Holz fällt, Abwasser kommt

Holz fällt, Abwasser kommt

NEUERBURG. Jahrelang wurde über den Standort einer neuen Kläranlage für Neuerburg diskutiert und gestritten. In wenigen Tagen beginnt nun der Bau der Anlage an der Enz, die rund drei Millionen Euro kosten wird.

Die unendliche Neuerburger Abwassergeschichte neigt sich einem versöhnlichem Ende zu. Seit mehr als zehn Jahren soll die Stadt Neuerburg eine neue Kläranlage erhalten. Zahlreiche Standorte wurde ausgeguckt, später verworfen oder einfach nur blockiert. Am 17. August wird nun mit dem feierlichen ersten Spatenstich der Neubau der rund drei Millionen teuren Kläranlage begonnen, deren Bau zehn Jahre zuvor beschlossen worden war. Kombimodell abgewiesen

Ende 1995 hatte der damalige Verbandsgemeinderat Neuerburg die so genannte Enztalstudie für die Abwasserentsorgung beauftragt. Ergebnis: Eine neue Einzelkläranlage für die Stadt Neuerburg ist die wirtschaftlichste und kostengünstigste Lösung. Dieser Erkenntnis folgte eine ausgiebige und ergebnislose Standortdiskussion für einen Neubau an einem neuen Ort. Nachdem 1996 kein Einvernehmen über den Standort mit der Stadt erzielt werden konnte, wurde der Bau der Kläranlage am bisherigen Standort neben dem Gebäude der Verbandsgemeinde-Verwaltung in Erwägung gezogen. Auch dieses Unterfangen verlief aufgrund zahlreicher technischer und politischer Unwägbarkeiten im Sand. Die Zeit verging, und aus der hoffnungslos überalterten Neuerburger Kläranlage floss munter weiter nur teilweise gereinigtes Abwasser in die Enz. Wieder richtig Bewegung in die Sache kam mit dem Vorschlag, ein neues Gebäude für die Verwaltung mit integrierter Kläranlage zu errichten. Bürgermeister Norbert Schneider hatte dieses so genannte Kombimodell aus zwei Gründen ins Spiel gebracht. Der seit 2001 amtierende Bürgermeister war nicht länger bereit, die von ihm rechtlich zu verantwortende abwassertechnische Situation in Neuerburg weiter so hinzunehmen. Zudem gab es nach Ansicht Schneiders einen hohen Sanierungsbedarf für das Gebäude der Verwaltung. Ein Richtung Daudistel gelegener Neubau sollte beiden Missständen abhelfen. Das Kombimodell fand keine politische Mehrheit. Die Diskussion über die Kläranlage hatte jedoch wieder begonnen. "Im Jahr 2004 legte sich der Verbandsgemeinde-Rat auf das auf der rechten Enzseite gelegene Wiesengelände im Gewerbegebiet Frauwies fest", sagt Hermann Hermes, Leiter der Neuerburger VG-Werke. Er ist von Seiten der Verwaltung seit Jahren mit dem Bau einer Kläranlage in Neuerburg befasst. Mit dem Bau der für die Verwirklichung des Projekts notwendigen Enzbrücke wurde im Frühjahr 2006 begonnen. Nach dem ersten Spatenstich am 17. August soll laut Werkleiter Hermes in 15 Monaten die neue rund drei Millionen Euro teure Anlage entstehen. Sie ist mit 4300 so genannten Einwohnergleichwerten die größte Anlage dieser Art in der Verbandsgemeinde Neuerburg. Plascheid soll künftig angeschlossen werden

Diese große Dimensionierung lässt sich allein aus den rund 1500 Einwohnern der Stadt zuzüglich des Gewerbes nicht allein erklären. So soll laut Werkleiter Hermes zu einem späteren Zeitpunkt auch noch die Ortsgemeinde Plascheid mit an die Anlage im Enztal angeschlossen werden. Mit dem Neubau der Kläranlage verbunden sind bauliche Veränderungen an den Regenwasserbehandlungsanlagen im Gebiet der Stadt Neuerburg, sagt der Werkleiter. Bereits im Jahr 2004 sei im Bereich der Tränkstraße ein neuer Regenüberlauf errichtet worden. Für die weitere Behandlung des Mischwassers vor der Kläranlage wurde im Jahr 2005 ein neues Regenüberlaufbecken auf dem Parkplatz des Marienkrankenhauses gebaut. "Diese Maßnahmen werden im Jahr 2007 abgeschlossen mit dem Bau eines weiteren Regenüberlaufes in der Kölner Straße", sagt Hermann Hermes. Erst im Spätherbst 2007 wird dann die unendliche Neuerburger Abwassergeschichte endgültig zu den Akten gelegt.