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Ideensammlung zur Gestaltung der Bitburger Innenstadt: Wunsch nach mehr Parkplätzen

Ideensammlung zur Gestaltung der Bitburger Innenstadt: Wunsch nach mehr Parkplätzen

"Finger weg von den Parkplätzen", "Parkplätze sind lebensnotwendig", "Ohne Parkplätze stirbt die Innenstadt." Es scheint fast so, als ob die Bitburger kaum etwas mehr fürchten, als nicht zu wissen, wo sie ihr Auto abstellen können. Manch einem sind Parkplätze sogar "wichtiger als Kultur".

Diese Aussagen gehen aus den Anregungen hervor, die die 529 Teilnehmer einer Bürgerbefragung in Bitburg auf ihre Zettel geschrieben haben. Thema der Ideensammlung war die Gestaltung der Innenstadt (der TV berichtete mehrfach). Deren Ergebnis liegt jetzt vor. Also, was soll sich ändern, liebe Bitburger?

Am Petersplatz: Die größte Zustimmung gab es für den Petersplatz. Beete, Bäume, Brunnen sollen erhalten bleiben. Da waren sich mehr oder weniger alle Befragten einig. Auch die lila Lesevilla macht sich gut neben den Gäßestreppern - das finden jedenfalls rund 76 Prozent der Befragten. Eine knappe Mehrheit gab es dafür, auf dem Platz einen Veranstaltungsbereich zu schaffen. "Wir reden hier nicht davon, eine riesige Bühne aufzubauen", sagt Stadtbürgermeister Joachim Kandels. Dafür sei ja auch kein Platz.

Am Markt: Etwa 300 Meter Luftlinie vom Petersplatz entfernt befindet sich der Markt samt Konrad-Adenauer-Anlage. Die soll, wenn es nach etwa 83 Prozent der Teilnehmer geht, "durch Grünzüge fließend an die Innenstadt geführt werden." Ferner könnten sich die Bitburger dort auch einen Bouleplatz, eine öffentliche Toilette und einen Biergarten vorstellen. Die Liste der Ideen ist lang. Und einige davon findet auch Kandels "sinnvoll", wie er sagt.

Etwa das Aufstellen von Fahrradständern und Aufladestationen für E-Bikes. Denn die Bürger haben sich auch dafür ausgesprochen, dass der ehemalige Kiosk auf der Anlage erhalten bleiben soll. Und der ist schon lange Treffpunkt der Radsportfreunde. Und sonst so? Klar, die Parkplätze, die müssen natürlich bleiben.

Am Grünen See: Auch am Grünen See fürchten die Bitburger um ihre Parkplätze. Allerdings nicht alle. Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent ist immerhin dafür, einige Parkplätze zugunsten eines besseren Zugangs zur Römermauer samt Sitzplätzen aufzugeben. Überhaupt soll der ganze "archäologische Parcours" multimedial über das Leben der Römer informieren. Hier fanden knapp 76 Prozent die "Kultur" dann doch wichtiger als Stellflächen fürs Auto.

Rund um die Liebfrauenkirche: "Dieser Bereich der Fußgängerzone hat es seit jeher schwer", sagt Bürgermeister Kandels. Kaum jemanden führe der Weg durch die Innenstadt über den Petersplatz hinaus. Das soll sich jetzt ändern. Der ganze Platz um die Liebfrauenkirche herum soll attraktiver werden. Das finden auch die Bitburger. Sie wollen, dass der Platz ein "neuer Anziehungspunkt" wird - geplant ist ein Glockenspiel, ein Modell des römischen Kastells und mehr Bänke.Wichtig ist ihnen nur, dass die Gestaltung des Geländes am Ende einheitlich aussieht. Bis dieser Wunsch der Bürger in Erfüllung geht, wird es aber wohl noch eine Weile dauern. Erst 2021 wolle die Stadt hier aktiv werden, sagt Kandels. Im Großen und Ganzen scheint der Bitburger mit seiner Innenstadt recht zufrieden zu sein. Manch einer fordert sogar explizit, dass Bewährtes erhalten bleiben möge. "Viele haben Angst vor Veränderung", sagt Ralf Mayeres von der Stadtverwaltung, "Sie wollen die Atmosphäre der Plätze bewahren." Bei den Workshops sei aber auch diesen Bürgern noch das ein oder andere eingefallen, was man ändern könnte - solange die Parkplätze nicht angetastet werden, versteht sich. "Mit denen müssen wir sensibel umgehen", das weiß Mayeres jetzt. Gestern wurden die Ergebnisse der Befragung im Stadtrat vorgestellt.

Jetzt sollen Architektenbüros wetteifern, wer die Plätze umgestalten darf. Eine Jury aus Architekten und Stadtratsmitgliedern wählt bis Ende des Jahres die besten Bewerber aus.KommentarUnd am Ende wird doch gemeckert

Manchmal bringen Bürger die Politik auf die besten Ideen. Und sie von Zeit zu Zeit nach ihrer Meinung zu fragen, ist ja auch eine feine Sache. Aber solche Verfahren haben auch Tücken. Das Problem fängt schon beim Begriff "Bürger" an. Zwar haben 529 von ihnen an der Befragung teilgenommen - ein beachtliches Ergebnis. Die rund 13 500 restlichen Bitburger aber nicht. Vielleicht haben die ja auch noch gute Ideen zur Gestaltung der Innenstadt. Wer mitgemacht hat, wird jetzt sagen: Pech, dann dürfen die sich auch nicht beschweren. Die Erfahrung lehrt aber: Werden sie trotzdem. Tun sie immer. Und das ist ihr gutes Recht in einer Demokratie. c.altmayer@volksfreund.deExtra:

 Zumindest mit dem Petersplatz (oben) sind die Befragten sehr zufrieden. An der Römermauer kann ruhig noch was passieren – solange dafür nicht zu viele Parkplätze verschwinden. TV-Fotos (2): Benedikt Laubert
Zumindest mit dem Petersplatz (oben) sind die Befragten sehr zufrieden. An der Römermauer kann ruhig noch was passieren – solange dafür nicht zu viele Parkplätze verschwinden. TV-Fotos (2): Benedikt Laubert Foto: (e_bit )

Das sind die Teilnehmer

Insgesamt haben 529 Bitburger bei der Bürgerbefragung mitgemacht. Davon waren die meisten zwischen 40 und 70 Jahren alt. "Eine normale Altersstruktur bei solchen Umfragen", sagt Ralf Mayeres von der Stadtverwaltung. Auch die Geschlechterverteilung sei nicht ungewöhnlich. Die Frauen waren mit etwa 51 Prozent knapp in der Mehrheit. Sie alle haben Fragebögen ausgefüllt und rund 390 eigene Anregungen eingebracht.