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Hohe Auszeichnung zum Abschied - Naturpark Nordeifel: Mitgliederversammlung wählt neuen Vorstand

Hohe Auszeichnung zum Abschied - Naturpark Nordeifel: Mitgliederversammlung wählt neuen Vorstand

Naturschutz, Tourismusförderung und regionale Entwicklung - der Naturpark Nordeifel wagt seit 1960 den Spagat und ist dabei sehr erfolgreich. Nun gibt es einen Wechsel in der Führungsspitze. Günter Schumacher übergibt im Januar das Amt des Vorstands an Manfred Poth.

Prüm. Mehr Zeit für die Familie, eine günstige Vereinssituation und schließlich der optimale Nachfolger zur richtigen Zeit: Drei Gründe nennt der scheidende Vorsitzende des Naturparks Nordeifel, Günter Schumacher, für seinen Rückzug, der Donnerstag auf der turnusmäßigen Mitgliederversammlung des Vereins besiegelt worden ist. Zum Jahreswechsel übergibt er die Vorstandsgeschäfte an seinen jüngst gewählten Nachfolger Manfred Poth. Einstimmig hat die Versammlung Schumachers Kronprinzen-Empfehlung angenommen.
Der Verein sei derzeit sehr gut aufgestellt, sagt Schumacher in seiner Eröffnungsrede. "Der Zeitpunkt für einen Stabwechsel ist daher ideal." Beide Geschäftsstellen seien nach etwas unruhigen Zeiten hervorragend besetzt, Anne Stollenwerk leiste in Prüm hervorragende Arbeit, Dominik Hosters in Nettersheim.
Die Beschäftigung mit Personalfragen habe ihn als Vorsitzenden in den vergangenen zwei Jahren ununterbrochen begleitet, führt Schumacher aus, Vergleichbares werde sich aber hoffentlich nicht wiederholen.
Gleich zweimal mussten in beiden Geschäftsstellen die Posten neu besetzt werden, nachdem die langjährigen Amtsinhaber Ernst Görgen und Jan Lembach ausgeschieden sind. In beiden Geschäftsstellen sprangen innerhalb von kurzer Zeit die direkten Nachfolger ab, erst mit Hosters und Stollenwerk kehrte wieder Ruhe in die Vereinsarbeit ein (der TV berichtete).

Bevor Schumacher den beiden das Wort für ihre Zweijahres-Bilanzen übergibt, bittet er um Entschuldigung, dass er sich eine freche Bemerkung zum Ende seiner Amtszeit nicht verkneifen könne. Die Höhe der Fördermittel, die durch die Vereinsarbeit in die Region gebracht würden, stünden in keinem Verhältnis zu den Mitgliedsbeiträgen, die von den Kommunen gezahlt würden. Schumacher fordert eine größere Bereitschaft der "kommunalen Familie" die Geschäftsstellen auch finanziell in der Form auszustatten, dass die Arbeit gesichert sei und "die Mitarbeiter ausbildungs- und leistungsgerecht vergütet werden können."

"Die Naturparke erfüllen Aufgaben, die in Sachen Naturschutz von Bund und Ländern gesetzlich vorgegeben werden", sagt der Geschäftsführer des Verbands der Naturparke, Ulrich Köster. Das Bewusstsein in den Landesregierungen NRW und RLP über die Bedeutung der Naturparkarbeit sei dementsprechend gestiegen, merkt Schumacher an, nun sei es aber auch die Pflicht der Kommunen drüber nachzudenken, dass diese Arbeit auch finanziell gewährleistet werden müsse.
Tatsächlich wirkt ein Blick auf die Jahresbilanzen 2015 ernüchternd. Die Mitglieder in Rheinland-Pfalz zahlten beispielsweise 37 600 Euro, 71 600 Euro schießt Mainz dazu - 2015 standen also 109 200 Euro zur Verfügung. "Das deckt etwa 70 Prozent der Ausgaben für zwei feste Stellen und alles was man für die Arbeit braucht. Den Rest müssen wir über Projektarbeit reinholen", sagt Anne Stollenwerk. Die Geschäftsstelle in NRW bekommt wiederum nur Mitgliedsbeiträge und keine institutionelle Förderung durchs Land. 95 500 Euro standen dort 2015 zur Verfügung - für eine feste Stelle und alle anfallenden Kosten.

