Im Notfall 45 Minuten fahren: Strecken zwischen Eifeler Krankenhäusern sind zu weit

Kostenpflichtiger Inhalt: Im Islek ist die Anbindung besonders schlecht : Im Notfall 45 Minuten fahren: Strecken zwischen Eifeler Krankenhäusern sind zu weit

Nirgendwo im Land ist der Weg zum nächsten Krankenhaus länger als im Westen des Eifelkreises. Etwa 45 Minuten braucht man vom Neuerburger Land oder dem Islek in die nächste Klinik. Wie ist die Versorgung dort zu sichern?

Herzinfarkt, Geburtswehen, Verletzungen – bei medizinischen Notfällen zählt jede Minute. Was aber, wenn die nächste Klinik eine Dreiviertelstunde entfernt liegt? Seit 2014 stehen viele Menschen im Westen des Eifelkreises vor diesem Problem. Denn damals gingen im Krankenhaus Neuerburg die Lichter aus. Es blieben die Spitäler in Bitburg und Prüm. Wer etwa in Affler (VG Südeifel) oder Dasburg (VG Arzfeld) lebt, braucht dorthin mit dem Auto aber 45 Minuten.

Wie schlecht die medizinische Versorgung in der Gegend auch im Vergleich ist, beweist ein Blick auf den Krankenhausatlas des Statistischen Bundesamtes (siehe Info). Demnach gibt es in ganz Rheinland-Pfalz keine andere Region, die derart unterversorgt ist wie der Islek und das Neuerburger Land. In der gesamten Bundesrepublik finden sich nur wenige Flecken, die weiter entfernt von einer Klinik sind.

Das ist den Bürgermeistern der Verbandsgemeinden Südeifel und Arzfeld durchaus bewusst. „30 bis 45 Minuten Weg sind sicher nicht zufriedenstellend“, sagt Andreas Kruppert (CDU): „Gerade bei Notfällen sollte die Strecke unter einer halben Stunde liegen.“ Sein Südeifeler Kollege Moritz Petry (CDU) gibt ihm Recht: „Wir in der Grenzregion sind erheblich benachteiligt seit das Krankenhaus in Neuerburg geschlossen hat.“ Dies sei 2014 aber „nur der Anfang einer Entwicklung“ gewesen.

Tatsächlich schreibt jede dritte deutsche Klinik inzwischen rote Zahlen. Vor allem kleine Landkrankenhäuser haben finanzielle Probleme. In den vergangenen Jahren gab es daher eine Schließungswelle quer durch die deutsche Provinz. Auch in der Region hat es Standorte getroffen.

In Neuerburg versucht man der angespannten Lage derweil mit einer Idee aus Skandinavien zu begegnen. In Schweden und Dänemark, ebenfalls dünn besiedelte Länder, werden wenige starke Krankenhäuser durch viele sogenannte Gesundheitszentren in der Peripherie ergänzt. „Scheinbar ein erfolgreiches Konzept“, sagt Bürgermeister Petry.

Seit einiger Zeit hat sich am alten Klinikstandort ein solches Gesundheitszentrum etabliert, das diverse medizinische Leistungen anbietet. „Sicherlich ist das kein Ersatz für das Krankenhaus“, räumt Petry ein. Als Ergänzung zur Versorgung in Bitburg und Prüm könne die Einrichtung aber helfen.

Inzwischen sind zwei Drittel des Gebäudes in der Bitburger Straße vermietet, unter anderem an die Allgemeinärztin Sigrid Mundt und den Chirurgen Karl-Georg Hermans, der dort Sprechstunden anbietet. Weitere Mediziner und Fachärzte sollen folgen. „Es ist in diesem Bereich aber leider so, dass man einen langen Atem braucht“, sagt der Arzfelder Bürgermeister Kruppert.

Das Problem laut Petry: Gesundheitszentren würden bislang zu wenig gefördert. Es fehlten „einheitliche und für die jeweilige Region bedarfsgerechte Konzepte“. Dabei wäre dies für eine „enge Vernetzung der Krankenhäuser mit Gesundheitszentren in der Region dringend erforderlich“.

Dass es im Westen des Kreises irgendwann wieder ein Krankenhaus geben wird, halten Petry und Kruppert indes für „absolut illusorisch“. Es müsse vielmehr darum gehen, die Standorte Prüm und Bitburg zu stärken.

Sinn könnte für die Menschen im Islek und Neuerburger Land aber eine Kooperation mit der Klinik im luxemburgischen Ettelbrück ergeben, finden die Bürgermeister. Von einigen Ortschaften in der Gegend ist diese Einrichtung schließlich schnell zu erreichen. Man stehe „mit verschiedenen Krankenhausstandorten in Kontakt“ und prüfe „die Möglichkeit einer Zusammenarbeit“, sagtPetry. Mehr will der Bürgermeister aber noch nicht verraten.

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