Himmeroder Insolvenz: Hoffen und Beten

Himmerod · Die Insolvenz der Wirtschaftsbetriebe des Eifeler Klosters Himmerod hat nicht nur unter den Gläubigen große Betroffenheit ausgelöst. Die nahezu einhellige Meinung: Noch ist die Zisterzienserabtei nicht verloren.

Himmerod. Das Konventamt am Sonntagvormittag gehört traditionell zu den am besten besuchten Gottesdiensten in der Himmeroder Abteikirche. Doch an diesem Sonntag sind noch deutlich mehr Gläubige als sonst anwesend: ein klares Signal, wie sehr den Menschen rund um Himmerod das Schicksal "ihres" Klosters am Herzen liegt.
Am Tag zuvor war bekannt geworden, dass die Wirtschaftsbetriebe der Abtei zahlungsunfähig sind, "Interims-Abt" Pater Stephan letztlich nichts anderes übrig blieb, als beim Wittlicher Amtsgericht Insolvenzantrag zu stellen. Ob es eine Rettung für das Unternehmen gibt, soll jetzt ein vom Gericht bestellter Gutachter klären.
Der Trierer Rechtsanwalt Jörg A. Wunderlich war gestern Nachmittag erstmals vor Ort, um mit den Zisterziensermönchen und den etwa 35 zivilen Mitarbeitern zu sprechen. "Ich muss mir zunächst mal ein Bild von der Situation machen", sagte der Insolvenzprofi vor dem Gespräch unserer Zeitung.
Die Wirtschaftsbetriebe, zu denen etwa der Klosterladen oder die Gaststätte gehören, schreiben seit längerem rote Zahlen - nach den letzten veröffentlichten Bilanzen rund 200 000 Euro jährlich. An der finanziellen Misere konnten auch diverse Berater und Unterstützer nichts ändern, die den Eifeler Mönchen in den vergangenen Jahren zur Seite gesprungen sind.
Einige Himmerod-Kenner wie der ehemalige Manderscheider Verbandsbürgermeister Walter Densborn glauben sogar, dass es so manchem vermeintlichen Retter mehr um den eigenen Geldbeutel als um die finanzielle Gesundung der Abteibetriebe gegangen sei. "Es waren zu viele und die falschen Leute", sagt Densborn, dessen Verein sich unter anderem um das in der alten Himmeroder Mühle untergebrachte Museum kümmert; "finanziell erfolgreich", wie er hinzufügt.
Hat Himmerod überhaupt eine Zukunft? "Es ist noch nicht zu spät", meint der ehemalige Manderscheider Bürgermeister, und auch sein Nachfolger Wolfgang Schmitz ist zuversichtlich: "Es gibt viele Menschen, denen Himmerod wichtig ist. Es wird weitergehen."
Personelle Schwierigkeiten


Die spannende Frage ist nur: Wie? Denn das knapp 900 Jahre alte Kloster steckt nicht nur finanziell, sondern auch personell in Schwierigkeiten. In dem riesigen Komplex leben gerade einmal noch elf Mönche mit einem Durchschnittsalter von geschätzt weit über 60 Jahren. "Wunderbare Menschen", sagt ein Einheimischer, "die aber von geschäftlichen Dingen keine Ahnung haben."
Das Trierer Bistum will sich an den Rettungsbemühungen offenbar nicht direkt beteiligen. Auf TV-Anfrage sagte Generalvikar Georg Holkenbrink, es liege nun an den Verantwortlichen des Ordens, "gut zu überlegen, welche Zukunft sie für die Abtei Himmerod sehen. Wir hoffen und beten, dass sie eine gute Entscheidung treffen."
Anfang Oktober tagt das sogenannte Kongregationskapitel von mehr als 20 Zisterzienser-Klöstern. Ob Himmerod noch eine Perspektive hat, wird sich auch bei diesem Treffen entscheiden. sey

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