Hundebisse statt Privatparty

Hundebisse statt Privatparty

PRÜM/BITBURG. Wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung müssen sich drei Angeklagte vor dem Amtsgericht Bitburg verantworten. In einer Prümer Nachtbar sollen sie einen Mann geschlagen haben, weil er das vereinbarte Honorar für einen Tanzauftritt nicht gezahlt hatte.

Drei schweigende Angeklagte. Ein Opfer, das sich in Widersprüche verstrickt. Ein mehr als zerstreuter Zeuge. Und ein störender Zuhörer, der den Saal verlassen muss: Ein Prozess um Gewaltexzesse stellt das Bitburger Schöffengericht derzeit vor besondere Herausforderungen. Rückblende: Am 13. März 2004 engagiert der 28-jährige Thomas Z. (Name von der Redaktion geändert) drei Mitarbeiterinnen einer Prümer Nachtbar, damit sie auf seiner Privatparty am selben Abend tanzen. 500 Euro sollen sie dafür bekommen. Bei dem für 1300 Euro angemieteten Saal einer Gaststätte in einem Dorf bei Prüm angekommen, entpuppt sich die Aktion jedoch als Luftnummer. Weil der Gastwirt nicht bereit gewesen ist, auf seine Kosten Getränke für 1500 Euro anliefern zu lassen, sitzen die wenigen erschienenen Gäste von Thomas Z. auf dem Trockenen. Zurück in der Prümer Bar wird der 28-Jährige laut Anklageschrift festgesetzt sowie über Stunden mehrfach geschlagen und getreten, weil er die 500 Euro nicht zahlen kann. Außerdem beißt ein Dobermann mehrfach zu. Ergebnis: Prellungen, Schürfwunden und Bissspuren an Arm und Bein des Opfers. Ein Zeuge verständigt die Prümer Polizei, die Thomas Z. gegen 7 Uhr mitnimmt und Ermittlungen einleitet. Der Verletzte liegt vier Tage im Krankenhaus. Es kommt zur Anklage gegen die 47-jährige Geschäftsführerin der Bar, deren 34-jährigen damaligen Barkeeper und ihre 26-jährige damalige Kellnerin. Nebenkläger Thomas Z. sagt als Zeuge aus, er sei schon in der Dorf-Gaststätte verletzt worden. Der zu Boden geschlagene Wirt habe den Angreifern sogar mit Schusswaffeneinsatz gedroht. In der Prümer Bar habe der Angeklagte einem Hund rohes Fleisch vorgeworfen und ihn dann zur Attacke gehetzt.Opfer zieht Behauptung zurück

Verteidiger Ulrich Kahlenborn hält Thomas Z. vor, dass dieser bei der polizeilichen Vernehmung einen ganz anderen Täter beschuldigt hat. Das verunsicherte Opfer beruft sich auf Gedächtnislücken. Eine klare Antwort bleibt Z. auch auf die Frage schuldig, wer an jenem Abend alles mit unterwegs war. Seine frühere Behauptung, die Geschäftsführerin habe ihm eine Pistole an den Kopf gehalten, zieht er kleinlaut zurück. Laut dem sehr fahrig wirkenden Gastwirt hat es bei ihm keinerlei tätliche Auseinandersetzungen gegeben: "Die sind alle friedlich raus gegangen." Er hat große Schwierigkeiten, sich zu erinnern. Eine Bar-Besucherin will keine Schläge gesehen haben. Vorläufiger negativer Höhepunkt der Verhandlung: Weil sich ein Zuschauer hartnäckig weigert, still zu sein, weist ihn Vorsitzender Richter Werner von Schichau aus dem Saal. Der Prozess wird im Dezember mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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