Im Garten der Werners läuft alles im Kreis

Im Garten der Werners läuft alles im Kreis

Hans-Peter und Johanna Werner haben sich von Anfang an aus dem eigenen Garten ernähren und an selbst gezogener Blumenpracht erfreuen wollen. Dabei setzen sie auf das Prinzip der Permakultur, das mit einem Nährstoffkreislauf funktioniert.

Altrich. Das kennen viele passionierte Gärtner: Vor dem Frühstück erst einmal im Garten etwas rumlaufen. Dabei gleich Produkte aus dem Garten zu frühstücken, gelingt Hans-Peter Werner dieser Tage besonders gut. Vom Baum pflückt er einen Apfel und isst ein paar Blätter vom Gingko.
Doch nicht erst seit Hans-Peter Werner die ledrigen Fächerblätter des Gingkobaumes kaut, denkt er in Zusammenhängen. Permakultur lautet das Konzept, das hinter dem Selbstversorgergarten der Familie Werner steht. Verkürzt gesagt funktioniert hier auf 3000 Quadratmetern Gartengrund, was die Natur im Großen vormacht: Kreislaufwirtschaft. Mensch, Tier und Pflanze leben möglichst so miteinander zusammen, dass ihre Bedürfnisse bestmöglich erfüllt werden.
Ein Beispiel sind die Würmer. Die Erde, die sie aus den Kompostabfällen und der "zugefütterten" Pappe produzieren, hat Hans-Peter Werner untersuchen lassen. "Sie haben den siebenfachen Düngewert eines normalen Mutterbodens", sagt der als Buchhalter tätige Hobbygärtner. Um das System der Permakultur am Laufen zu halten, bedarf es aber nicht nur der fleißigen Helfer im Untergrund. Über Tage sät Johanna Werner Feldsalat, sobald die Kartoffeln geerntet sind. Ihr Mann streut Grünsaat auf jedes frei gewordene Stückchen Gartenland. "Haben wir mal zu viel Schnittlauch, verteilen wir ihn abgeschnitten um den Kohl", erklärt das Ehepaar. Das dünge die Starkzehrer und vertreibe die Kohlfliege. Das Wichtigste sei dabei aber, dass nirgendwo nackte Erde bleibt. "Das mag für manchen Besucher unordentlich aussehen", räumt Hans-Peter Werner ein. "Aber sehen Sie", meint er mit Blick auf ein von Grüngut gemulchtes Beetstück, "da hat sich doch schon wieder Neues versamt. Das kann ich doch nicht wegnehmen."

Sonnenblumen zum Anfang


Das Prinzip des Werdens und Vergehens bedeutet, dass alles Organische auf dem Grundstück bleibt. "Als wir 1974 auf dem zu Bauland gewordenen Wiesengrund meines Elternhauses einzogen", erzählt die Altricherin, "haben wir im Garten erst mal reihenweise Sonnenblumen gesät." Die 300 Stängel der verblühten Sommerpflanzen bildeten den Grundstock für die Hügelbeete. Das grobe Material wurde mit Grassoden abgedeckt. Dazwischen hatten die beiden aus der Landwirtschaft Stammenden Laub und Lavamehl gestreut. Wandern sie heute durch den Garten - vorbei am Teich mit der Wasserlinsenzucht, die das eingespeiste Regenwasser reinigt und nicht nur den Hühnern schmeckt oder den zum Teil selbst veredelten Alten Obstbaumsorten - stellen sie zufrieden fest: "Man muss kein Obst und Gemüse kaufen, von dem man nicht weiß, wie es gezogen worden ist." Das sei doch der wahre Luxus in der heutigen Zeit. Und für ein Gefühl von Urlaubsstimmung sorgen sie mit ihren selbst gezogenen südländischen Kübelpflanzen auf dem Terrassenplatz am Hauseingang und mit den selbst veredelten Rosen.
Extra

Hans-Peter und Johanna Werner schätzen den Gesundheitsaspekt ihres milchsauer vergorenen Sauerkrauts und dessen Geschmack. Und so geht\\'s: Aus dem Weißkrautkopf (Spitzkohl eignet sich nicht) Strunk entfernen und auf dem Krauthobel hobeln. Lagenweise Schicht um Schicht Kraut in einen Gärtopf mit Wasserrinne einstampfen. "Fest gedrückt mit der Faust werden aus acht Zentimeter dicken Lagen drei Zentimeter dicke", berichten sie. Jede Lage mit Meersalz bestreuen. Pro Kilo Kraut rechnet man 3,1 Gramm Salz. Über jede Lage zwei bis drei Esslöffel Kurmolke geben: "Damit gelingt die Milchsäuregärung optimal." Extra-Tipp: Pro Schicht zehn bis zwölf Wacholderbeeren dazugeben. Nach etwa 14 Tagen ist das Sauerkraut essfertig. Ausflugstipp: Familie Werner öffnet ihren Garten nächste Saison wieder im Rahmen der offenen Gartenpforte des Wittlicher Gartenbauvereins. Ein herbstliches Schauspiel bietet die Dicke Eiche im Südwesten des Orts Altrich bei Wittlich. Wandert man an dem rund 300 Jahre alten Naturdenkmal weiter Richtung Südwesten, gelangt man über die historische Römerstraße in den Wallfahrtsort Klausen. kf

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