Höllenhitze und heiße Reifen

Wolsfeld · Hitzeschlacht in der Südeifel: Die 52. Auflage des traditionsreichen Motorsport-Events zwischen Wolsfeld und Wolsfelderberg ist eine Herausforderung für Fahrer und Gäste. Bei Temperaturen weit über 30 Grad wird von den Besuchern und Einheimischen Einfallsreichtum im Umgang mit der Witterung verlangt. Den gemeinsamen Spaß am "Einfall" der lauten, bunten PS-Ritter mindert das tropische Wetter aber nicht.

 Wolsfelder Pfingstprozession: Alljährlich verwandelt sich der Ort, wie auch in diesem Jahr, in ein knallbuntes Fahrerlager. TV-Foto: Jürgen C. Braun

Wolsfelder Pfingstprozession: Alljährlich verwandelt sich der Ort, wie auch in diesem Jahr, in ein knallbuntes Fahrerlager. TV-Foto: Jürgen C. Braun

Wolsfeld. Als Streckensprecher Hannes Martin aus Gaggenau am Sonntag zur "High Noon-Zeit" die Zuschauer auf den Naturtribünen entlang des 1,64 Kilometer langen Kurses via Lautsprecher zur Vernunft mahnte , wusste auch der Letzte, dass nun Vorsicht angesagt ist: "Liebe Gäste, die Feuerwehr hat soeben Waldbrand-Gefahrstufe Nr. 4 ausgegeben. Das ist absoluter Höchstwert. Also bitte, lasst das Rauchen im Wald. Wir wollen nicht an so einem wunderschönen Pfingstwochenende hier gemeinsam abfackeln."
Waldbrand-Warnung, Kreislaufprobleme, Zeckenalarm: Die eindringlichen Mahnungen dieses Wochenendes an der Nims und an den Hängen der Südeifel hörten sich nicht gerade wie eine Einladung zu einem unbeschwerten Sommervergnügen an.
Doch die Hartgesottenen und vor allem die Ein- und Vorsichtigen wussten schon, wie sie mit den Umständen der Witterung umzugehen hatten. "Viel Wasser trinken, möglichst kein Alkohol, das Rennen von schattigen Plätzen aus begutachten und Vorsorge tragen gegen die Zecken" lauteten die Tipps von Heiner Weides vom DRK-Ortsverein Bitburg, der mit seinen Kollegen an der Strecke und im Ort "Dienst schob". Der Mann hatte die Ruhe weg in seinem Rettungswagen unweit des Starts. Wohl auch deswegen, weil er ein Profi in Sachen Rettung und ein erfahrener Motorsportler ist. Zwei Rettungswagen von der DRK-Gruppe Südeifel aus Holsthum, dazu ein Fahrzeug am Start: Fünf DRK-Angehörige standen während der Trainings- und Wertungsläufe sowie beim Sommernachtsball ständig bereit.
Weides, selbst Mitglied des gastgebenden Eifel Motor Sport Clubs (EMSC) Bitburg und ehemals aktiver Rallyesportler, konnte zumindest bis Sonntagabend noch von keinen besonderen Zwischenfällen berichten: "Es gab Erschöpfungszustände und das eine oder andere kleine Kreislaufproblem, aber die Leute dürfen halt nicht sorglos sein. Vor allem nicht wegen der Zecken um diese Jahreszeit."
Im Dienst der guten Sache

 Mit Galgenhumor nehmen Sanja, Lisa, Susanne und Karina die tropischen Temperaturen für sich und ihren blauen Flitzer: Es ist Kuschelzeit bei 35 Grad. TV-Foto: Jürgen C. Braun

Mit Galgenhumor nehmen Sanja, Lisa, Susanne und Karina die tropischen Temperaturen für sich und ihren blauen Flitzer: Es ist Kuschelzeit bei 35 Grad. TV-Foto: Jürgen C. Braun


Weides stellte sich als Rotkreuzler und EMSC\'ler in den Dienst der guten Sache: "Ich bin auch dem Club zuliebe dabei. Wenn man das ehrenamtlich macht, kann man ja dem Verein auch ein paar Euro sparen."
So wie er dachten und handelten auch viele Leute aus dem Dorf. Pfingsten ist eben Bergrennzeit. Alles andere wäre fast schon unheimlich in Wolsfeld.
In der Holsthumer Straße, wo sich die lange Blechkarawane zum Vorstart, wie an einer Perlenschnur aufreihte, wurden die Fahrer von den Anwohner teils mit Wasser versorgt, oder man bat sie gar für eine kurze Zeit unter den Sonnenschirm im Vorgarten - wenn es mal wieder auf der Strecke "haperte". In vielen Einfahrten, auf Höfen oder vor Garagen hatten Fahrer ihr Reisemobil aufgeschlagen, wurden ihnen für das Rennwochenende gerne ein paar Quadratmeter zum Service am Rennfahrzeug zugestanden.
Für die Wolsfelder Ortsvereine aber auch befreundete Organisationen aus der Umgebung wie Feuerwehr, THW, Sportverein, Musikverein oder andere Gruppierungen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie an Pfingsten zum Gelingen des Festes beitragen. Gemeinsam tragen sie den Namen Wolsfelds und der südlichen Eifel als gastfreundliche Region an der Grenze zu Luxemburg weiter. Denn immerhin waren Gäste aus fünf Nationen über die Feiertage da.
Und mit ein bisschen Galgenhumor muss man das Rennen bei den härtesten Temperaturen auch nehmen. So wie vier junge Damen aus Irrel , Wittlich und ihre Freundinnen aus Monzingen und Rinteln: Sanja, Lisa, Susanne und Karina hatten in der Mittagspause die Frontscheibe ihres Renault-Rennwagen mit einer großen Wolldecke vor der Sonne geschützt. geschützt. Darauf stand - sinnbildlicher und passender hätte es bei über 30 Grad nicht sein können -, verziert mit einem Plüschbärchen: "Kuschelbär, kuschel Dich warm."
Weiterer Bericht zum Wolsfelder Bergrenner im Sportteil auf Seite 20

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort