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Historischer Tag für ein altes Gemäuer

Historischer Tag für ein altes Gemäuer

1,2 Millionen Euro Stiftungsgeld sollen dazu beitragen, dass Schloss Malberg noch lange majestätisch über dem Kylltal thront. Zur feierlichen Stiftungsgründung ist auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer angereist.

Malberg. Durch die hohen Sprossenfenster fällt Sonnenlicht in den Trausaal, streift die filigranen Intarsien der Wandvertäfelung, spielt mit dem Muster des Parkettbodens und lässt die hellgrüne Wandbespannung samtig glänzen. Auf den Tischen liegen Rosenblätter. Die Ehrengäste blicken erwartungsvoll. Es ist ein Festtag für Schloss Malberg.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ist im schwarz-weiß gestreiften Sommerkleid nach Malberg gekommen, um dort die Gründung der "Stiftung Schloss Malberg" zu feiern - zusammen mit ein paar Dutzend Menschen, die sich politisch, beruflich oder ehrenamtlich für das wuchtige Kleinod im Kylltal eingesetzt haben. Insgesamt 1,2 Millionen Euro stellen die Stifter für den Erhalt des Bauwerks und die Förderung von Kunst und Kultur bereit.
Roter Teppich zum Hochzeitstag


Betreten hat die Ministerpräsidentin das "Neue Haus" über einen roten Teppich, der - so ist es einer der vielen Reden zu entnehmen - zu Ehren ihres Hochzeitstages ausgerollt wurde (vor rund zehn Jahren heiratete sie den jetzigen Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen). Nicht nur deshalb wird das Thema Hochzeit im Trausaal zum Leitmotiv des Festakts. Sind die 700 000 Euro, die Dreyers Landesregierung zur neuen Stiftung beiträgt, doch das Geschenk für die Fusion der Verbandsgemeinden (VG) Kyllburg und Bitburg-Land zur neuen VG Bitburger Land. "Keine Hochzeit ohne Mitgift", sagt die Landeschefin, ehe sie die Weitsicht und den Mut der Kommunalpolitiker lobt, die die Vereinigung vorangetrieben haben. Einige davon sind unter den Zuhörern, darunter die ehemaligen Bürgermeister der VG Kyllburg, Bernd Spindler (SPD) und Rainer Wirtz (CDU), sowie der neue Schlossherr Josef Junk (SPD).

"Wir sind verliebt in das Schloss"


Junk, Bürgermeister der neuen VG Bitburger Land, spricht von einem historischen Tag für Schloss Malberg, dankt für die Gabe und kündigt gleich schon mal an, bald einen neuen Förderantrag zu stellen. Schließlich gilt es, einen Teil der fünf Millionen Euro zu ergattern, die das Land 2014 zur Pflege seiner 45 000 Denkmäler bereithält.
"Wir sind verliebt in dieses Schloss", sagt Landrat Joachim Streit, dessen Eifelkreis dies mit einem üppigen Geschenk unterstreicht - 500 000 Euro des Stiftungsgeldes kommen vom Kreis. "Es gab einmal den Raubritter Rudolf", teilt der Landrat den überraschten Zuhörern mit. Diesem Vorbesitzer sei der Unterhalt des Schlosses derart über den Kopf gewachsen, dass er Händler überfiel. Ein Schicksal, das der finanziell überforderten Verbandsgemeinde erspart bleiben soll. Nun, da der Erhalt gesichert sei, müsse man dafür kämpfen, dass im Schloss etwas stattfindet, sagt Streit.
Jemand, der das jetzt bereits tut, ist Bernhard Gies, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Malberg: Für die laufende Saison hat der 144 Mitglieder starke Verein ein Kulturprogramm mit Konzerten, Lesungen und Kabarett organisiert. Gies geht auf die Geschichte des Schlosses ein und auf seine einzigartige Architektur (siehe Extra), ehe Dagmar Barzen, die Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, die Stiftungsurkunde überreicht und sich die Flügeltüren zum "Runden Garten" öffnen. Dort, wo sich oberhalb einer monumentalen Freitreppe der Blick über das sonnige Kylltal weitet, stehen die Sektgläser bereit. Ganz so, wie bei den Hochzeiten, die im Schloss sonst gefeiert werden.Extra

Das imposante, auf einem von der Kyll umflossenen Bergsporn gelegenen Schloss Malberg besteht aus mehreren Teilen: dem Neuen Haus, dem Alten Haus, dem Arkadenbau, der Brauerei und der Kapelle. Eine Besonderheit ist auch die landschaftsbezogene Architektur seiner mediterran anmutenden Terrassengärten. Das "Alte Haus" (gebaut 1591 bis 1597, umgebaut zwischen 1707 und 1711) ist in einfachen Renaissanceformen gehalten. Das "Neue Haus" (1712 bis 1714) ist ein zweieinhalbgeschossiger Bau, dessen dem Garten zugewandte Säle und Zimmer in den vergangenen Jahren aufwendig saniert und in ihren Originalzustand zurückversetzt wurden. Dort sind nun auch wertvolle Möbel, Bilder und Wandbehänge zu bestaunen. Verbunden sind die beiden Gebäude über den "Arkadenbau" (1710 bis 1714). kah