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Immer im Dienst, niemals verzagt

Immer im Dienst, niemals verzagt

Seit 40 Jahren ist Gertrud Michels Küsterin in Jünkerath. Nichts Besonderes, findet die 87-jährige Jubilarin. Dafür arbeitet sie nämlich viel zu gern in der Kirche.

Jünkerath. "Ich hab' das nicht angezettelt", stellt Gertrud Michels klar: Es sei der Wunsch ihrer Kinder gewesen, dass da etwas über ihr Jubiläum in die Zeitung kommt - "und dass ich ein bisschen über mein Leben erzähle".Sie hat es ja auch, bei aller Bescheidenheit, verdient: 87 Jahre alt ist Gertrud Michels, Mutter von zwei Söhnen (Hans-Walter und Manfred) und Oma von drei Enkeln; seit 60 Jahren in der Frauengemeinschaft aktiv. Und seit 40 Jahren Küsterin im Dorf. Nichts Besonderes, findet die Jubilarin: Sie habe einfach schon immer gern in der Kirche mitgearbeitet. Bereits mit zehn Jahren habe sie angefangen, als Vorbeterin, danach als Lektorin, später vertrat sie ihre Vorgängerin. Seit 23 Jahren teilt sie außerdem die Kommunion aus: "Ich war damals die Erste", erinnert sie sich.Messen und Andachten vor- und nachbereiten, Blumenschmuck besorgen, Feste planen, die Messdiener-Gewänder waschen, das und vieles mehr gehört zu ihrer Arbeit, bei der sie mittlerweile von Katharina Dittrich unterstützt wird. "Wenn ich in der Kirche arbeite, dann fühle ich mich so wohl und zufrieden - ich könnte mich stundenlang da aufhalten." Und es sei einfach sehr schön, sich Jesus nahe zu fühlen. Zumal es nicht immer leicht war: Mit neun Geschwistern wuchs sie auf, die Jüngeren "habe ich mit großgezogen. Und ich musste von Anfang an mitarbeiten." Zwei der jüngeren Schwestern leben noch, ihr Mann Johannes starb 1991. Gerade in dieser Zeit habe ihr ihre Arbeit geholfen. Außerdem sei sie fürs Nichtstun ungeeignet: "Ich muss immer was zu tun haben, sonst wäre ich verrückt geworden."Drei Pastöre hat sie in ihrer Zeit als Küsterin erlebt: Eduard Latzke, Winfried Beissel; ihr aktueller "Schützling" ist seit 15 Jahren Reinhard Mallmann. Probleme habe es in all den Jahren keine gegeben, sagt sie, und niemals sei ein böses Wort gefallen: "Die waren alle pflegeleicht.""Ich habe eine gute Zeit gehabt", bilanziert sie und meint damit nicht nur ihre Tätigkeit als Küsterin. "Ich danke dem lieben Gott, dass es so gelaufen ist." Und der hat es offenbar gut mit ihr gemeint: Als sie kürzlich für einige Tage im Krankenhaus war, habe ihr der Arzt bescheinigt: "Sie sind biologisch zehn Jahre jünger."Erledigt alles selbst und fährt täglich Rad

An den Ruhestand denkt sie deshalb auch nicht. "So lange ich klar im Kopf bin und noch gehen kann, so lange möchte ich das machen." Noch immer erledigt sie alles selbst, im Haus, im Garten - und wir sollen nicht vergessen zu schreiben, dass sie noch jeden Tag Fahrrad fährt. Und Schwester Anni aus Lissendorf erzählt, dass Gertrud in jeder freien Minute strickt - und die Ergebnisse dem Verein "Eifellicht" spendet oder anderen Hilfsorganisationen. Außerdem, berichtet Sohn Manfred, gehe die Mutter immer noch kegeln. "Die lässt sich nicht unterkriegen." Und zwar von niemandem. "Jetzt ist aber gut", sagt Gertrud Michels. "So viel Gedöns wollen wir nicht machen."