Hobby-Historiker haben in der Eifel viele keltische Spuren gefunden

Kostenpflichtiger Inhalt: Geschichte : Was die Treverer in die Eifel trieb - Größte Keltenburg stand bei Binsfeld

Die Hobby-Historiker Günther Schneider und Günter Leers suchen in der Eifel nach Spuren der Kelten. Nach jahrelanger Recherche vertreten sie mittlerweile die These: Die Dichte an keltischen Festungen war enorm.

Wenn man mit Günther Schneider und Günter Leers durch den Wald bei Binsfeld geht, reist man gedanklich mehr als zwei Jahrtausende in die Vergangenheit. Leers steht neben einer Reihe von Steinen, manche einen halben Meter groß. Es sind viele. In einer Linie ziehen sie sich durch den Wald, besetzt mit Moos. Darunter findet sich behauener Sandstein. Es sind Mauerreste. Keltische Mauerreste, sagen Leers und Schneider. Und zwar von der Wachenbachburg.

„Archäologen, Historiker und Datenbanken erwähnen im Kailbachtal, in Saalholz und Überbüsch nur den keltischen Ringwall Burgscheider Mauer“, sagt Leers. Er hat eine Karte aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie zeigt die Stelle, an der die beiden Männer gerade stehen. „Mauerreste“ ist auf der Karte zu lesen. „Wir finden noch deutlich mehr Hinweise in alten Karten, aber die Fundstellen wurden nie in Datenbanken erfasst.“ Etwa in der des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mayen. Bis sich die beiden Hobby-Historiker darum gekümmert haben.

„Die Wachenbachburg bei Binsfeld war wohl die weitaus größte Keltenburg, die wir in der Region haben“, sagt Schneider. Zum großen Teil sei die  Anlage heute aber vom Spangdahlemer US-Militärflughafen durchschnitten. Denn die Burg am Wachenbach habe nicht alleine gestanden. Es gebe weitere Hinweise auf Festungen in der näheren Umgebung.

Foto: Jan Söfjer

„Die gesamte Formation an Festungen reicht von der heutigen Autobahn A60 bis nach Binsfeld und deutet darauf hin, dass einst dort, wo heute der Spangdahlemer Flugplatz ist, eine größere, dominierende Burg gelegen haben muss“, sagt Leers. Und nicht nur diese. Leers und Schneider haben Hinweise für rund 20 Orte in der Gegend gefunden, an denen keltische Festungsanlagen gestanden haben dürften, eine extreme Dichte. Sie untermauern die Vermutung mit den Dutzenden keltischen Gräbern, die es überall gibt. Schneider und Leers sagen, solche Gräber wären nicht irgendwo willkürlich angelegt worden, sondern nur wenige hundert Meter entfernt von Festungen und Siedlungen.

„Unsere Region muss voll gewesen sein von keltischem Leben. Tatsächlich könnten links und rechts des Kailbachs auf den Höhen etliche Tausend Menschen gelebt haben – mehr als die Verbandsgemeinde Speicher heute Einwohner hat.“

Foto: Jan Söfjer

Leers begann sich vor fünf Jahren stärker für die Geschichte zu interessieren, nachdem er pensioniert worden war. Zuerst für die seines Wohnortes Spangdahlem, aber auch für die Region. Am Computer untersuchte er die Topografie. Bei Google Earth kann man auch schauen, wie eine Gegend vor Jahren oder zu bestimmten Jahreszeiten ausgesehen hat.

„Ich sah Formen in der Landschaft, die nicht natürlich erschienen“, sagt Leers und zeigt auf Satellitenkarten, auf der kreisförmige und gerade Linie erkennbar sind. Keltische Festungsanlagen seien nach einem bestimmten Prinzip gebaut worden – an einem Sporn von abfallendem Gelände umgeben, davor angrenzend weitere Häuser, ein sogenannter Wohnschweif. Alles umgeben von Schutzwällen.

„In der Schule haben wir noch gelernt, dass keltische Burgen nur Fluchtburgen waren“, sagt der pensionierte Landwirt Schneider. Doch das stimme nicht. „Die Burgen waren bewohnt. Und sie standen nie allein.“ Zudem hätten sie Gräberfelder nah bei besessen und bildeten strategische Verbundsysteme mit angrenzenden Burgen. Zwar fiel das Gebiet der keltischen Treverer im Gallischen Krieg 57 bis 53 vor Christus unter die Herrschaft Cäsars, aber die Treverer waren damit noch nicht von der Bildfläche verschwunden, wie die Schlacht von Rigodulum beim heutigen Riol 70 nach Christus zeigt. Die Geschichte der Treverer geht indes bis ins sechste Jahrhundert vor Christus zurück.

Genau datieren können Leers und Schneider die keltischen Festungen nicht. „Wir sprechen nicht von Funden, die einem festen Jahr entstammen, sondern einer Zeitphase von etwa 500 vor bis 400 nach Christus“, sagt Leers. Also grob die westeuropäische Eisenzeit.

Das Eisen spielte eine große Rolle. „Die Region hat vom Eisen gelebt“, sagt Schneider. An vielen Stellen der Eifel tritt der rot-braune Eisenstein offen zu Tage. Auch im Binsfelder Steinbruch. „Der Fels enthält Platteneisenerz, Eisenerz in reinster Form und bis zu drei Millimeter dick“, sagt Leers. Die Kelten hätten dies ohne wesentliche Vorarbeit schmieden können. Es ist ein weiterer Beleg für eine hohe Anzahl von keltischen Siedlungen und Festungen in der Eifel. „Die Menschen haben da gelebt, wo sie Arbeit hatten“, sagt Leers.

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