HINTERGRUND

Der Westwall Von Kleve durch die Eifel entlang der belgischen und luxemburgischen Grenze über Trier, Saarbrücken und Karlsruhe bis nach Weil am Rhein an der Schweizer Grenze erstreckte sich der Westwall: 630 Kilometer, gesäumt von rund 18 000 Bunkern, Stollen und Panzersperren. Adolf Hitler hatte die letzte permanente deutsche Landesbefestigung zwischen 1936 und 1940 bauen lassen. Zu Kriegsbeginn im September 1939 war der Westwall die größte Baustelle Europas. Erst 14 000 Bauwerke waren fertig; davon nur wenige ständig bemannt. Die nationalsozialistische Propaganda pries Hitlers 3,6 Milliarden Reichsmark teueres Mammutprojekt (Materialeinsatz: 1,25 Millionen Tonnen Stahl, acht Millionen Tonnen Zement) als "uneinnehmbar". Die Franzosen wiederum verschanzten sich hinter ihrer Ostbefestigung, der Maginot-Linie. Im Mai 1940 dienten Teile des Westwalls als Ausgangspunkt für Hitlers Frankreich-Feldzug. Nach der Teilkapitulation der Franzosen war der Westwall militärisch zunächst bedeutungslos: Bauern stellten in den Bunkern Kühe unter oder lagerten dort Kartoffeln. Der "Dornröschen-Schlaf" endete im Juni 1944, als die Alliierten in der Normandie landeten: Der Sturm auf das Deutsche Reich hatte begonnen. Im September stießen US-Soldaten an den Westwall, wo deutsche Truppen hastig wieder eine Verteidigungslinie aufgebaut hatten. Als Befreiungsschlag startete die Wehrmacht am 16. Dezember vom Westwall aus zwischen Monschau und Echternach die letztlich erfolglose Ardennen-Offensive. Im Hürtgenwald in der Eifel tobten sechs Monate lang um die Bunkeranlagen erbitterte Kämpfe. Im Frühjahr 1945 fielen die letzten Westwallbunker an der Saar. Keine zwei Monate später war der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende. (scho)