"Ich lass' alle Lampen brennen"

"Ich lass' alle Lampen brennen"

SPANGDAHLEM-BRANDEN-MÜHLE. Der Ostfriese Meint Onken wohnt seit März 2004 in der Brandenmühle bei Spangdahlem. Als er das Anwesen ersteigerte, hatte es keinen Stromanschluss. Heute versorgt er es mit Energie aus Wasserkraft.

Er ist ein Tüftler, der stunden- oder tagelang an einer Aufgabe dranbleibt. In der Abgeschiedenheit der alten Brandenmühle - das Anwesen aus dem Jahre 1576 liegt talabwärts unterhalb der Autobahnbrücke über das Kailbachtal bei Spangdahlem - brütet der 55-jährige Ostfriese an einer ausgefeilten Technik. In dem Haus ohne Anschluss an die öffentliche Stromversorgung sieht Onken eine neue Herausforderung.Alte Stromversorgung "war eine Katastrophe"

Der Ostfriese ist gelernter Elektriker und hat eine Zusatzausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker gemacht. Er holte das Abitur nach und absolvierte ein Ingenieursstudium in Wilhelmshafen. "Zur Meisterprüfung habe ich mich ohne Meisterkurs angemeldet und innerhalb von zwei Wochen den Meister gemacht", erklärt er. Anschließend war Onken 13 Jahre lang Lehrer an der Berufsschule Wittmund. Seine Schüler hat er zu Spezialisten in den Berufen Funkelektroniker und Nachrichtengerätemechaniker gemacht. Doch dann suchte Meint Onken eine neue Herausforderung. Im Internet stieß er auf die alte Brandenmühle, die bei einer Zwangsversteigerung angeboten wurde. "Meine Lebensgefährtin und ich haben uns die Mühle angesehen und waren begeistert. Die herrliche Lage in einem nahezu unberührten Tal, unendlich viel Natur und Ruhe - einfach wunderbar", schwärmt Onken. Wer in sein Haus kommt, wundert sich: "Ich lasse alle Lampen ständig brennen, Strom hab ich ja genug und er kostet mich nichts", sagt Onken. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. "Die alte Stromversorgung war die reine Katastrophe", erinnert er sich und erzählt davon, dass er anfangs oft ganz im Dunkeln stand. Er hat sich dann die vorhandene Technik genauer angesehen und kam schnell zu dem Schluss, dass da etwas passieren muss. Die Mühle besitzt ein Wasserrecht aus alter Zeit. Der Kailbach wird oberhalb des Anwesens geteilt. Die eine Hälfte des Wassers fließt im natürlichen Bachbett weiter. Die zweite Hälfte fließt über einen Teich auf ein großes Wasserrad mit einem Durchmesser von vier Metern. "Das ist total robust und nicht störanfällig", erklärt Onken. Die 15 Umdrehungen des Wasserrades werden über ein Getriebe auf 1500 Umdrehungen übersetzt und treiben einen Generator an, der den Strom erzeugt. Die Spannungsschwankungen zwischen 50 und 400 Volt gleicht die Elektronik aus, die Onken hier installiert hat. Die Energie wird in Batterien gespeichert, die permanent geladen werden. "Die Spannung wird auf 20 Volt transformiert, und über spezielle Spannungswandler produziere ich dann den Wechselstrom von 220 Volt", erklärt der Techniker, der auf diese Weise seinen Strombedarf für fünf Tage zwischenspeichern kann. Die Spannungswandler hat er sich aus China besorgt und modifiziert. "Dort hat man mit ähnlichen Spannungsschwankungen zu kämpfen wie hier in der Mühle", sagt der Ingenieur. Seine unentwegte Beschäftigung mit der neuen Aufgabe führte wohl auch dazu, dass seine Lebensgefährtin sich in dem abgeschiedenen Tal zu einsam fühlte. "Sie ist vor kurzem ausgezogen und wohnt wieder in der Stadt", sagt Meint Onken etwas nachdenklich. Trotzdem fühlt er sich in der Eifel wohl. "Morgens nach dem Aufstehen gehe ich hoch zum Teich und rund um das Haus am Wasserrad vorbei. Da bleibe ich oft auch länger stehen und bin begeistert von der Kraft des Wassers", schwärmt er.