1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Im Schatten Karls des Großen

Im Schatten Karls des Großen

Das kommende Jahr steht ganz im Zeichen Karls des Großen: 2014 jährt sich der Todestag zum 1200. Mal. Überall in Europa werden Ausstellungen und Aktionen vorbereitet. Mit einigem Recht kann sich auch Prüm auf den Frankenherrscher und römischen Kaiser berufen, doch ob und wie sich die Stadt am Karlsjahr beteiligt, steht noch nicht fest.

Die Kaiserstadt Aachen bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor: 2014 jährt sich der Todestag Kaiser Karls des Großen zum 1200. Mal. Deshalb wird unter anderem eine große Ausstellung über den mittelalterlichen Herrscher vorbereitet.
Doch auch in Prüm haben die Karolinger - das Herrschergeschlecht, dem Karl entstammte - maßgeblich ihre Spuren hinterlassen. Bertrada die Ältere, eine Urgroßmutter Karls des Großen, stiftete 721 das erste Kloster im Prümtal. Karls Eltern Pippin und Bertrada die Jüngere schließlich gründeten 752 das Kloster neu und siedelten Benediktinermönche in der Eifel an. Grund genug also, das Karlsjahr 2014 auch in Prüm zu begehen und das gerne für sich reklamierte Prädikat der "Karolingerstadt" mit Leben zu füllen. Doch was halten die Prümer von dieser Idee?
Das sei auf jeden Fall eine Überlegung wert, sagt Prüms Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. Konkrete Planungen gibt es seitens der Stadt noch nicht, aber: "Da werden wir uns Gedanken machen. Das ist auf jeden Fall ein guter Hinweis."
Eine bekennende Fürsprecherin ist Schriftstellerin Martina Kempff. Sie sei ja schon lange dafür, das Etikett "Karolingerstadt" für Prüm zu reklamieren. "Das kann die Stadt mit großem Recht für sich beanspruchen", sagt Martina Kempff.
Gerade hat sie ihren aktuellen historischen Roman fertiggestellt, der sich um die Entstehung des Aachener Doms und natürlich auch Kaiser Karl drehen wird. "Und auch Prüm spielt eine gewichtige Rolle." Der Roman soll am 26. September in Aachen vorgestellt werden.
Sie fände es auf alle Fälle gut, wenn das Karlsjahr auch in Prüm aufgegriffen werden würde. Dieses Ereignis werde in ganz Europa begangen und sicherlich die gesamte erste Jahreshälfte 2014 dominieren. Danach rücke der Erste Weltkrieg, dessen Beginn sich 2014 zum 100. Mal jährt, in den Fokus.
Beim Geschichtsverein Prümer Land ist man noch unentschieden. Man wolle das Thema demnächst im Vorstand diskutieren und analysieren, ob Aktionen sinnvoll sind und was man machen könne, sagt der Vorsitzende Volker Blindert. Noch sei ja etwas Zeit bis 2014.
Bis dahin, so hofft Stadtratsmitglied und Basilikaführerin Monika Rolef, soll auch der Karolingerweg um eine Station reicher sein. Seit dem vergangenen Jahr stehen rund um die ehemalige Abtei und die Basilika Statuen berühmter Karolinger und ihrer Zeitgenossen.
Derzeit grüßen bereits Karl der Große, sein Vater Pippin, sein Enkel Lothar und der Mönch Regino von ihren Sockeln. Außerdem steht im Pfarrgarten eine Figur der Klostergründerin Bertrada. Demnächst soll noch der Mönch Wandalbert hinzukommen. Sie würde es sehr begrüßen, wenn sich die Prümer im Karlsjahr ebenfalls engagieren würden. In welcher Form, sei noch unklar. "Wir haben uns schon damit beschäftigt, aber sind im Moment noch nicht so richtig am Ball", sagt Monika Rolef. "Aber Prüm hat auf jeden Fall ein großes Potenzial."

ExtraKarl der GroßeDer frankische König und spätere Kaiser des Römischen Reiches Karl wurde vermutlich im Jahr 747 oder 748 geboren. Sein genauer Geburtsort ist ebenfalls unbekannt. Er entstammt dem Geschlecht der Karolinger, die seit 751 die Könige des fränkischen Reiches stellten. Dessen Gebiet erstreckte sich von den Pyrenäen bis zur Oder und von Holstein bis nach Mittelitalien. 768 wurde Karl fränkischer König, im Jahr 800 wurde er zum römischen Kaiser gekrönt. Er starb 814 in Aachen. Die Regentschaft übernahm sein Sohn Ludwig der Fromme. Nach dessen Tod 843 wurde das Frankenreich im Vertrag von Verdun zwischen seinen drei Söhnen aufgeteilt. Den mittleren Streifen erhielt der spätere Kaiser Lothar I., ein Enkel Karls des Großen, der nach seinem Tod im Prümer Kloster beigesetzt worden ist. Noch heute kann sein Grab in der Basilika besichtigt werden. Darüber hinaus entsteht derzeit ein Karolingerweg mit Statuen berühmter Karolinger.

ExtraAusstellungIn Aachen soll eine dreiteilige Ausstellung den Frankenherrscher vorstellen. Unter dem Titel "Karl Charlemagne der Große" soll sie Kultur und höfisches Leben des Kaisers beleuchten. Zur Eröffnung hat sich Bundespräsident Joachim Gauck angekündigt. 3,5 Millionen Euro will sich die Stadt Aachen die Ausstellung kosten lassen, 130.000 Besucher werden erwartet. Meinung
Die Chance ergreifenVon Christian Brunker
Die Geschichte der Karolinger ist auf das engste mit der Geschichte der Abtei und der sich daraus entwickelnden Stadt Prüm verknüpft. Das fränkische Herrschergeschlecht versorgte sein Hauskloster mit Reliquien, Kaiser Lothar - ein Enkel Karls des Großen - zog sich dorthin zurück und fand in der Eifel seine letzte Ruhestätte. Unter den Karolingern stiegt Prüm zu den bedeutendsten Klöstern des frühen Mittelalters auf, mit Besitzungen in halb Europa. Nun jährt sich der Todestag Karls des Großen zum 1200. Mal - für die Prümer eine wunderbare Gelegenheit, sich auf die eigenen Ursprünge zu besinnen und auch das kulturelle Erbe nach außen hin bekannter zu machen. Natürlich kann man sich nicht mit Großstädten wie Aachen messen. Aber in kleinerem Rahmen sollten auch die Prümer das Karlsjahr nutzen. Da sind jetzt Ideen gefragt. Wann, wenn nicht jetzt. c.brunker@volksfreund.de