Im Paddelboot sind alle Kinder gleich

Biersdorf · Gemeinsam in einem Boot sitzen, das ist bei dem Sportcamp am Stausee in Biersdorf nicht nur eine Redensart. Hier wird Inklusion gelebt, denn behinderte und nicht behinderte Schüler paddeln gemeinsam und trainieren für die Special Olympics, die in diesem Jahr in Düsseldorf stattfinden.

Biersdorf. "Das passt bei uns", da sind sich Matthias vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Schweich und Florian, der die Treverer-Schule in Trier vertritt, einig. Sie paddeln zum ersten Mal gemeinsam in einem Boot. Florian verfügt bereits über Erfahrung, für Matthias ist es das erste Jahr, in dem er den Arbeitskreis Paddeln an seinem Gymnasium besucht. Die beiden Jungen, die sichtlich Spaß mit den Kanus haben, bilden zusammen ein Team aus einem behinderten und einem nicht behinderten Schüler.
Edelmetall bei Special Olympics


Patrick ist alleine unterwegs mit seinem Kajak. Er kommt von keiner der Schulen, sondern arbeitet in einer Werkstatt. Er darf aber beim Trainingscamp mitmachen, weil er sonst wenig Gelegenheit hat, den Sport auszuüben. Patrick erzählt, dass er eine Spastik hat. Deshalb muss er seine Knie in dem engen Boot mit Styropor schützen. Er hat auch viel Spaß, bedauert aber, dass er von Gerolstein aus nur wenig Gelegenheit hat, regelmäßig zu trainieren. Trotzdem gewann er bei den Special Olympics in der Vergangenheit schon Bronze im Einzel und Gold im Doppelkajak.
"Seele" des Projektes, das die Förderschulen Treverer und Porta Nigra in Trier und die Levana in Schweich sowie das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Schweich verbindet, ist Marita Schmitt. Sie ist Trainerin bei den Trierer Kanufahrern und hat auch hier in Biersdorf das Kommando. Weiterhin dabei ist der Turnverein Biersdorf, der für das Trainingscamp das Bootshäuschen zur Verfügung stellt. Einige der Mitglieder paddeln auch selbst mit.
Für Marita Schmitt ist es ein Projekt, bei dem alle profitieren. Die Schulen könnten sich einzeln nicht die Boote leisten, die für das Training benötigt werden. Die Vereine stellen Fachkenntnisse zur Verfügung, übernehmen den Transport der Boote, haben aber auch den Vorteil, dass sie die Boote der Schulen zum Training nutzen können.
Viel wichtiger aber ist für Schmitt der menschliche Aspekt. "Das ist eine tolle Zusammenarbeit", lobt sie. Nicht nur mit den Schulen, bei ihr im Verein können die behinderten Schüler auch am ganz normalen Training teilnehmen. "Ich habe Freude an der Entwicklung der Jugendlichen", sagt die Kanu-Trainerin.
Für Hans-Josef Plein, ehemaliger Schulleiter der Levana-Schule, ist besonders die Nachhaltigkeit des Projektes von Bedeutung. Seit 2005 wird gepaddelt. "Das ist gelebte Inklusion", sagt er. noj
Extra

Boot fahren ist eine feine Sache. Ihr wisst ja bestimmt, dass es verschiedene Arten davon gibt. Motorbooteoder Segelboote. Und dann gibt es die Kanus wie bei dem Trainingscamp auf dem Biersdorfer Stausee. Aber auch da gibt es unterschiedliche Typen: Der Kanadier ist offen und wird auch in Amerika von Indianern benutzt. ´Kajaks haben nur eine kleine Öffnung, in der der Fahrer des Bootes drinsitzt. Solche Boote werden von den Eskimos genutzt. noj