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"Ich sah einen schlafenden Riesen"

"Ich sah einen schlafenden Riesen"

In der Eifel gelandet, um dem Flugplatz Flügel wachsen zu lassen: Seit drei Wochen ist der neue Geschäftsführer Günter Krahé an Bord der Flugplatz Bitburg GmbH. Seine Meinung zum Flugplatz: "Diese Infrastruktur ist ein Geschenk und sollte genutzt werden". Die Bedenken der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion zum Gesellschaftervertrag der GmbH bringen Krahé nicht aus dem Konzept.

Bitburg. (scho) Die Eifel kennt Günter Krahé schon von Kindesbeinen an. Im Alter von acht Jahren hat er seinen ersten Eifel-Urlaub in Gemünd verbracht. Inzwischen hat sich der 41-Jährige im südlichen Teil des Kreises Euskirchen niedergelassen.

Mit TV-Redakteurin Dagmar Schommer sprach er über seine Visionen und Ziele für den flugbetrieblichen Teil des Flugplatzes, für den er nun als Geschäftsführer der GmbH verantwortlich ist.

Was reizt Sie an der Aufgabe, den Flugplatz zu führen?

Günter Krahé: Die Herausforderung, die Infrastruktur richtig zu nutzen. Das da draußen - die große Landebahn und die neun Hektar befestigter Vorfelder sowie rund 30 Hektar kurzfristig nutzbarer Flugbetriebsflächen - ist ein Geschenk. Die Start- und Landebahn ist in einem guten bis sehr guten Zustand, auch die Rollfelder. Das hat der Zweckverband in einem beachtlichen Stand gehalten.

Das hört sich sehr begeistert an. Aber bisher war das Industrie- und Frachtflughafen-Projekt keine Erfolgsgeschichte.

Günter Krahé: Das war ohne Instrumentenflug-Genehmigung ja auch gar nicht möglich. In Deutschland ist es immer sehr schwierig, große genehmigungspflichtige Projekte zu realisieren. Das wurde hier in Bitburg schon schneller realisiert als anderswo. Ich fange gerne kleinere Sachen an, die großes Potenzial haben - und der Flugplatz Bitburg hat großes Potenzial. Ich habe mir das Areal zunächst mal bei "google earth" angesehen und dachte: Das ist ein schlafender Riese.

Welches Potenzial sehen Sie?

Günter Krahé: Ich sehe für Bitburg Perspektiven im Frachtflug und der Bedarfsluftfahrt - also in Bereichen, die nicht darauf angewiesen sind, an Ballungszentren zu hängen.

Das wollen auch andere Regionalflughäfen. Warum sollten die entsprechenden Unternehmen nach Bitburg kommen?

Günter Krahé: Am Hahn stehen Frachtflug-Firmen hinter dem Passagierflug an. Zudem spricht für Bitburg die strategisch günstige Lage im Dreiländer-Eck, während Luxemburg in der Luftfahrt als häufig von Nebel betroffen bekannt ist. Was Geschäftsreiseflüge oder die Ambulanz-Fliegerei angeht, haben größere Plätze wie Köln/Bonn oder besonders Frankfurt/Main dafür kaum Kapazität, während am Hahn auch das mit dem Passagierflug vermittelt werden muss.

Was ist mit dem in Bitburg favorisierten Ziel, dem Ausbau zu einer Industrie-Werft?

Günter Krahé: Vor drei Jahren hätte ich gesagt, die Chancen sind hervorragend, flugaffines Gewerbe hier anzusiedeln. Aber gerade in der Luftfahrt hat es einige Unternehmen ordentlich gebeutelt. Dennoch: Derzeit sind wir in Kontakt mit Firmen, die wiederverwertbare Teile aus alten Flugzeugen ausbauen und weitervermarkten und so gemeinsam mit der Firma Steil die Idee des Flugzeug-Recyclings umsetzen. Es gibt auch erste, vielversprechende Kontakte zu Werftbetrieben und kleineren Cargo-Airlines.

Was für Firmen wollen Sie nach Bitburg bringen?

Günter Krahé: Cargo- und Logistikdienstleister, Hersteller von Luftfahrzeugen und Luftfahrzeug-Teilen, Gebrauchtflugzeug-Handel, Wartungsbetriebe, Recyclingfirmen, Ambulanz-Luftfahrt und andere, für die an großen Flugplätzen keine Kapazität ist oder denen dort die Hangarmieten zu hoch sind.

