"Ich habe Glück gehabt"

Ein Bitburger Urgestein feiert Geburtstag: Marie-Luise Niewodniczanska ist kürzlich 70 Jahre alt geworden und kein bisschen leiser.

Bitburg. "Man muss auch ein bisschen Glück haben. Das merkt man, wenn man älter wird", sagt Marie-Luise Niewodniczanska. Die sonst eher quirlige Jubilarin sitzt beim TV-Gespräch gelassen auf dem Sofa im großzügigen Eigenheim in Bitburg und redet über ihr Leben. Das Glück begann vielleicht schon mit ihrer Geburt am 7. April 1938. Drei Mädchen kamen im Hause Simon zur Welt. Der Vater war der Mitbegründer der Bitburger Brauerei, Theo Simon. Der Schriftzug, "Bitte ein Bit", sei seine Handschrift, erzählt Frau Niewo, wie sie wegen des komplizierten Namens oft genannt wird. Marie-Luise Simon besuchte das Willibrord-Gymnasium in Bitburg und machte dort ihr Abitur. "Ich habe auch heute noch Kontakt mit meinen Schulkollegen von damals", freut sich die Dame, zu der das Attribut "alt" einfach nicht passt. In Freiburg studierte sie ein Jahr lang Kunstgeschichte und Archäologie. Gerade mal 19 Jahre jung, begann sie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich ein Architekturstudium. Dort lernte sie 1957 ihren Mann Thomasz kennen, der sich als Doktorand ebenfalls in der Schweiz aufhielt. Ende 1962 machte Niewodniczanska das Examen. Ihr Ehemann zog 1963 nach Polen, während die junge Frau in Bitburg ihr erstes Kind zur Welt brachte. Sie folgte ihm nach der Geburt nach Warschau und spricht seither perfekt polnisch. "Ein Egoist sollte Sprachen lernen", heißt Niewos Devise, denn nur mit Sprachkenntnissen erhalte man Einblick in andere Kulturen und Lebensweisen. "Sprachen lernen fiel mir immer leicht", sagt sie und verrät, dass sie auch noch Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch und Luxemburgisch spricht. Der politische Umbruch in Polen war aber sieben Jahre später der Anlass, nach Deutschland zurückzukehren. 1973 offerierte Theo Simon seinem Schwiegersohn den Posten des Geschäftsführers der Bitburger Brauerei, den Thomasz Niewodniczanski dann 25 Jahre lang zusammen mit Axel Simon und Michael Dietzsch inne hatte. Ihr mehr oder weniger zufälliges Eintreten in die Politik ab 1994 nutzte Marie-Luise Niewodniczanska auch, um auf Grund ihres steigenden Bekanntheitsgrads die "städtebaulich furchtbare" Entwicklung Bitburgs aufzuhalten. "Wenn etwas falsch läuft, kann ich nicht den Mund halten", gesteht die 70-Jährige. "Ich fühle mich verpflichtet, das zu ändern, ich kann nicht unbeteiligt zusehen". Da dies zu ihrem Charakterzug zählt, macht es auch "schreckliche Mühe, mich nicht in das Leben meiner Söhne einzumischen".Sie hat zahlreiche Hobbys: Mindestens zweimal die Woche spielt die agile Jubilarin Tennis und nimmt an Turnieren teil. Eine Art Herausforderung in Sachen Fitness ist für sie auch, ihrem Sohn Roman im Weinberg zu helfen. Volleyball spielen kommt noch hinzu oder auch der Garten, wenn Zeit bleibt. Gerne besucht sie Konzerte oder unternimmt Stadt- und Dorfbesichtigungen. "Richtig reiseverrückt" sei sie, was ihre zahlreichen Reiseziele in die weite Welt verraten. Und da sie den Kreisvorsitz in der FDP inzwischen abgegeben und auch ihre Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Trier beendet hat, singt sie seit einem halben Jahr im Kirchenchor Liebfrauen mit. Niewo blickt stolz auf verschiedene Auszeichnungen zurück, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie den Deutschen Preis für Denkmalschutz - die Silberne Halbkugel. Weiterhin so gesund zu bleiben wünscht sie sich für ihre Zukunft, "alles andere kriege ich schon alleine hin".