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Hochwasser in Minden an der Sauer: So sieht es acht Wochen später aus

Flutkatastrophe im Sauertal : Acht Wochen nach dem Hochwasser in Minden bleiben Wunden – im Dorf wie bei seinen Bewohnern

Gleich sechs Orgeln hätte die von der Flut verwüstete kleine Kirche im Eifelort Minden bekommen können: Die Spendenbereitschaft ist gewaltig. Doch die Angst vor dem Wasser bleibt. Nicht alle im Ort können damit leben.

„Für Minden war es eine absolute Katastrophe“, sagt der Ortsbürgermeister Franz-Josef Ferring. „Das Wasser hat es noch nie über die Hochwasserschutzwand geschafft. Wir dachten, wir überstehen es gut. Keiner hat damit gerechnet, dass der Ortskern überflutet wird.“

30 private Häuser wurden von der Flut unter Wasser gesetzt. In Minden fiel für mehr als zwei Tage der Strom aus. Die Pumpen hinter der Schutzwand versagten. Selbst in der höhergelegenen Kirche stand das Wasser fast zwei Meter hoch. Die Schäden allein hier liegen im sechs-stelligen Bereich.

Flutkatastrophe in Minden: 30 Häuser betroffen

„Die in der Kirche umherschwimmenden Möbel haben es überstanden und können restauriert werden. Aber der Rest wurde schwer beschädigt“, sagt Ferring. Die Sakristei und der Altarraum müssen noch für Wochen, wenn nicht Monate mit Geräten getrocknet werden. Der Kies unter den massiven Bodenplatten muss komplett ausgetauscht werden.“

Auch die alte Orgel ist nicht mehr zu gebrauchen. Helfer von der Mosel und dem Westerwald haben der Kirche jedoch jeweils eine Orgel gespendet. „Wir hatten tatsächlich sechs Angebote für geschenkte Orgeln“, sagt Ferring. „Generell ist die Spendenbereitschaft gewaltig. Viele Touristen, die jedes Jahr wiederkommen, haben Geld geschickt. Aber auch ehemalige Bewohner des Dorfes, eine Theatergruppe aus Fulda oder ein FC Bayern Fanclub vom Chiemsee haben gespendet.“

Rund 70 000 Euro sind dadurch bisher für Minden zusammengekommen. Es zähle aber nicht nur die Summe, sagt Ferring. „Die Leute haben damit ein Zeichen gesetzt: Wir sind bei Euch. Und wir unterstützen Euch.“

Nach dem Hochwasser: Schock in Minden sitzt tief

Auch die Hilfsaktionen haben in Minden gut funktioniert. Mehr als 70 Leute sind zu den Helfertagen erschienen. Landwirte und Betriebe standen auch in Minden am Tag nach dem Hochwasser bereit, um zu helfen. Die Bürokratie habe hier hinten angestanden, sagt Ferring. Dadurch sei alles sehr viel schneller gegangen.

Trotz der Hilfe bleibt noch einiges zu tun. Neben der Kirche ist vor allem die Gemeindebrücke in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Geländer und Steinmauern wurden von den Wassermassen fast völlig zerstört. Der Schaden liegt hier bei etwa 50 000 Euro. Auch das Fundament der Brücke an der B418 musste mit 30 Tonnen Steinen verstärkt werden.

Der Schock in der Dorfgemeinde sitzt noch tief. Bisher hätten sich die meisten hinter der Schutzwand sicher gefühlt, sagt Ferring. Das sei jetzt aber nicht mehr der Fall: „Die Leute machen sich sehr viele Gedanken. Keiner kann sagen, dass so etwas nicht wieder passiert. Ich weiß von drei Familien, die aus Angst vor dem Wasser wegziehen. Aber auch ein Investor, der aus einem Jahrzehnte brachliegenden Grundstück 15 neue Wohneinheiten machen wollte, ist nun abgesprungen.“

 Die Kirche in Minden stand fast zwei Meter unter Wasser. Allein das Trocknen des Altarraums soll noch Wochen dauern. Die Sanierngskosten liegen im sechsstelligen Bereich.
Die Kirche in Minden stand fast zwei Meter unter Wasser. Allein das Trocknen des Altarraums soll noch Wochen dauern. Die Sanierngskosten liegen im sechsstelligen Bereich. Foto: Alexander Wittlings

Viele der Schäden im privaten Bereich werden von keiner Versicherung bezahlt. Nun warte man auf eine schnelle und unbürokratische Hilfe von Seiten des Landes. Aber auch die Gesetzeslage müsse sich ändern, sagt Ferring. „Ohne eine solidarische, gesetzliche Versicherung wird das Leben in Dörfern wie Minden in Zukunft deutlich schwerer werden. Niemand will diese Grundstücke versichern. Aber so viel sicheren Wohnraum, wie man hier stattdessen bräuchte, kann niemand schaffen. Da müssen wir als Gesellschaft einfach noch enger zusammenstehen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nach dem Hochwasser: So sieht es inzwischen in Minden aus

(axw)