Soziales: Hilfe von der Ankunft bis zur Integration

Soziales : Hilfe von der Ankunft bis zur Integration

Wohin gehen, wenn man als Ausländer in den Eifelkreis Bitburg-Prüm kommt? Beim DRK im Landkreis kümmert sich ein Team um Flüchtlinge und auch EU-Ausländer mit all ihren Fragen. Die Aufgaben dabei sind vielfältig.

Wenn Menschen, die nach Deutschland kommen, irgendwann Eifeler Platt sprechen, dann gelten sie gemeinhin als integriert. So etwas gibt es tatsächlich?  Irmgard Mminele weiß zumindest von einem Fall. Sie leitet den Bereich Flucht, Migration und Integration beim DRK im Eifelkreis, in dem ein Team sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten um die jeweiligen Probleme und Fragen kümmert.

Ein wichtiger Bereich ist der Migrationsfachdienst, der vom Land finanziell unterstützt wird. „Wir sind die erste Anlaufstelle“, sagt Mminele. Hier haben sie und ihr Team schon manche Neuankömmlinge über lange Zeit betreut – unter anderem das oben erwähnte Kind, „das als Baby angekommen ist und jetzt Dialekt spricht“. 

Am Anfang, wenn ein Geflüchteter kommt, geht es um den Asylantrag, bei dem in der Regel Unterstützung benötigt wird. Gleichzeitig erfahren Neuankömmlinge, welche Rechte, aber auch welche Pflichten sie haben. Wenn die Betroffenen dann wissen, dass sie bleiben können, geht es weiter mit der Betreuung. Sprachkursen, Jobsuche, Kindergarten, Schule, alles Dinge, die schwierig sein können.

Bei dieser Arbeit haben Irmgard Mminele und Susanne Schöpges, die für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer zuständig ist, gelernt, dass es wichtig ist, dass alle Seiten miteinander sprechen. So sei es beispielsweise bei der Arbeitssuche wichtig, Themen, die einem der Beteiligten wichtig sind, direkt anzusprechen und eine Lösung zu finden. Das Thema Kopftuch müsse beispielsweise im Vorfeld besprochen werden. Toleranz wünschen sich Mminele und Schöpges dabei von beiden Seiten. Für manche Dinge haben sie Verständnis und versuchen auch bei anderen dafür zu werben. So sei beispielsweise für viele Migranten das Beten mehrmals  am Tag ein wichtiger Halt in einer ansonsten noch fremden Welt. Auch an Schulen werbe man für Offenheit. Derzeit werden hier rund 50 Menschen intensiv betreut.

Die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer,  für die Susanne Schöpges verantwortlich ist, richtet sich an alle Zuwanderer, vor allem in den ersten drei Jahren nach der Ankunft. Das seien zum Beispiel vielfach auch EU-Bürger. Polen und Rumänien nennt Schöpges als Beispiele für die Menschen, die zu ihr kommen. Ziel dieser Beratung ist es, die Menschen zu befähigen, sich selbstständig um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Die Themen der Beratung sind häufig Sprachkurse, Wohnen, Arbeit, Gesundheit und auch Kinderbetreuung und Schule. Auch rechtliche Fragen können besprochen werden. Die Arbeit dieser Beratungsstelle wird vom Bund gefördert.

Eine weitere wichtige Stelle beim DRK-Bereich Flucht, Migration und Integration ist die Unterstützung der Ehrenamtler und die Koordinierung der Flüchtlingshilfe im Eifelkreis. Verantwortlich dafür sind Frank Lippert und Karin Jung.  Viele ehrenamtliche Helfer hätten sich 2015 gemeldet, sagt Lippert. Doch Bedarf gebe es nach wie vor. Vor allem bei der Betreuung von Migranten leisteten Ehrenamtliche eine wichtige Arbeit. Aber auch an anderen Stellen werde Hilfe gebraucht. „Wer sich engagieren möchte, ist willkommen“, sagt Lippert. Alleine gelassen werden die freiwilligen Helfer nicht. Sie werden unterstützt und geschult. „Wir sind da, wenn es Probleme gibt.“ Denn die Arbeit ist nicht immer leicht. „Einige Ehrenamtliche kriegen nicht immer Lob“, erklärt Lippert. Bei der Koordinierung der Flüchtlingshilfe geht es um Hilfeleistungen bei der Erst-Unterbringung, Erst-Orientierung und der langfristigen sozialen Betreuung. Auch kümmert sich die Stelle um die Integration. Projekte wie eine Fahrradwerkstatt und ein Gartenprojekt zusammen mit der gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit und Qualifizierung, Alibi, sind Beispiele dafür. Auch Sprachkurse werden mittlerweile hier angeboten. Diese werden gerne von Flüchtlingen im laufenden Asylverfahren genutzt, denn Zugang zu den Integrationskursen haben sie erst, wenn sie ein Aufenthaltsrecht haben. Ein Treffpunkt ist das Café Miteinander.

Speziell an Frauen richtet sich das Angebot der Beratenden Anlaufstelle für Schutz, Integration und Selbstbestimmung B.A.S.I.S. Hier finden weibliche Migrantinnen diskrete Beratung, auch in schwierigen Lebenslagen. Hier ist das Netzwerk wichtig, um schnell und unbürokratisch Stellen ansprechen und miteinbeziehen zu können. Zudem gibt es in dem Bereich, für den jetzt Julia Spang die Verantwortung an Romina Rescher übergeben hat, niedrigschwellige Angebote   wie etwa den offenen Frauentreff, bei dem weibliche Flüchtlinge   mit unterschiedlicher Herkunft und Religion sowie Einheimische zusammenfinden. „Der Frauentreff hat sich gut etabliert“, sagt Spang. Sie hilft auch bei der beruflichen Orientierung. Manche Migrantinnen seien gut ausgebildet, stünden aber hier erst einmal vor dem Nichts. In Kursen kann dann herausgearbeitet werden, wo die Kompetenzen liegen.

Ein wichtiger Teil der Fachstelle ist die Beratungsstelle Anker. Hier kümmert sich Jana Nickels darum, religiös motivierten Extremismus zu verhindern. „Wir haben einen offenen Jugendtreff und Angebote wie Kickboxen“, sagt Nickels. Hier werden auch Veranstaltungen organisiert wie die Wanderausstellung „Was glaubst du denn?!“, die auch im Eifel-Gymnasium Neuerburg zu sehen war. Anker ist auch eine Anlaufstelle für Menschen, die befürchten, dass sich jemand in ihrem Umfeld radikalisiert.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld von Irmgard Mminele ist der Suchdienst und Familiennachzug. Wenn Angehörige durch Kriege, Katastrophen, Vertreibung oder Migration getrennt werden, können die Betroffenen hier unterstützt werden. Das sei wichtig, denn „viele haben den Kopf nicht frei für die Arbeit, wenn die Familie nicht nachkommen kann“, sagt Mminele.

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