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Höhen und Tiefen: Zwei Jahre Corona-Pandemie im Eifelkreis

Corona-Pandemie : Epochaler Einschnitt, auch im Eifelkreis

Der Ukraine-Krieg hat Corona aus den Nachrichten verdrängt. Aber damit ist das Virus nicht verschwunden. Im Gegenteil: Nie zuvor gab es in zwei Jahren Pandemie  so viele Fälle wie aktuell. Was lehren zwei Jahre Pandemie im Eifelkreis?

Es war die Ruhe vor dem Sturm, Fastnacht im Februar 2020. Da war Corona längst Thema, die ersten Fälle in Deutschland wurden bekannt. Was da noch keiner ahnte: Der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen entwickelte sich über die Karnevalstage zum ersten Corona-Hotspot Deutschlands.

Zu etlichen Infektionen dürfte es auch dieses Jahr über Karneval gekommen sein, etwa in der eigens dafür ausgerufenen Kölner Brauchtumszone. Aber inzwischen herrscht Gelassenheit, sogar Gleichgültigkeit.

In zwei Jahren Pandemie hat sich viel geändert. Nicht nur der Alltag im Beruf wie im Privatleben, sondern auch die Einstellung. Längst bewerten Historiker die Pandemie als „epochalen Einschnitt“. Wir zeichnen die Entwicklung im Eifelkreis nach.

Von Einzelfällen zu Wellen: Sie kamen aus dem Skiurlaub, vom Besuch in Nordrhein-Westfalen oder einer Dienstreise. Anfang März 2020 konnte das Gesundheitsamt noch genau rekonstruieren, wo sich die ersten Infizierten mit dem Virus angesteckt hatten. Es waren Einzelfälle. Gerade mal 97 positiv Getestete gab es in der Spitze im ersten Pandemie-Monat März 2020 im Eifelkreis; aktuell sind es 4226 – eine Zahl, die vor zwei Jahren sprachlos gemacht hätte, inzwischen aber kaum noch registriert wird. Und das liegt nicht ausschließlich am Krieg in der Ukraine.

Ob auf den eine weitere Infektionswelle folgt? Es wäre die sechste nach der ersten im Frühjahr 2020, der zweiten im Winter 2020/21, der dritte im Frühjahr 2021 und der vierten im Herbst 2021. Gerade scheint die fünfte Welle, seit Ende 2021 getrieben von der Variante Omnikron, langsam abzuebben.

Wann die Pandemie zur Endemie wird, also einer Krankheit, die sich nur noch regional begrenzt ausbreitet, können selbst Experten nicht vorhersagen. Die Frage bleibt, ob im Herbst die nächste Welle mit der nächsten Mutante abermals zu Einschränkungen führt.

Vom Lockdown zum Freedom Day Nichts geht mehr. Mitte März 2020 war es so weit, der erste Lockdown. Für sieben Wochen blieben Schulen, Kitas, Kulturstätten, Gastronomie, sowie weite Teile des Einzelhandels dicht. Es kam zu Hamsterkäufen. Auch im Eifelkreis wurden Klopapier, Nudeln und Hefe gehortet, die Supermarkt-Regale waren meist leer. Viele hatten Angst. Abstand-Hygiene-Alltagsmaske – überall wurden die AHA-Regeln propagiert. Medizinische Masken waren selbst in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen Mangelware. Für den privaten Gebrauch wurde selbst genäht.

Etwas geübter ging es im November 2020 in den „Lockdown light“, der aber nicht die gewünschte Wirkung brachte. Es folgte der zweite Lockdown Mitte Dezember 2020, der mehrmals verlängert wurde. Weihnachten im kleinsten Kreis, Silvester ohne Party und Feuerwerk, Fastnacht fiel flach, Bitburger Beda-Markt, Prümer Sommer: Alles abgesagt. Trotzdem verbreitete sich die so genannte „britische Variante“ auch im Eifelkreis rasant und bescherte fast sechs Monate Lockdown. Und im Eifelkreis ging es gleich weiter. Kurz nach Ostern musste der Kreis die „Bundesnotbremse“ samt nächtlicher Ausgangssperre umsetzen – die Inzidenz lag an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100.

Der Sommer 2021 – in der Eifel geprägt vom Jahrhundert-Hochwasser – war mit Blick auf das Virus ähnlich unbeschwert wie der Sommer 2020. Doch die neue Delta-Variante katapultierte die Menschen zurück in den Pandemie-Alltag. Nach der Bundestagswahl kam im November der „Lockdown für Ungeimpfte“. 2G, 3G, mit oder ohne Plus gehörte schon bald zum Alltagsvokabular.

Und nun? Am Sonntag, 20. März, dem so genannten Freedom Day, sollen alle Einschränkungen Geschichte sein. Ob es dabei bleibt, zeigt sich spätestens im Herbst, wenn es wieder kälter wird.

Von Impfdränglern zur Impfmüdigkeit Die Schlangen waren lang, als das Impfzentrum des Eifelkreises im Januar 2021 unter Regie des DRK-Kreisverbands seinen Betrieb aufnahm. Der Impfstoff war knapp, die Hotline des Landes völlig überlastet, die Ungeduld ebenso groß wie Angst, sich anzustecken und schwer zu erkranken.

Politiker, die sich vorzeitig haben impfen lassen wie etwa der ehemalige Trierer Kulturdezernent Thomas Schmidt oder der einstige Dauner Landrat Heinz-Peter Thiel machten Schlagzeilen. Doch nachdem sich Mitte 2021 fast alle impfen lassen konnten, ließ nach einem ersten Ansturm schon kurze Zeit später die Bereitschaft deutlich nach. Als die Impfzentren im September geschlossen wurden, waren im Eifelkreis gerade 66 Prozent der Menschen zum zweiten Mal geimpft.

Die Bereitschaft, sich immunisieren zu lassen, wuchs mit den Einschränkungen für Ungeimpfte, für die ein Besuch im Restaurant ebenso wie bei der Kosmetikerin beispielsweise tabu waren. Also öffnete das Impfzentrum wieder im Januar 2022, doch der große Andrang legte sich wieder schnell.

Nun sind rund 73 Prozent der Menschen im Eifelkreis doppelt geimpft, fast 65 Prozent auch geboostert. Inzwischen ist längst eine Viertimpfung im Gespräch.