen gar nicht wissen, wer ihnen dieses Desaster beschert hat. Nur so viel ist klar: Passiert ist es in der Nacht zum ersten Mai."Wir haben es für einen einfachen Hexennacht-Streich gehalten", sagt Martin Peters, Geschäftsführer des Sportvereins. Ein Streich, der zunächst so aussah, als hätten Hexennächtler mit roter Sprühfarbe auf dem Rasen der Geichlinger Sportanlage ihren Unsinn getrieben. "Aufgefallen ist es uns direkt am nächsten Tag", fügt Peters hinzu, allerdings habe sich da keiner großartig darüber aufgeregt, da das rot gefärbte Gras beim nächsten, spätestens beim übernächsten Mähen ohnehin wieder verschwunden wäre.Böses Erwachen kam einige Tage danach

Das böse Erwachen kam dann erst einige Tage nach der Hexennacht, als sichtbar wurde, dass die Unbekannten nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Unkrautvernichter am Werk waren. "Man kann auch ohne Gras rasen", steht großflächig in mittlerweile gelben Buchstaben auf dem Sportplatz, wobei Peters und der Vereinsvorsitzende Frank Bermes eher davon ausgehen, dass es nicht "Gras rasen", sondern "Grasrasen" heißen soll - was mit Blick auf den Tatort eher Sinn ergeben würde, im Endeffekt aber egal ist, weil der entstandene Schaden das Problem ist und nicht die konfuse Botschaft."Wir können uns das nicht erklären", sagt Peters, der allerdings nicht ausschließen kann, dass die Tat möglicherweise einen historischen Hindergrund hat. So ist links oberhalb des Schriftzuges etwas geschrieben, dass als "9:1" interpretiert werden könnte - und dieses "9:1" ist gleichzeitig das Ergebnis eines Spiels, das im vergangenen Sommer auf dem nun geschändeten Platz gegen die Fußballer aus Nussbaum verloren wurde."Natürlich kommt es zwischen den ortsansässigen Mannschaften oft zu Rivalitäten", sagt der für den Fall zuständige Polizist Otto Burrelbach, doch Hinweise auf einen Zusammenhang oder einen konkreten Tatverdacht gebe es nicht. Dafür jedoch eine Anzeige, die Bermes und Peters gerne zurückziehen würden, sollten sich die hexennächtlichen Rasenvernichter doch noch bei ihnen melden. Tun sie das nicht, so will der Verein mit einer 2000-Euro-Belohnung auf Täterfang gehen. "Das ist zwar viel Geld", sagt Peters, aber immer noch billiger als die Instandsetzung des Rasens, der erst 2005 "mit viel persönlichem Einsatz" neu eingesät worden sei. "Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht", ergänzt Bermes, "von Leuten, die scheinbar noch nie eine ehrenamtliche Tätigkeit ausgeübt haben".