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Hillesheimer Krimitage: Lesung mit Herbert Pelzer und Andrea Revers

Lesung mit Herbert Pelzer und Andrea Revers : Punktlandung trotz Programmänderung bei den Hillesheimer Krimtagen

Statt mit dem Bus zu verwunschenen Hütten zu fahren, gab es an den Hillesheimer Krimitagen bei einer Lesung spannende Unterhaltung im Kriminalhaus.

(bb) Ein kluger Coup der beiden Krimiautoren war es, an der Lesung des jeweils anderen mitzuwirken. Zurückhaltend zwar, denn der Charakter ihrer Romane hat ja mit dem persönlichen Stil zu tun. Doch den Passagen hin und wieder eine andere Stimme zu geben, machte Herbert Pelzer und Andrea Revers offensichtlich Spaß und war fürs Publikum anregend und abwechslungsreich gleichermaßen.

  Ob in Andrea Revers’ neuem Roman „Komm gut heim“ tatsächlich „irgendwie netter gestorben“ wird, wie die Autorin selbst mit einem Augenzwinkern erklärte, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass der Titel „Es wird jemand sterben“ von Herbert Pelzers jüngstem Werk eine ziemliche Untertreibung ist. „Nein, Sofia Henschenmacher mordet nicht, und sie wird auch nicht ermordet“, verriet der 67-Jährige, der in Nörvenich auf dem platten Land vor den Toren Kölns lebt und schreibt und zuvor in der Film- und Fernsehausstattung tätig war, zwar mit Blick auf die erste im Roman auftauchende Protagonistin. Doch darüber hinaus zeichneten sich bereits auf den ersten Seiten eine ganze Reihe der Bewohner des kleinen Nordeifeldorfes als Opfer oder Täter ab - vom Dorftrottel Martin Schopp und der in ärmlichen Verhältnissen lebenden Zugezogenen Metha Markwitz mit Tochter Ursula über die gutbürgerliche Apothekerfamilie Siedemann bis zu dem Selbstjustiz planenden Quartett von Männern, die Feinbein, Kadenbach, Behnke und Kabelke heißen.

   Herbert Pelzer siedelte auch diesen Roman in der Nachkriegszeit und den beginnenden Wirtschaftswunderjahren an. „Mich reizt daran, dass die Menschen von der Nazizeit, dem Krieg und den ersten schweren Jahren danach noch traumatisiert waren und dass es dann diesen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und damit einhergehend eine Reihe von gesellschaftlichen Veränderungen gab“, erklärte er. Und sagte: „Da steckt so viel Spannung drin.“

   Bei Andrea Revers (Jahrgang 1961), die sich nach langjähriger Tätigkeit als Diplom-Psychologin und Journalistin nun von ihrem Landsitz in Leudersdorf aus dem Schreiben von Kriminalkurzgeschichten und -romanen widmet, liegen der Handlung Pressemeldungen zugrunde. In ihrem Debüt „Schlaf schön“ war es die Nachricht von einer letztlich ungeklärten Sterbeserie in einem Seniorenheim in der Eifel, in ihrer Neuerscheinung „Komm gut heim“ der Bericht über die hohe Dunkelziffer an Tötungsdelikten unter den als natürlich deklarierten Todesfällen. In beiden (und nicht letzten!) Fällen ermittelt die pensionierte Kriminalkommissarin Frederike Suttner als moderne Eifeler Miss Marple. Angelegt worden sei die Figur bereits mit Oma Minchen in der Kurzgeschichte „Männer sind wie Unkraut“, erzählte Andrea Revers und las das „bitterböse Betthupferl“ der Anschauung halber vor. Und noch ein Gedicht: „So bleibt die Liebe frisch“ von Andrea Neven, die bei der ursprünglich geplanten Rundreise mit dem Hillesheimer Krimibus und den Stopps an verwunschenen Hütten neben Herbert Pelzer und Andrea Revers die Dritte im Bunde gewesen wäre. Coronabedingt war die Busreise abgesetzt und die Veranstaltung in den grünen Salon des Kriminalhauses verlegt worden; krankheitsbedingt hatte Andrea Neven dann daran nicht teilnehmen können.

Die Bücher der Lesung: Herbert Pelzer, Es wird jemand sterben, 277 Seiten, KBV Verlags- und Mediengesellschaft Hillesheim, 13 Euro. Andrea Revers, Komm gut heim, 311 Seiten, KBV Verlags- und Mediengesellschaft Hillesheim, 13 Euro. Andrea Revers und Claus Weischet, Bitterböse Betthupferl. Kriminelle Kurzgeschichten aus der Eifel, 103 Seiten, Feldhaus Verlag Hamburg, 19,80 Euro.