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Im Kino den Alltag vergessen: Seit 1950 flimmern im Bitburger Lichtspielhaus Filme über die Leinwand

Im Kino den Alltag vergessen: Seit 1950 flimmern im Bitburger Lichtspielhaus Filme über die Leinwand

Das Skala-Kino ist seit drei Generationen im Besitz der Familie Riewer. Sohn Heino löste seine Mutter Marlene ab und übernahm 1996 die Geschäfte. Anfang der 1950er Jahre war das Kino mit 400 Sitzplätzen der größte Saal in der Stadt, wo auch andere Vorstellungen gezeigt wurden.

Bitburg. Für anderthalb Stunden den Alltag vergessen und in das Leben der Weltstars eintauchen. Die Zuschauer sitzen im dunklen Kinosaal und schauen gespannt auf die Leinwand, eine der wenigen Freizeitmöglichkeiten in den 1950er Jahren. "Der Kinosaal war so voll, dass manche sich auf einen Bierhocker hinter den Vorhang setzten", erinnert sich Marlene Riewer, deren Mutter 1950 das Skala-Kino eröffnete. Seit drei Generationen befindet sich das Lichtspielhaus im Besitz der Familie.Volles Haus



Zur ersten Filmvorführung "Der Seelenbräu" mit Paul Hörbiger, saßen die geladenen Gäste in Mänteln auf ihren Stühlen und Platzanweiser führten die Zuschauer mit Taschenlampen zu ihren Plätzen. Ganze Busse von auswärts sind mit Fahrer ins Kino gegangen. Lange Zeit war das Skala-Kino mit 400 Sitzplätzen der größte Saal, in dem auch Theaterstücke aufgeführt wurden. Die Fensterscheiben waren mit Hollywoodstars, wie Rita Hayworth oder Lauren Bacall verziert, in der Eisdiele traf sich die Jugend. Zu jeder Vorführung malte der bekannte Plakatemaler Willi Laschet ein Plakat.
Das Programm wechselte alle drei Tage. Auch der Filmvorführer hatte alle Hände voll zu tun. Er klebte Filmstreifen, bediente zwei Projektoren legte alle 20 Minuten eine neue Filmrolle ein. "Wir mussten immer auf die Kohleelektroden aufpassen, damit der Film beleuchtet war", erinnert sich Marlene Riewer.
Sie holte die schweren Filmrollen vom Bahnhof ab. Früher gab es von einem Film rund 50 Filmkopien für ganz Deutschland. Wenn bei einem Filmriss wieder geklebt werden musste, war eine unfreiwillige Pause angesagt. So wurden die Filme Bild für Bild immer kürzer. Bis die Filmkopien von den Großstädten nach Bitburg kamen, war der Verschleiss schon sichtbar.Kino im Wandel der Zeit


Die "Rocky Horror Picture Show" war genau 20 Minuten kürzer als die Originalversion. Aber das ist kaum aufgefallen", sagt Heino Riewer, der das Kino seit 1996 weiterführt. Die Wochenschau vor jedem Spielfilm war in den 1950er Jahren eine wichtige Nachrichtenquelle. In den 1970er Jahren standen Cowboyfilme und harmlose Sexfilme zu später Abendstunde auf dem Programm, während die Polizei vor der Tür die Ausweise kontrollierte.
Heute kommt der Film auf einer Festplatte per Post oder über Satellit. Eine Spielzeit von drei Wochen ist vorgegeben. "Da muss man schon sehr gut überlegen, welche Filme man einkauft", sagt Riewer. Das Publikum ist heute entweder sehr jung oder etwas älter und die Nachrichten werden im Fernsehen geschaut.
Das Kino liegt im Borenweg 7. Mehr Informationen zum Kinoprogramm gibt es unter
kinocenter-bitburg.de