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Humor und klare Kante: CDU-Politiker Wolfgang Bosbach im Haus Beda

Humor und klare Kante: CDU-Politiker Wolfgang Bosbach im Haus Beda

Mehr als 300 Besucher haben einen sehr unterhaltsamen, aber auch nachdenklichen Wolfgang Bosbach im Gespräch mit Ex-Fifa-Schiedsrichter und Kulturamtsleiter Herbert Fandel erlebt. Zur nächsten Ausgabe der Gesprächsrunde im Mai 2017 kommt Gregor Gysi nach Bitburg.

Bitburg. Etliche Diskussionsrunden im deutschen Fernsehen, aber auch unzählige aus dem Bundestag übertragene Debatten hätten in den vergangenen Jahrzehnten die Wirkung einer visuellen Schlaftablette gehabt, wäre dieser Mann nicht dabei gewesen.

Wolfgang Bosbach, 1952 in Bergisch Gladbach geboren, mit einem breiten rheinischen Akzent ausgestattet und mit sehr viel trockenem Humor gesegnet, war und wird auch außerhalb seiner Partei, der CDU, als ein Guter wahrgenommen.
Im kommenden Jahr hört Bosbach auf, will nicht mehr für den Bundestag kandidieren - obwohl er in seinem Wahlkreis im rheinisch-bergischen Kreis sicherlich auch ohne aufwendigen Wahlkampf die dafür nötigen Stimmen einfahren könnte. Dafür nennt er persönliche Gründe: "Berlin ist seit 1999 Sitz des Parlaments, vorher in Bonn war ich noch Heimschläfer und habe täglich meine Kinder gesehen", sagt der 64-Jährige. "Mein Umzug nach Berlin hatte zur Folge, dass ich eine wichtige Zeit im Leben meiner drei Töchter verpasst habe." Für die Zukunft habe er sich also vorgenommen, für die Enkel da zu sein, sagt Bosbach.

Herbert Fandel hat keine große Mühe, seinem Gast Details aus seinem privaten und politischen Leben zu entlocken: Wolfgang Bosbach gibt gerne und ausführlich Auskunft. So erfahren die Zuhörer, dass er nach seiner Lehre in einem Einkaufsmarkt bis zum Chef derselben Filiale aufgestiegen war ("Leute, geht mit euren Lehrlingen anständig um - sie könnten eines Tages eure Vorgesetzten sein"), 1972 in die CDU eingetreten ist ("Das bereue ich bis heute nicht, obwohl ich heute mit einigen Richtungswechseln meiner Partei nicht übereinstimme"), auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachholt ("mitsamt dem kleinen Latinum - ein Glück, dass ich eine kluge Schwester habe") und später Jura studiert.
Zum Ende der Wahlperiode 2017 wird Bosbach, bis zum vergangenen Jahr der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, seine politische Karriere beenden. Seine oft unbequemen und parteiintern kritisierten Ansichten, wie seine Ablehnung der Ausweitung des Euro-Rettungsschirmes, verteidigt er bis zum Schluss gewohnt authentisch und streitbar.
"Ich vertrete die Menschen, die mich gewählt haben", sagt Bosbach. "Ich kann die Leute ja nicht schlecht behandeln, damit andere Politiker mich mögen."

In Bitburg gibt es viel Applaus für kritische Statements zur Flüchtlingspolitik seiner Kanzlerin: "Wir müssen wissen, wer sich in unserem Land aufhält", sagt Bosbach. Es dürfe nicht sein, dass rund 80 Prozent der Migranten ohne Ausweispapiere nach Deutschland kämen, meint der Politiker. Angela Merkels Satz "Wir schaffen das" lasse einiges unbeantwortet: "Wer ist wir und was ist das?", fragt Bosbach.

"Fakt ist doch, dass der Staat die Krise ohne die vielen ehrenamtlichen und unermüdlichen Helfer nicht bewältigen könnte." Aktuelles bleibt nicht unerwähnt: Donald Trumps Wahl zum Präsidenten der USA bereitet auch Wolfgang Bosbach Sorge. "Es ist kurios: Wir müssen hoffen, dass der neue Mann an der Spitze seine Wahlversprechen nicht umsetzt."

Trumps bisherige Ankündigungen zur Außenpolitik hätten weitgehende Auswirkungen auch auf die Bundesrepublik, sagt Bosbach. Frank Steinmeier sei ein respektabler Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten: "Das hat die SPD gut gemacht. Die CDU hat es nicht geschafft, einen geeigneten Kandidaten zu finden - das Ergebnis kann man jetzt besichtigen."

Als leidenschaftlicher Anhänger des 1.FC Köln und dessen Verwaltungsratvorsitzender freue er sich sehr über den derzeitigen Erfolg des Vereins, bekennt Bosbach - und gibt dem Ex-Schiedsrichter Fandel und seinen noch aktiven Kollegen einen Tipp: "Jeder Pfiff gegen den FC ist eine Fehlentscheidung."Gregor Gysi am 4. Mai


Die Ausgabe der Talkreihe "Einblicke - Menschen mit Geschichte und Geschichten" mit Wolfgang Bosbach ist ein feiner Abend, an dessen Ende CDU-Parteifreund Michael Billen sagt: "Ein großartiger Mann, der mir hundert Mal mehr aus der Seele spricht als meine Kanzlerin."
Herbert Fandel kündigt unterdessen für den 4. Mai 2017 einen weiteren besonderen Besuch an: "Im Mai kommen wir etwas über links - dann wird Gregor Gysi unser Gast sein."