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"Ich gebe dir die Ehre, Mama"

"Ich gebe dir die Ehre, Mama"

SCHÖNECKEN. Beim umstrittenen "Familienstellen" wollen Menschen mehr über ihre Lebenssituation erfahren und so Problemlösungen näher kommen. Der TV hat sich zwei solcher Aufstellungen in Schönecken angeschaut.

Samstagnachmittag in der Naturheilpraxis von Andre Gastager (48) in Schönecken. Der Gastgeber und seine Kollegin Maria Rüddel (45) aus Linz haben einige Klienten und Bekannte versammelt, um mit ihnen Familiensysteme aufzustellen. Eine Mutter schildert ihren Fall: "Wenn mein 16-jähriger Sohn Max Probleme etwa in der Schule hat, macht er sofort dicht und ist frustriert. Bin ich vielleicht die Ursache? Wie kann ich helfen?" Gastager bittet die Mutter, sich aus der Runde Stellvertreter für die Mitglieder ihrer Familie zu suchen und sie passend im Raum verteilt hinzustellen. Die Mutter selbst beobachtet ab dann alles von außen. Wenn sich jeder Stellvertreter in seiner Rolle eingefunden hat, soll er seine Gefühle beschreiben. Erstes Ergebnis: Mutter und Vater fühlen sich wohl. Max geht es aber schlecht. Sein elfjähriger Bruder hat eine Gänsehaut, will so lieber nicht stehen bleiben. Gastager lässt die Beteiligten mehrfach ihre Position wechseln, bringt zusätzliche Stellvertreter als Großeltern in die Aufstellung ein. Zwischendurch bespricht er sich immer wieder kurz mit der Klientin. Es ist heiß im Raum. Die Luft wird stickiger, die Spannung spürbar. Schließlich gibt Gastager Max zwei Taschen als Symbol für eine schwere Last. Nach Anleitung reicht Max die Taschen seiner Mutter mit den Worten: "Ich habe das lange genug für euch getragen." Die Mutter wiederum gibt die Last an ihren Vater weiter. Daraufhin fühlt sich Max plötzlich besser. "Ich gebe dir die Ehre, Mama", sagt Max, und die beiden umarmen sich.Über die Seele einer Familie

Das Ergebnis ist geradezu typisch. Nach der Lehre Hellingers hat jede Familie eine Seele, die alle Mitglieder schicksalhaft verbindet. Im konkreten Fall soll demnach eine Art Erblast die Ordnung des Systems gestört haben. Die symbolische Neuverteilung soll eine heilende Wirkung haben. "Tatsächliche Veränderungen können sofort passieren oder später", erklärt Johannes Schwall aus Balesfeld, der gerade eine Ausbildung zum Familienaufstellen macht. Diese Ausbildung haben Andre Gastager und Maria Rüddel bei der Deutschen Paracelsus Schule in Koblenz bereits abgeschlossen. "Ich hatte ein Buch darüber gelesen und war fasziniert", berichtet Gastager. "Während der Aufstellung formiert sich eine Gruppe. Fremde kommen sich nahe und spüren, was passiert." Das dafür angeblich verantwortliche "wissende Feld" lässt sich wissenschaftlich nicht erklären (siehe Extra "Kritik an Hellinger"). Für Gastager ist Familienstellen eine Glaubenssache: "Gott hat dieses Werkzeug gegeben, damit der Einzelne seine Situation versteht und zum Beispiel verzeihen kann." Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Achtung, Respekt, Wahrheit und Liebe. Auch die zweite Aufstellung an diesem Nachmittag findet aus Sicht der Beteiligten ein gutes Ende. Dabei werden die Verhältnisse zwischen Kindern und Stiefkindern sowie ihren Eltern und Stiefeltern geklärt. "Zum Schluss hat sich alles gelöst. Das war wie eine Befreiung", sagt eine Klientin, die auch zu Hause darüber reden will. "Das hat mir neue Wege gezeigt."INFO-NACHMITTAG: Die Familienbildungsstätte Bitburg bietet einen Informations-Nachmittag zum Thema Familienstellen an. Termin ist am Samstag, 7. Januar, um 16 Uhr in der Praxis von Andre Gastager in Schönecken, Teichstraße 16. Weitere Infos und Anmeldung unter Telefon 06553/900428."Wer heilt, hat recht" oder "Weg mit umstrittenen Methoden im Psychobereich": Was denken Sie zum Angebot vom Familienaufstellen nach Hellinger für Menschen in psychischen Notlagen? Schreiben Sie uns an eifel-echo@volksfreund.de. Name und Anschrift nicht vergessen.