Für die vergleichsweise niedrigen Mittel leistet der Verein viel. Neben der engen Zusammenarbeit der Prümer Geschäftsstelle mit der Bertrada-Grundschule der Abteistadt zeigt besonders das sogenannte Streuobst-Projekt nachhaltige Wirkung. "Zur Pflege und Wiederherstellung von Streuobstwiesen wurden von 2013 bis 2015 unter anderem Kurse zum Schneiden angeboten, aber eben auch eine Broschüre und eine Internetseite entwickelt", sagt Stollenwerk. Als nächstes "Großprojekt" stehe die Entwicklung des nachhaltigen Tourismus auf der Agenda. Zusammen mit dem Naturpark Südeifel sei man Modellregion der Landesinitiative "Tourismus für alle" und erarbeite Konzepte, um die Natur der Eifel als touristische Attraktion barrierefrei erlebbar zu machen.
Der kommende Vorsitzende Manfred Poth versicherte, die Arbeit seines Vorgängers mit Konstanz fortzuführen. "Wir sind auch dank ihm auf dem richtigen Weg."

Als Anerkennung seiner 14-jährigen Verdienste regt der stellvertretende Vorsitzende Aloysius Söhngen die Ernennung Schumachers zum Ehrenmitglied des Vorstands an - der Antrag wird einstimmig angenommen.
Doch auch eine ganz besondere Ehre ließ man Schumacher auf Anregung Söhngens noch teilwerden. Einstimmig votiert man dafür, ihn mit der Schmitt-Degenhardt-Medaille zu ehren. Die Auszeichnung wird in Erinnerung an den Vereinsgründer Hubert Schmitt-Degenhardt verliehen.
"Äußerst selten", wie Anne Stollenwerk anmerkt, "letztmalig bekam sie 2008 Wolfgang Schumacher für seine Verdienste."
Weitere Informationen und die Jahresberichte im Internet unter: www.naturpark-eifel.deExtra

 Zum Abschied eine große Auszeichnung: Günter Schumacher (Dritter von links) hat zum Ende seiner Vorstandszeit die Schmitt-Degenhardt-Medaille des Naturparks Nordeifel verliehen bekommen. TV-Foto: Frank Auffenberg
Zum Abschied eine große Auszeichnung: Günter Schumacher (Dritter von links) hat zum Ende seiner Vorstandszeit die Schmitt-Degenhardt-Medaille des Naturparks Nordeifel verliehen bekommen. TV-Foto: Frank Auffenberg Foto: Frank Auffenberg (aff), Frank Auffenberg ("TV-Upload Auffenberg"

Der Naturpark wurde 1960 in Nordrhein-Westfalen gegründet und 1970 um einen rheinland-pfälzischen Vereinsteil ergänzt und 1971 durch internationale Verträge um einen belgischen Bereich erweitert. Der Verein umfasst drei Verwaltungseinheiten: Die belgische Verwaltungseinheit trägt den Namen "Naturpark Hohes Venn Eifel G.o.E.", die beiden deutschen werden unter der Bezeichnung "Naturpark Nordeifel e.V." zusammengefasst. Die Gesamtfläche von 2700 Quadratkilometern teilt sich wie folgt auf: Belgien 700 Quadratkilometer, Nordrhein-Westfalen 1600 Quadratkilometer und Rheinland-Pfalz 400 Quadratkilometer. Das belgische Gebiet umfasst zwölf Gemeinden in der Provinz Lüttich, sieben davon sind deutschsprachig, fünf französischsprachig; Nordrhein-Westfalen umfasst Flächen von zwanzig Städten und Gemeinden: die kreisfreie Stadt Aachen, vier Gemeinden in der Städte-Region Aachen, sechs im Kreis Düren und neun im Kreis Euskirchen. In Rheinland-Pfalz erstreckt sich der Naturpark Nordeifel über drei Verbandsgemeinden: Prüm im Eifelkreis Bitburg-Prüm sowie Obere Kyll und Gerolstein imLandkreis Vulkaneifel. aff/Quelle: Naturpark Nordeifel. aff