Was sind Ihre ersten Ziele?

Günter Krahé: Ich möchte baldmöglichst das erste Unternehmen hier ansiedeln. Etwa eine Flugzeugwerft oder einen Flugzeugverwerter. Dafür, dass ein Luftfahrtunternehmen seine Flugzeuge dauerhaft in Bitburg stationiert, wäre die Umsetzung der Instrumentenflug-Genehmigung wichtig. Der Instrumentenflug sollte in der kleineren Variante des Nicht-Präzisionsanflugs ab Winter 2010 möglich sein.

Welche Bedeutung hat die Umsetzung des Instrumentenflugs für die Entwicklung des Flugplatzes?

Günter Krahé: Erst dadurch können wir den Fliegern eröffnen, auch bei nicht sichtflugtauglichem Wetter starten und landen zu können. Das ist für die Unternehmen Grundvoraussetzung.

Die Schätzungen darüber, was man in den Instrumentenflug investieren müsste, gehen stark auseinander. Wie viel würde das Ihrer Ansicht nach kosten?

Günter Krahé: Der Businessplan weist einen Investitionsbedarf von rund 2,2 Millonen Euro zur vollständigen Umsetzung eines Nicht-Präzisionsanflugs aus. Ich hoffe, durch geschickten Einkauf vielleicht noch ein wenig reduzieren zu können.

Wo sehen Sie den Flugplatz in fünf Jahren?

Günter Krahé: Ich möchte so viele wie möglich zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen - und zwar ohne dafür jedes Jahr wie etwa auf anderen Plätzen in Rheinland-Pfalz ein paar Millionen Euro Steuergeld in die Hand nehmen zu müssen. Ziel ist eine sichere dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen in fünf Jahren. Darüber hinaus ist das ausbaufähig. Vor allem der Werftbetrieb braucht Zeit. Die Firmen müssen ja erstmal hier bauen.

Wie viele Maschinen bräuchte es denn, um den Flugplatz wirtschaftlich zu betreiben?

Günter Krahé: Wirtschaftlichkeit hängt nicht alleine von der Anzahl der Starts und Landungen ab, sondern auch von ihrer Qualität - so würden beispielsweise beim Flugzeug-Recycling Maschinen hier landen und dann mehrere Wochen Arbeit schaffen. Ähnlich ist das beim Wartungs- und Reparaturbetrieb. Ich wäre froh, wenn hier einmal am Tag eine größere Cargo-Maschine landen würde und es noch 15 bis 20 Bewegungen von kleineren kommerziellen Flugzeugen am Tag gäbe.

Können Sie denn die Sorge der Anrainer wegen des Lärms verstehen?

Günter Krahé: Natürlich kann ich die Angst vor Lärm verstehen. Aber es wird hier nie wieder so laut werden wie zu Zeiten der Amerikaner. Wer hier vor 1994 gebaut hat, hat in einen Lärm gebaut, der so krass war, wie er nie wieder sein wird. Das wird es nicht mehr geben. Ich würde mir wünschen, dass die Befürworter dieses Flugplatzes genauso viel Gehör fänden wie die Gegner.

Was sagen Sie zu den Bedenken der ADD gegen den Gesellschaftervertrag der GmbH?

Günter Krahé: Dieses Schreiben ist primär eine Angelegenheit des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Ich gehe für die GmbH davon aus, dass auf dieser Ebene alles Notwendige veranlasst wird, um dem Flugplatz eine positive Zukunft zu ermöglichen. Selbstverständlich werde ich alles in meinen Kräften Stehende tun, um den Kreis als Hauptgesellschafter der GmbH dabei zu unterstützen. EXTRA Zur Person: Günter Krahé ist 41 Jahre und stammt aus Mülheim an der Ruhr. Er war sieben Jahre als Ground Operations Manager, dann als Marketing- und Verkaufsmanager bei der Jet Executive International Charter GmbH & CO KG in Düsseldorf tätig. Im Jahr 1991 begann seine Luftfahrtkarriere als Schichtleiter und später als Stationsleiter in der Flugzeugabfertigung an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn. (scho)