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Im Schutzgebiet des Eifeltigers

Im Schutzgebiet des Eifeltigers

NIEDERPRÜM/WITTLICH. In der Autobahnmeisterei gibt es seit 2001 eine Kühltruhe. Nicht um Eis und Steaks einzufrieren fürs nächste Betriebsfest, sondern um tote Wildkatzen aufzubewahren, damit sie vom Fachmann untersucht werden können.

Wer Autobahnmeisterei hört, denkt vor allem an geräumte Straßen im Winter, gemähte Grasstreifen entlang der Autobahn und fleißige Männer, die nach einem Unfall Glassplitter und Blech vom Asphalt kehren. Seit Mai 2001, nach Bauende der A 60, sind die Männer der Autobahnmeisterei auch für ein Wildkatzenprojekt zuständig. Wer aufmerksam die A 60 entlangfährt, wird einen hohen Maschendrahtzaun bemerken, der oben weiß verblendet ist. Dieser ist nicht gebaut worden, damit die Rehe auf ihrer Seite des Waldes bleiben, sondern ausschließlich zu dem Zweck, die Wildkatzen zu schützen. Wobei die Rehe praktischerweise auch davon abgehalten werden, auf die Straße zu laufen. In Rheinland-Pfalz befindet sich derzeit das bedeutendste deutsche Wildkatzenvorkommen. In der Eifel leben zwischen 410 und 1080 Tiere (siehe Hintergrund). Ein großer Kernraum befindet sich in der Kyllburger Waldeifel. "Nur unter der Auflage, diese Tiere zu schützen, wurde die Genehmigung für den Bau der A 60 erteilt", sagt Wildbiologe Mathias Herrmann vom Fachbüro Öko-Log. Die Autobahn führe mitten durch den Lebensraum der Katzen. Trotz des 29 Kilometer langen Zauns komme es immer wieder vor, dass Tiere auf die Straße laufen und dort überfahren werden. Deshalb steht seit Mai 2001 eine Katzen-Kühltruhe in der Autobahnmeisterei Prüm. Dort werden die toten Wildkatzen aufbewahrt, die bei Kontrollfahrten auf der A 60 gefunden werden. Herrmann untersucht dann Schädel und Knochen der Tiere, und ob sich das Erbgut genetisch verändert hat, soll heißen, ob es sich um eine reine Wildkatze handelt, oder ob sich in den Stammbaum eine Hauskatze eingeschlichen hat. Seit Bestehen der Zäune im Mai 2001 habe man zehn tote Wildkatzen in Bereichen gefunden, wo keine Katzenbarrieren stehen, sagt Thomas Wagner, Leiter der Autobahnmeisterei Prüm. Deshalb werde der Zaun auch verlängert. Gebaut und gepflegt wird er von der Autobahnmeisterei Prüm. Mehrmals im Jahr muss der Zaun auf beiden Seiten freigemäht werden, da sonst Gestrüpp wachsen würde, das die Katzen zum Überspringen nutzen könnten, sagt Wagner. Unten ist der Zaun sogar mit einem Untergrabschutz versehen, damit die Tiere nicht auf diesem Wege ausbüchsen. "Der Zaun entlang der A 60 ist sehr gut gemacht", lobt Herrmann. Er habe nirgendwo einen gesehen, der technisch so perfekt ist und so gut gepflegt werde. Im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Forsten betreut er das Wildkatzenprojekt, bei dem versucht wird, die negativen Auswirkungen der Straße zu mindern. So lange die A 60 nicht vollständig zum Schutz der Wildkatzen eingezäunt ist, wird die Kühltruhe in der Prümer Autobahnmeisterei wohl noch gebraucht. Und wem demnächst bei einem Spaziergang im Wald eine verwaschen getigerte Katze mit buschigem Schwanz begegnen sollte, der hat vielleicht einen echten Wildfang und keinen verwilderten Stubentiger getroffen.