"Ich habe keine Hassgefühle" Ein Fall wie kein anderer
Die Unfall-Tragödie vom 19. September 1998 ist unvergessen. Als Frank (24) und Ingo (18) Rings aus Nimshuscheid sowie ein Niederländer bei einem Verkehrsunfall auf der B 51 in Höhe Neuendorf starben, war für Mutter Eveline nichts mehr, wie es einmal war. Für die Polizei begann eine Fahndung, wie das Land sie noch nicht erlebt hatte.
Nimshuscheid. "Ich möchte nicht, dass es vergessen sein soll." Eveline Rings stützt das Kinn auf die Hand und blickt ins Leere. Die Wunden, die die Unfall-Tragödie ihrer Seele zugefügt haben, werden niemals heilen. Auch zehn Jahre danach wird klar: Der "Porsche-Unfall" vom 19. September 1998 ist unvergessen, davon zeugen die vielen Blumen und Kerzen am Grab der beiden jungen Männer auf dem Friedhof in Nimshuscheid sowie die vielen Karten, die Mutter Eveline Rings (60) erhalten hat. "Es tut so gut, dass die Menschen auch heute noch mitfühlen. Solche Aufmerksamkeiten kann man mit Geld nicht bezahlen", macht sie klar und schaut wieder auf.
Wer war der Verursacher?
Neben der Trauer der Mutter, die seinerzeit schwere Verletzungen erlitt und die knapp ein Jahr später zudem den Tod ihres Ehemanns zu verschmerzen hatte, bleibt die Frage, wer der Verursacher der Kollision gewesen ist. Der Verdacht fiel damals schnell auf den Fahrer eines silberfarbenen Porsche-Boxster, der die Katastrophe nach einem waghalsigen Überholmanöver durch eine Spiegel-Kollision ausgelöst haben soll. Doch diese Person, nach der die Polizei in einer beispiellosen Fahndungsaktion suchte, wurde nie gefunden. Am 20. September 2003, null Uhr, schlossen Polizei und Staatsanwaltschaft die Akte der "Soko Boxster" nach fünfjähriger Ermittlungsarbeit. In dieser Stunde verjährte das Ereignis.
Auch Polizei-Hauptkommissar Gerhard Kauth lässt das Ereignis heute noch nicht los. Erst kürzlich hat der damalige Soko-Chef wieder Hinweise erhalten, weshalb er die Akte erneut durchackerte und dabei - wie so oft - ins Leere lief. "Auch bei mir kam diese Katastrophe am Jahrestag noch einmal hoch", erzählt er und man merkt, wie sehr es ihn ärgert, dass es ihm und seinem Team nicht gelungen ist, den Verursacher zu stellen. Fatal: Selbst wenn der Schuldige sich heute melden würde - juristisch könnte man ihm nichts mehr anhaben. "Er könnte gehen. Das einzige, was ihn plagen kann, ist sein Gewissen", murmelt Kauth, und dabei merkt man deutlich, wie sehr es immer noch in ihm gährt.
"Ich habe keine Hassgefühle", erklärt indes Mutter Eveline Rings. Mit den Jahren bekomme man zu dem Verlust eine andere Einstellung. Aber: "Der Schmerz bleibt." Und was wäre, wenn der Verursacher plötzlich vor ihr stünde? "Ich würde mir den Menschen anschauen und hören, was er zu sagen hat."
Am Jahrestag hat Eveline Rings die Unfallstelle besucht. Dort steht das Kreuz mit dem Foto von Frank und Ingo. Außerdem hat sie mit der Niederländerin telefoniert, deren Lebensgefährte damals in den Trümmern seines Autos starb. "Da kommen dann die Erinnerungen wieder", sagt Eveline Rings und macht klar, was ihr hilft, wenn der Schmerz nicht gehen will: "Der Glaube gibt mir Kraft. Ohne ihn wäre das nicht auszuhalten."
(mr) Mit der Suche nach dem Schuldigen waren 150 Polizeidienststellen in Deutschland, Belgien, Österreich, England, Slowenien, den Niederlanden und Luxemburg beauftragt. Sogar in politischen Kreisen befasste man sich mit dem Fall. Aufgrund von Hinweisen, wonach ein verdeckter Ermittler den Unfall verursacht haben sollte, schaltete sich der Innenausschuss des Landtags ein. 650 Porsche wurden überprüft. Die Akte zählt acht Ordner mit 400 Dokumenten. Unmittelbar nach dem Unfall wurden neben den Polizeiinspektionen im Raum Trier alle 16 Reviere der Landespolizeidirektion Stuttgart in Alarmbereitschaft versetzt, weil man davon ausging, dass das Verursacherfahrzeug ein S-Kennzeichen trug. In den ersten Wochen berichteten der Trierische Volksfreund, die Bild-Zeitung Stuttgart und die Stuttgarter Nachrichten fast täglich von dem Ereignis. Fahndungsaufrufe sendeten das ZDF, SAT 1 und RTL. Für die SAT 1-Sendung Fahndungsakte wurden in der Polizei Prüm acht Aufnahmestellen eingerichtet. Auch die Regenbogenpresse interessierte sich. Im Laufe der Ermittlungen wurden für Infos über das KFZ-Kennzeichen Zeugen unter Hypnose gesetzt. Die US-Luftwaffe wurde gebeten, mit Satellitenfotos zur Aufklärung beizutragen. Das Porsche-Werk Stuttgart überprüfte zudem sein komplettes westeuropäisches Händlernetz, um herauszufinden, wo und an wen linke Außenspiegel ausgeliefert wurden.