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"Im Lande der Quellen"

SPEICHER. (mws) An den jüdischen Schriftsteller und Journalisten Simon Salomon alias Siegbert Salter, der vor 60 Jahren starb, erinnert die Eifelverein-Ortsgruppe Speicher: Sie präsentierte am Sonntag ein Buch sowie eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus.

"Die Schüler der Realschule Speicher und ihr damaliger Rektor Josef Hilgers haben Anfang der 80er Jahre intensive Vorarbeit für uns geleistet", sagt Matthias Thömmes vom Arbeitskreis für Heimatgeschichte und -literatur (AHL) des Eifelvereins, Ortsgruppe Speicher. Zusammen mit Hermann Schmitz, Robert Graff, Andreas Schommer und Robert Reuter hat er ein 150-seitiges Buch über Simon Salomon zusammengestellt. Werke wie das "Töpferlied" und "Die Wichterchen" machten den Speicherer Autor bekannt. Dieser sei vor knapp 100 Jahren selbst Vorstandsmitglied des Eifelvereins gewesen, berichtet der Vorsitzende Klaus Thiel.Salomon wurde am 21. März 1873 in Speicher geboren. Seine Eltern hatten ein Textilgeschäft in der heutigen Kirchstraße. Nach dem Abitur am Realgymnasium Trier studierte er in Bonn, Heidelberg und Berlin Philosophie, Sprachen und Literaturwissenschaft. Anschließend lebte er vier Jahre in Paris, London und Mailand.Schon früh begann der Eifeler, Gedichte zu schreiben. Die "Lintzsche Buchhandlung Trier" veröffentlichte 1899 seinen Band "Im Lande der Quellen" mit 13 Balladen über die Eifel. Nach der Jahrhundertwende gründete er in Berlin ein Lehrinstitut und schrieb häufig unter dem Pseudonym Siegbert Salter. In einer Buchreihe erzählte er Anekdoten über berühmte Männer wie Heinrich Heine, Rothschild und Napoleon. Der Autor kannte Tipps zur richtigen Haarpflege ("Wenig empfehlenswert ist es, das Haar über die Ohren zu tragen...") oder Rezepte für die "feine Küche". Auch die Kunst-, Mode- und Sportzeitschrift "Die Koralle" sowie "Das bunte Blatt" gab er heraus.Kontakt zu Speicher brach 1917 ab

Salomons Kontakt nach Speicher brach um 1917 weitgehend ab. Als er 1928 seiner Heimatgemeinde anbot, die Schriftenreihe "Am Deutschen Rhein" mit Speicher zu eröffnen, lehnte der damalige Bürgermeister Fuchs dankend ab. 20 Reichsmark hätte er pro Bild zahlen müssen. Kyllburg und Irrel waren nicht so "geizig" und erhielten ihre Bände.Mit dem Antisemitismus kam das berufliche Ende für den Autor: 1938 musste Salomon alle Verlagstitel abgeben. Zuletzt stieg der Journalist in seiner eigenen Zeitschrift "Koralle" vom Chefredakteur zum Packer ab. In seinem letzten Lebenszeichen teilte er Ende 1937 dem Standesamt Speicher mit, dass er den zusätzlichen Namen "Israel" angenommen habe - wie es die Nazis von allen jüdischen Männern verlangten.Im Juli 1942 verschleppte die Gestapo den 70-jährigen Autor des "Töpferlieds" ins Konzentrationslager Theresienstadt, wo er am 27. März 1943 umgebracht wurde. Ein Grab hat er nie bekommen. Seine Asche landete im Herbst 1944 mit der von 22000 anderen getöteten Häftlingen aus Theresienstadt im Fluss Eger.Mit einer Gedenk-Plakette am nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebauten Geburtshaus Simon Salomons - der heutigen Schwanen-Apotheke in der Speicherer Kirchstraße - erinnert die Eifelverein-Ortsgruppe zum 60. Todestag des Schriftstellers an ihn.Die Bronzetafel wurde am Sonntag enthüllt. Anschließend stellte der AHL im Rathaus das Buch "Simon Salomon alias Siegbert Salter - ein Bürger aus Speicher" vor. Es enthält Informationen zum Dichter und seine Balladen-Sammlung "Im Lande der Quellen" und ist ab sofort im Handel erhältlich.