Ursprung und Geschichte Hüttenbrennen – Hier wird die Tradition gefeiert

Bitburg-Prüm · Das Hüttenbrennen in der Eifel findet jedes Jahr pünktlich am Sonntag nach Aschermittwoch statt. Der Ursprung des Brauchtums ist bis heute nicht ganz geklärt. Ein Heimatkalender aus dem Jahr 1958 gibt aber Hinweise auf den Beginn dieser Tradition.

 Die Bickendorfer und viele andere Eifeler halten die Tradition des Hüttenbrennens hoch.

Die Bickendorfer und viele andere Eifeler halten die Tradition des Hüttenbrennens hoch.

Foto: TV/Wilfried Kootz

(APA) Die Tage werden wieder länger und auch die Sonne lässt sich ab und an mal blicken. In der Eifel heißt es nun, die alte Tradition des sogenannten Hüttenbrennens am „Scheefsunndich“ wieder aufleben zu lassen. Jedes Jahr wird meist am Sonntag nach Aschermittwoch in vielen Orten der Eifel ein großes Feuer entzündet. Ob als Rad, als Kreuz oder als Stroh-Haufen — das Hüttenbrennen wird jedes Jahr fortgeführt.

In Biersdorf am See allerdings gibt es eine etwas andere Form der Tradition. Hier werden jedes Jahr zwei Hüttenfeuer, in Form von Kreuzen abgebrannt: die Dourfer und die Baacher Hett. Hier entsteht ein freundschaftlicher Wettkampf zwischen den zwei Dorf-Hälften. Die Baacher wohnen in der Nähe des Stausees und die Dourfer eben weiter innen in der Ortschaft.

In den Weihnachtsferien wird schon angefangen, die nötigen Schanzen aus Fichtenreisig im Wald zu binden. Dies passiert unabhängig von den Rivalen, denn wenn dieser Schritt getan ist, werden die fertigen Schanzen gut versteckt um sie so vor der jeweils anderen Truppe, den Dourfern oder eben den Baachern, je nach dem zu wem man gehört, zu schützen. Denn die Anderen könnten das hart erarbeitete Material stehlen oder zerschneiden.

Am Tag vor dem Hüttenbrennen gehen die zwei Mannschaften durchs Dorf und sammeln Zutaten für das Backen von Nautzen — einer traditionellen Form von Quarkbällchen: Mehl, Eier, Hefe, Kakao, Zucker und auch Geld wird erbeten. Mit einem gesungenen Spruch zieht die Truppe durch die Gemeinde:

„Hei kommen die (Dourfer/Baacher) Jungen,

die heschen Biren und Bungen.

Biren und Bungen as en got Speis,

Gecken un Noren genn net weis.

Eier, Mehl, Zucker, Kakau, Geld un Melisch

wern ihrs nejst gett, bleift et schellisch.“

Am Sonntag nach Aschermittwoch wird dann gemeinsam mit den Erwachsenen das Kreuz errichtet und aufgestellt. Das Aufstellen ist gar nicht so einfach und so kommt es schnell zum Brechen oder Umfallen des erbauten Kreuzes – immer mit dem Gespött der gegnerischen Truppe.

Nach dem Hüttenbrennen geht es dann gemeinsam zum Nautzen essen. „Früher wurden sich an diesem Wochenende immer harte Kämpfe geliefert. Wenn man das ganze Jahr auch friedlich Dourf un Baach zusammen war, aber an diesem Wochenende wurde alles außer Kraft gesetzt“, berichtet uns der Ortsbürgermeister Arnold Kootz und zitiert seinen damaligen Lehrer, der versprach das Nautzen-Backen zu übernehmen, wenn die Dourfer und die Baacher eine gemeinsame Hütte aufstellen würden. Bis heute brennen jedes Jahr weiterhin zwei Kreuze in Biersdorf am See.

Aber woher kommt diese Tradition eigentlich? Im Heimatkalender für den Kreis Bitburg-Prüm von 1958 schrieb Bernhard Lemling über die „Höhenfeuer in der Eifel“. In einer kleinen Liebeserklärung für die Bitburger Gegend, erzählt er über seine Spaziergänge durch die Eifel in der Zeit des Hüttenbrennens und berichtet von Begegnungen, die mehr als nur einen Ursprung des Brauchtums vermuten lassen.

Die bekannteste Erklärung für diese besondere Tradition in der Eifel ist, dass es von einem heidnischen Ritus abstammt und von der christlichen Kirche übernommen wurde. Es steht für das Verbrennen des Winters und damit den Start in den Frühling.

In Lemlings liebevoller Erzählung über die Tradition berichtet er von einem Gespräch mit einem pensionierten Lehrer, der ihm eine andere Geschichte über die Entstehung des Hüttenbrennens anvertraut.

Durch St. Willibrord kam der christliche Glauben in unser Bitburger Land und die heidnische Lehre zerfiel. Das brennende Kreuz, welches hoch oben in den Ortschaften entzündet wurde und immer noch wird, soll als Symbol des Sieges für das Kreuze stehen.

In Harspelt, an der luxemburgischen-belgischen Grenze wird Lemling wiederum eine weitere Deutung übermittelt. Hier soll das Hüttenbrennen auf die im 16. Jahrhundert stattfindende Bauernkriege zurückzuführen sein. Die Bauern brannten aus ihrer Not heraus die Burgen der Adligen nieder und lehnten sich so gegen die Unterdrückung auf.

So lässt sich auch vielleicht der Spruch erklären, den die „Dorfburschen“ in Harspelt und weiteren Dörfern so, oder so ähnlich beim Tür zu Tür gehen rufen: „Steuert zo der neuer Burg! De al, de as verbrannt, et kimmt en neu in`t Land: En Beisch Strih!“ bedeutet: Steuert zu der neuen Burg! Die Alte ist verbrannt, es kommt eine neue ins Land: Ein Haufen Stroh! Keine der genannten Deutungen kann belegt oder widerlegt werden, aber das tut auch nichts zur Sache, denn wie Lemling am Schluss seiner Erzählung so schön sagte: „Es ist uraltes Brauchtum, an dem wir in der heutigen Zeit des Tempos, des Fortschrittes und der Technik so arm geworden sind. Halten wir ruhig am ,Höttbrennen‘ fest.“

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