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„Ihr Sohn hat ein Kind überfahren“ - die neuen Tricks der Telefonbetrüger in der Eifel

Fälle im Bitburger, Wittlicher und Gerolsteiner Land : „Ihr Sohn hat ein Kind überfahren“ - die neuen Tricks der Telefonbetrüger in der Eifel

Mit neuen Maschen versuchen Telefonbetrüger in der Eifel derzeit wieder Senioren um ihr Geld zu bringen. Die Polizei mahnt zur Vorsicht. Mit welchen Tricks die Täter es aktuell versuchen und wie Sie sich schützen können.

Wohl jeder kennt die Angst vor solchen Anrufen. Wenn die Polizei klingelt, um vom Unfall eines Angehörigen zu unterrichten. Einen solchen Schreckmoment hatte auch Clara Ersfeld aus Speicher diese Woche. Ihr Sohn habe ein Kind überfahren, erzählt der vermeintliche Beamte der 92-Jährigen am Telefon. Man habe ihn verhaftet. Und nun brauche er schnell 100 000 Euro, um wieder auf Kaution freizukommen.

Als besagter Sohn von dem Vorfall hört, sitzt er  allerdings gerade putzmunter im Auto. Der Speicherer Unternehmer Alwin Ersfeld ist ins luxemburgische Örtchen Echternach unterwegs. Und nicht etwa im Gefängnis. Seine Mutter hatte glücklicherweise bei seiner Frau angerufen, um nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. „Das ist schon makaber“, findet Ersfeld: „In was für einer Welt leben wir eigentlich?“

Glücklicherweise ist seine Mutter aber nicht auf die Betrugsmasche hereingefallen. Sie wäre allerdings nicht die erste Seniorin gewesen, mit denen Verbrecher in der Eifel Kasse machen.

Noch im vergangenen Sommer übergab eine damals 81-Jährige aus dem Bitburger Land 20 000 Euro an einen falschen Schwiegersohn, dem angeblich eine teure Infektion bevorstand. Und das ist laut Polizei alles andere als ein Einzelfall.

Mit Anrufen von falschen Polizisten, Notaren oder Familienangehörigen hätten es die Eifeler Beamten inzwischen mehrmals die Woche zu tun, sagt der Bitburger Polizeichef Christian Hamm. Die Wittlicher Kollegin Eva Klein sagt: „In den vergangenen Wochen hatten wurden uns immer wieder solche Fällen gemeldet.“ Und im Gerolsteiner Land versuchen es die Betrüger derzeit auch wieder mit den bewährten Tricks.

Hinter den Taten steckten oft organisierte Banden, die aus Callcentern im Ausland anrufen. Und etwa von der Türkei aus ihre Kuriere zu den Opfern schickten. Solche „Läufer“ zu schnappen, gelinge schon mal, sagt Dienststellenleiter Hamm: „An die Hintermänner heranzukommen, ist  hingegen schwierig.“

Insgesamt seien die Täter sehr professionell aufgestellt. Und erschlichen sich durch allerlei Tricks das Vertrauen von meist älteren Menschen. In der Corona-Pandemie besonders beliebt: der falsche Arzt, der vermeintliche Corona-Tests oder Impfungen anbietet. Gegen Bezahlung, versteht sich.

Im Wittlicher Land rufen derzeit hingegen verstärkt angebliche Microsoft-Mitarbeiter an. Der Vorwand sind angebliche Sicherheitslücken im Betriebssystem. So wollen sie sich den Zugriff auf die Computer und Kontodaten ihrer Opfer ergaunern. Gerade derzeit, wo viele Eifeler im Homeoffice arbeiten, scheint das eine beliebte Masche zu sein.

In Gerolstein haben es die Beamten derzeit wieder mit einem anderen Trick zu tun. Hier bestellen Unbekannte laut Polizei diverse Waren an verschiedene Haustüren. Bei der Auslieferung erscheinen die Täter dann und wollen die Pakete ausgehändigt bekommen. Sie seien an die falsche Adresse gesendet worden.

Auch wenn  vergleichbare Meldungen im Eifelkreis derzeit eingehen, erinnert das Vorgehen doch an einen Fall aus dem Mai 2019. Damals gelang es den Beamten in Bitburg zwei Diebe zu fassen, die Pakete abfangen wollten (der TV berichtete).

Mit guter Ermittlungsarbeit gelingt es also doch manchmal, die Verbrecher zu fassen. Leider sind aber, auch wegen der Pandemie, derzeit so viele Gauner unterwegs, dass die Lage gefährlich bleibt. Die Polizei rät daher weiter zur Vorsicht bei dubiosen Anrufen.

Auch Sie haben in den vergangenen Tagen solche Erfahrungen gemacht? Dann zögern Sie nicht und wenden Sie sich an die Polizeidienststelle in Ihrer Nähe.