Im ausgedienten Leichenwagen nach Jordanien

Im ausgedienten Leichenwagen nach Jordanien

Abenteuerlust und soziales Engagement: Das sind die beiden Gründe für vier stramme Kerle und zwei junge Frauen, sich dem Unternehmen Allgäu-Orient-Rallye zu stellen. Zusammen mit 111 Teams, mehr als 333 Fahrzeugen und 666 Menschen starten die Eifeler bei einem der letzten automobilen Abenteuer.

Großlittgen/Kyllburg. Samstagnachmittag: Gegen vier Uhr fallen in der Werkstatt in Großlittgen die Schraubenschlüssel zu Boden. Mittagspause. Um die Zeit? "Ja, weil bisher haben wir uns einfach noch keine Pause gegönnt. Es gibt noch viel zu tun", erklärt Daniel Hagnbuchner (31) aus Kyllburg. Bis zum Start der Allgäu-Orient-Rallye am 28. April muss noch einiges erledigt werden.
Drei Autos, zwei Volvo-Kombi und ein Mercedes, übrigens ein ausgedienter Leichenwagen, müssen für die mehr als 6000 Kilometer präpariert werden. Denn sie dienen den Teilnehmern nicht nur als fahrbarer Untersatz, sondern sind auch für den Transport der Hilfsgüter, gleichzeitig als Schlafplatz vorgesehen.
"Allein die Fahrt wird ein Abenteuer", sagt Christoph Krähling (31, Großlittgen) und beißt in ein Stück Pizza. Nachdem die politische Situation im mittleren Osten unkalkulierbar geworden ist, wird der Weg von Oberstaufen über Istanbul, Corum, Kars und Kappadokien in das Zielland Jordanien schwierig.
"Doch da wollen wir hin. Wir haben eine ganze Menge Spenden gesammelt, die wir dort verschenken wollen. Kinderheime und bedürftige Familien werden davon profitieren", erklärt Cindy Brück (30) aus Zettingen (Kreis Cochem-Zell), unterstützt von der zweiten Frau im Team, Melanie Mues (33, Orsfeld).
Marco Müller (36, Kyllburg) und Daniel Hagnbuchner waren 2012 bereits mit einem anderen Team mit von der Partie. "Die Gastfreundschaft und die Hilfsbereitschaft waren gigantisch", erinnert sich Hagnbuchner und erzählt schier unglaubliche Geschichten. Bis nachts um drei hätten ihnen Einheimische geholfen, Fahrzeugpannen zu beheben, Essen und Unterkunft zu suchen.
Sponsoren unterstützen das Team Eifel, dennoch wird das Abenteuer jeden mehrere Tausend Euro kosten. "Das nehmen wir in Kauf. Für uns ist das eine tolle Sache", sagen Lukas Pickard (21) aus Flußbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) und Melanie Mues. "Gleichzeitig können wir mit unseren Spenden Bedürftige ohne Umwege erreichen."
Extra

Zugelassen sind Autos, die mindestens 20 Jahre alt und höchstens 1111 Euro wert sind. Ein Rallyeteam besteht aus sechs Personen und drei Autos; eines muss mindestens im Ziel ankommen. Navigationssysteme sind verboten, gefahren wird nach den Regeln der StVO der jeweiligen Länder. Für Übernachtungen dürfen pro Tag und Teilnehmer 11,11 Euro ausgegeben werden. Maximal dürfen 666 Kilometer am Tag gefahren werden. 555 Kilometer sollten es sein, um die Strecke in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Informationen unter www.allgaeu-orient-rallye.de, www.team-eifel.de rh

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