"Ich weiß, wovon ich rede"

"Ich weiß, wovon ich rede"

SCHLOSSHECK. Mit drei Mann nach Hannover: Karl-Heinz Heggen arbeitet diese Woche nicht in seiner Firma, sondern auf der Cebit. Im Gepäck: ein ziemlich revolutionäres Computerprogramm für Arztpraxen.

Klare Worte: "Viele Praxen in Deutschland sind in Gefahr, von Abrechnungsprogrammen manipuliert zu werden", findet Karl-Heinz Heggen. "Diese Programme sind abhängig - von der Pharmaindustrie und von Großkonzernen der EDV-Branche." Was Heggen ärgert, ist die eingebaute Werbung: Klickt der Doktor ein Medikament an, das er verschreiben möchte, könne es sein, dass eine "Produktempfehlung" auf dem Bildschirm ganz oben erscheint - je nachdem, welche Arznei die Hersteller gerade unters Volk bringen wollen. Clemens Philipp bestätigt das. Er ist Arzt im saarländischen Wadgassen: "Es kann sogar sein, dass auf Ihrem Rezept gar nicht das Medikament steht, das sie ausgesucht haben. Und Sie haben keine Möglichkeit, das abzustellen", sagt er. Es sei denn, man bitte den Programm-Hersteller darum. "Die machen das dann. Aber für Geld." Dr. Philipp will sich nicht den Monopolisten ausliefern. Bei ihm läuft deshalb auch nicht "Windows" als Betriebssystem, sondern das kostenlose "Linux" - und eine Verwaltungs-Software von Karl-Heinz Heggen. Der kennt die Branche: "Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe zehn Jahre in der Industrie gearbeitet. Als Klinikreferent". Damals vermarktete er selbst Pharma-Produkte. Und stieg irgendwann aus, um eine eigene Firma zu gründen. Die heißt "Multi-Data Klinik-, Praxis-, Unternehmensberatungs GmbH" und sitzt in Schlossheck und Orlenbach. Der lange Name musste sein: Um Verwechslungen mit einem ähnlich betitelten Betrieb in St. Vith zu vermeiden. Seine Botschaft indessen ist deutlich kürzer: Er will Ärzten eine werbefreie Software bereitstellen. Name: "ComProMed." Zu deutsch und in Langform: Computerprogramm für Mediziner. Heggen hat vor Jahren die Rechte am Programm gekauft und es dann weiter entwickelt: "Der Mediziner", sagt er, "soll selber bestimmen, welche Mittel er einsetzt. Und was mit seinen Daten geschieht." Auf der Cebit beginnt diese Woche die Vermarktung. Das Eifeler Produkt hat zudem einen weiteren Vorteil: Seinen Quellcode - sozusagen der Kommandostand im Hintergrund, der dem Rechner sagt, was er zu tun hat. Dieser ist, anders als bei vielen Produkten großer Hersteller, frei für jeden zugänglich, der sich in die Geheimnisse des Programms einarbeiten will. Noch lacht die Konkurrenz

Damit könne ein Informatik-Kundiger in den Tiefen der Software nachprüfen, was sie eigentlich macht, sagt Heggen. Und werde erkennen, dass sie keine unerwünschten versteckten Operationen vornimmt, wie das bei anderen Programmen häufig geschieht. "Das ist der Hintergrund bei einer freien Software", sagt Heggen. "Das heißt noch lange nicht, dass sie auch kostenlos ist." 900 Euro koste sein Programm, sagt Heggen, die Konkurrenz nehme deutlich mehr. 60 Jahre alt ist der Computerfachmann. "Aber mit einer jungen Mannschaft", betont er. "Sonst denken alle, das ist so ein seniler Typ, der anfängt zu spinnen." Ein Spinner? Wohl kaum. Auch wenn die Konkurrenten ihn belächeln - er sei einfach zu klein, um ihnen gefährlich zu werden, sagt Heggen. Aber das ändert sich gerade: Das Acht-Mann-Team aus der Eifel soll nämlich verstärkt werden. Gesucht wird dazu ein Auszubildender, der EDV-Kaufmann werden möchte. Mehr dazu unter www.multidata-gmbh.de oder www.compromed.de Die "Cebit" ist geöffnet bis Mittwoch, 15. März, täglich von 9 bis 18 Uhr.