Immer an der Grenze entlang

Immer an der Grenze entlang

Der längste Bahntrassenradweg Europas ist am Dienstagmorgen in St. Vith eröffnet worden: Auf 125 Kilometern verbindet die Vennbahn Aachen mit dem luxemburgischen Troisvièrges, immer entlang der deutsch-belgischen Grenze durch das Hohe Venn. Rund 14,5 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert.

St. Vith/Prüm. Das Licht des neuen Leuchtturms für den Radtourismus in Eifel und Ardennen ist angeschaltet, gemeinsam haben die Vertreter Belgiens, Luxemburgs und Deutschlands den neuen Vennbahnradweg freigegeben.
"Das ist ein wichtiger Meilenstein für die touristische Entwicklung der Eifel-Ardennen-Region", sagt Isabelle Weykmans, Ministerin für Tourismus der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) Ostbelgiens. Zudem sei das Projekt ein gelungenes Beispiel für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb Europas. Man habe bei der Entwicklung des Radwegs auch großes Gewicht auf die wechselvolle Geschichte der Bahnstrecke und die einzigartige Naturlandschaft gelegt, die auf Tafeln entlang der Strecke mit Comics und Illustrationen erklärt werden.
14,5 Millionen Euro haben die Partner in den 125 Kilometer langen Radweg investiert. Das Geld kommt zum Großteil von der Wallonischen Region Belgiens, die 5,9 Millionen Euro beigesteuert hat, sowie von der Europäischen Union, die knapp vier Millionen Euro zuschießt. Aus Deutschland kommen rund 3,2 Millionen Euro, aus Luxemburg 1,4 Millionen Euro. Sogar die Verbandsgemeinde Prüm ist finanziell beteiligt - allerdings nur mit wenigen Hundert Euro, wie Ewald Dockendorf, Leiter des Bauamts, berichtet. Denn beim Winterspelter Ortsteil Hemmeres verläuft der Radweg ein kurzes Stück auf der deutschen Seite, die VG hat dafür die Beschilderung übernommen. "Die Wege waren schon fertig", sagt der erste Beigeordnete Jakob Weinand.
Nun hoffen Politiker und Touristiker, dass der Radweg der Region neue Impulse verleiht. Die Tourismusagentur Ostbelgiens, die das Marketing übernommen hat, rechnet mit 25 000 bis 30 000 Übernachtungsgästen jährlich. Außerdem werden bis zu 70 000 Tagestouristen erwartet. 2,5 Millionen Euro sollen die Gäste in die Region bringen.
"Wir sind auf dem Weg, zur Naturerlebnisregion Nummer eins in Westeuropa zu werden", sagt Helmut Etschenberg, Städteregionsrat (vergleichbar mit einem Landrat) aus Aachen. Außerdem sei man stolz, nun eine Strecke von der Kaiserstadt Aachen zur Europastadt Luxemburg vorweisen zu können.Rückgrat für Radtourismus


Marco Schank, beigeordneter Minister für die Infrastruktur Luxemburgs, sieht in der Vennbahn das Rückgrat einer ganzen Reihe von Radwegen auf ehemaligen Bahntrassen, die zusammen ein engmaschiges Netz ergäben. Denn zu den bereits bestehenden Anbindungen wie an die Deutschlandroute D4 in Aachen oder den Ruruferradweg in Monschau sollen bald weitere kommen: Auf deutscher Seite haben die Arbeiten am Kylltalradweg von Jünkerath bis zur belgischen Grenze begonnen, der über Bütgenbach mit dem Vennbahnradweg verbunden werden soll. Eine zweite Verbindung besteht bereits in Steinebrück, wo der Eifel-Ardennen-Radweg in Richtung Prüm anschließt.
Der Radweg ist mittlerweile durchgängig befahrbar, allerdings stehen noch einige Restarbeiten an, etwa im Abschnitt bei Sourbrodt. Außerdem wird der Tunnel bei Lengeler wegen Fledermäusen nicht geöffnet werden können. Genaue Infos gibt es im Internet unter www.vennbahn.euMeinung

Beispiel für Europa
Der Vennbahnradweg bringt alles mit, um ein überzeugendes Angebot zu werden, das deutlich über die Eifel-Ardennen-Region ausstrahlt: Mit der Kaiserstadt Aachen einen Startpunkt, der als ehemalige Residenz Karls des Großen eine europäische Bedeutung und einen großen Bekanntheitsgrad hat. Dazu das Hohe Venn mit seiner einzigartigen Moorlandschaft. Außerdem steht die Strecke nicht allein, sondern hat viele Anbindungen an weitere Radwege - etwa in Richtung Prüm und ins Kylltal und von dort an die Mosel. So ist in den vergangenen Jahren ein dichtes Netz entstanden, das den Gästen viele Möglichkeiten gibt, sicher und ohne Autoverkehr ihren Radurlaub zu verbringen. Projekte wie die Vennbahn zeigen, wie wichtig die europäische Zusammenarbeit nach wie vor ist und dass sie sehr wohl etwas für die Bürger bringt. c.brunker@volksfreund.deExtra

Die Bahnstrecke durch das Hohe Venn wurde von 1882 an gebaut und nahm 1889 ihren Betrieb auf. Sie sollte Kohle aus dem Raum Aachen zu den Stahlwerken in Luxemburg transportieren. Nach dem Ersten Weltkrieg fielen die bis dahin deutschen Kreise Eupen und Malmedy an Belgien, das Königreich übernahm außerdem die hoheitliche Kontrolle über die Vennbahn. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verlor die Verbindung an Bedeutung, so dass am 28. September 1982 der letzte Güterzug dort rollte. Nach einer kurzen Episode mit touristischen Zügen von 1990 bis 2001 begannen 2003 die Überlegungen, aus der Strecke einen Radweg zu machen, die nun - zehn Jahre später - erfolgreich abgeschlossen worden sind. ch