Im Land der verlassenen Katzen

Im Land der verlassenen Katzen

Niemand hat je gezählt, wie viele Katzen es in der Eifel gibt, um die sich niemand kümmert. Fest steht nur: Es sind viel zu viele. Der "Verein der Tierfreunde Südeifel" nimmt sich ihrer an, so gut er kann - und träumt davon, ein richtiges Tierheim aufzubauen. Dabei brauchen die Helfer allerdings Hilfe.

An einer einsamen Stelle am Waldrand hält der Pick-Up an. Ein Mann steigt aus. Sieht sich um, glaubt sich unbeobachtet und nimmt etwas von der Ladefläche. Hastig legt er es unter einem Strauch ab, ehe er wieder einsteigt, um diesen Ort, vermutlich sogar dieses Land zu verlassen. Eine Familie, die das Ganze beobachtet, wird später feststellen, dass der Mann eine Katze mit ihren Jungen zurückgelassen hat.

Zur gleichen Zeit werden auf einem Bauernhof Kätzchen geboren. Geboren, um Mäuse zu fangen. Impfen, gut füttern oder gar kastrieren wird sie niemand. Und so nimmt in der Eifel das Elend seinen Lauf.

Ein Elend, das Sandra Bruins, zweite Vorsitzende des "Vereins der Tierfreunde Südeifel", sehr gut kennt. Zu gut. Auf ihrem Hof in Halsdorf nimmt die aus Holland stammende Tierliebhaberin Katzen und andere Tiere auf, um die sich sonst niemand kümmert. Im Moment sind es rund 40 - also viel zu viele und die meisten von ihnen sind krank: Bruins bringt sie zum Tierarzt, verabreicht ihnen Medizin, füttert sie, leert ihre Katzenklos, schmust mit ihnen und kümmert sich darum, dass sie gute neue Besitzer finden. 50 bis 80 Tiere vermittelt sie jährlich.
Auch, wenn andere Vereinsmitglieder ihr unter die Arme greifen: Sich um all diese Tiere zu kümmern ist ein zeitfressender Job, den sie nur machen kann, weil ihr Mann das Geld für die Familie verdient.

Doch die viele Arbeit ist nicht das einzige Problem, vor dem der Tierschutzverein steht, der dank viel privater Initiative in der Eifel noch weitere Pflegestationen betreibt: "Wir haben kein Geld mehr", sagt Maria Schons, die erste Vorsitzende des Vereins. 30 000 Euro gehen jährlich allein an die Tierärzte. Mit allem drum und dran sind zur Zeit 50 000 Euro jährlich nötig. Weil die Beiträge der rund 130 Mitglieder dafür nicht ausreichen, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Auch, um seinen Traum zu verwirklichen: Ein richtiges Tierheim für die Südeifel. Wie so etwas geht, haben Gleichgesinnte in Altrich gezeigt, wo nun bei Wittlich das "Eifeltierheim" steht.

Noch steckt das südeifeler Projekt in den Kinderschuhen: Die Tierfreunde beginnen gerade erst mit ihrer Suche nach einem geeigneten Gebäude und vor allem nach Menschen oder Firmen, die sie unterstützen wollen: nach freiwilligen Tierpflegern genauso wie nach Handwerksfirmen, die bereit sind, kostenlos Mauern hochzuziehen oder Fliesen zu verlegen, Baumärkten, die günstig Material abgeben oder Banken, die Geld spenden

"Tierschutz geht alle an", sagt Maria Schons, die sich sehr wünschen würde, dass die Menschen in der Eifel Verantwortung für ihre Tiere übernehmen. Und verhindern, dass Katzenbabys geboren werden, um die sich dann niemand kümmert - außer ein paar überforderten Tierfreunden.

Den "Verein der Tierfreunde Südeifel" gibt es seit 1989 - er hat sich damals gegründet, weil wegen des Golfkriegs viele Amerikaner ihre Katzen herrenlos zurückgelassen hatten.

Wer den Verein beim Aufbau eines Tierheims unterstützen möchte, kann sich an Maria Schons wenden unter Telefon 0171/5777681 sowie an Sandra Bruins, Telefon 06522/933610, oder direkt eine Spende überweisen auf das Konto 8050205 bei der Kreissparkasse Bitburg-Prüm, Bankleitzahl 58650030.

Meinung

Kümmert euch um eure Tiere!

Von Katharina Hammermann – Mag sein, dass es schon immer so war: Katzen sind in der Eifel zum Mäusefangen da, nicht, um verhätschelt zu werden. Wenn sie durch den Winter kommen, ist gut. Wenn sie kaputtgehen, ist auch gut. So die althergebrachte Denke. Doch dass das schon immer so war, macht die Sache um keinen Deut besser. Wer sich Katzen hält, die er weder impft noch kastriert, ist verantwortungslos! Das ist nicht minder schlimm, als Tiere einfach irgendwo auszusetzen. Denn in beiden Fällen nimmt derjenige bewusst in Kauf, dass die Tiere leiden. Und wer sich solche Wesen je angesehen hat, weiß, dass sie das tun: eingefallene Flanken, zugeschwollene, vereiterte Augen, entzündete Wunden Genau genommen müsste man Menschen anzeigen, die dieses Elend zulassen. Das müsste man - wären es nicht die eigenen Nachbarn, die doch nur alles so lassen, wie es immer schon war... Leute, bitte ändert euch! Kümmert euch selbst um eure Katzen! Alles andere ist Tierquälerei. k.hammermann@volksfreund.de

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