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In Bitburg wird viel gebaut, dem fallen ältere Häuser zum Opfer

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : Gebäude in Gefahr - Warum die Bitburger gegen den Abriss alter Bauten protestieren

Wenn in Bitburg alte Häuser abgerissen werden, regt sich stets Widerstand. Verständlich: Denn nur wenige Bauten in der Stadt haben den Zweiten Weltkrieg überstanden. Warum manche Gebäude zu retten sind, und andere nicht.

Am Tag nach Weihnachten ist Bitburg kaum mehr als ein Trümmerfeld. 1944 haben die Bomben der US-Truppen die Stadt zu fast 90 Prozent zerstört. Fotos aus der Zeit zeigen das Ausmaß der Katastrophe: Meterhohe Schuttberge türmen sich in den Straßen auf. Wenige Ruinen ragen daraus empor. Bitburg galt als „tote Stadt“.

75 Jahre später ist das Leben zurückgekehrt. Auf den Trümmern der Vergangenheit stehen neue Häuser. Dennoch hat der Zweite Weltkrieg Spuren hinterlassen. In kaum einer Gemeinde in Rheinland-Pfalz haben so wenige Gebäude die Jahrzehnte überstanden. Nach der Bombardierung war kaum etwas zu retten gewesen.

Nach Angaben der Kreisverwaltung gibt es in Bitburg 112 Gebäude, die unter Denkmalschutz fallen. Das sind nicht besonders viele. Zum Vergleich: In der Stadt Wittlich gibt es allein 156 sogenannte Einzeldenkmäler und 17 ganze Denkmalzonen. Schaut man auf die kommunale Ebene wird es noch augenfälliger, was alles im Weltkrieg zu Bruch ging: Im Eifelkreis kennt die Behörde rund 2430 Objekte, die unter diese Klassifizierung fallen. Die 1680 Teile des Westwalls nichtmal mitgezählt.

  Etwas weniger als die Hälfte der schützenswerten Gebäude in Bitburg finden sich in der Innenstadt (58), etwa das Stadtschlösschen am Waisenhauspark, das Doppelhaus „goldener Schwan“ in der Trierer Straße oder das ehemalige Bordell „Sansi-Bar“ in der Mötscher Straße.

Aber auch in den Stadtteilen gibt es den ein oder anderen wertvollen Bau. Die meisten von ihnen liegen laut Kreisverwaltung im kleinen Matzen (11), dicht gefolgt von Mötsch (10) und Erdorf (9). In Stahl stehen sieben denkmalgeschützte Objekte, in Masholder und sogar in der Siedlung Irsch immerhin sechs.

All diese Denkmäler dürfen nicht zerstört, beschädigt oder verfälscht werden. Der Staat, in diesem Fall der Kreis, hat ein besonderes Auge darauf, dass das Kulturgut gesichert bleibt. Die Kriterien für die staatliche Fürsorge, erklärt eine Behördensprecherin so: „Objekte werden nicht aufgrund ihres Alters unter Denkmalschutz gestellt. Sondern, weil sie zum Beispiel Zeugnisse des geistigen oder künstlerischen Schaffens, des handwerklichen oder technischen Wirkens oder historischer Ereignisse oder Entwicklungen, oder kennzeichnende Merkmale der Gemeinden sind.“

Diese Attribute allerdings schließen einige weitere historische Bauten aus. Wie viele Gebäude, die mehr als 100 Jahre alt sind, es in Bitburg noch gibt, ist der Verwaltung nicht bekannt. Doch gerade die, scheint es, sind in Gefahr.

So musste vor wenigen Wochen das ehemalige Haus der Dichterin Gerda Dreiser in der Erdorfer Straße dran glauben. Etwas länger zurück liegt der Abriss des Conrady-Hauses in der Mötscher Straße. Beide Gebäude mussten Platz machen für Neubauten. Mehrfamilienhäuser, die in der Stadt seit Jahren wie Pilze aus dem Boden schießen.

Bei der Denkmalpflege der Kreisverwaltung wurden die Abrisse ausdrücklich nicht begrüßt: „Beide Gebäude waren aus unserer Sicht erhaltenswert. Es kam ihnen eine stadtbildprägende Wirkung zu, da sie jeweils den Bezugspunkt in einem Kreuzungsbereich bildeten.“ Unter Schutz aber standen sie nicht.

Das Dreiser-Haus sei mehrfach erweitert worden und habe nur entlang der Straßenseite einen Natursteinsockel. Weitere Details hätten ebenfalls gegen eine Klassifizierung gesprochen, wie etwa der „stark veränderte Eingangsbereich“ und die Dachgaube, die aus Sicht der Denkmalpfleger „unmaßstäblich zu groß“ ist. Beim Conrady-Haus  habe es sich nichtmal um ein Kultur-Denkmal gehandelt. Der Abriss war daher genehmigungsfrei. Fazit: Beide Häuser durften, mit Missbilligung der Fachleute, verschwinden.

Das ruft Kritiker auf den Plan. „Schlimm, dass man die schönen alten Häuser abreißt. Die haben wenigstens Charme, nicht so wie die neuen Bauklötze“, schreibt etwa Facebook-Nutzerin Alicia Weber. Frank Wagners Kommentar geht in die selbe Richtung: „Unglaublich. Da gibt es ein paar schöne alte Häuser. Und die Stadt ist nicht imstande diese zu erhalten. Baut ruhig noch mehr Mehrfamilienhäuser.“

Die TV-Leser sind mit ihrem Protest nicht allein. Immer dann, wenn in der Stadt ein historisches Haus zu fallen droht, regt sich Widerstand. Die Eifeler, scheint es, hängen an ihrer alten Architektur – ist sie doch so selten geworden.

1981 bereits besetzen vier Bitburger Jugendliche die „Alte Union, ein imposantes Bauwerk in der Trierer Straße, damals 80 Jahre alt. So wollten sie das Gebäude vor dem Abriss durch die Landeszentralbank retten, die dort eine Filiale plante. Doch der Schuss ging nach hinten los. Das Land beschleunigte das Abrissverfahren. Und schon bald war die „Union“ Geschichte.

Auch das Dreiser-Haus war nicht zu retten gewesen. Nachdem Proteste an seinen Plänen laut wurden, hatte der Bauunternehmer zunächst wieder zum Verkauf angeboten. Er fand aber keinen Interessenten, der bereit war den erheblichen Sanierungsaufwand zu tragen. Und so musste das Haus weichen.

Ein Sonderfall, sicherlich. Aber steht er nicht exemplarisch für den Umgang der Bitburger mit ihrer Bausubstanz? Werden alte Gemäuer hier nicht so lange verfallen gelassen, bis sie ein Fall für die Abrissbirne sind?

„Diese subjektive Einschätzung“ können die Denkmalpfleger des Kreises so nicht bestätigen. „Wir begleiten regelmäßig circa 350 Förder- und Denkmalschutzmaßnahmen und haben täglich mit Bauherrn zu tun, welche sich für den Kauf oder die Sanierung eines Altbaus entscheiden“, schreibt eine Sprecherin. Die Vorteile laut Verwaltung: Neben der Fördermöglichkeit in der Dorferneuerung profitiere der Bauherr beim Umbau eines denkmalgeschützten Objektes von einer „interessanten“ Steuerbegünstigung.

Ob davon auch der künftige Besitzer eines Hauses in der Kölner Straße Gebrauch machen wird? Jedenfalls steht derzeit wieder ein älteres Bitburger Bauwerk zum Verkauf. 1947, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde es errichtet. Derzeit sind in dem Bau noch Wohnungen untergebracht. Aber wer weiß wie lange noch? Auf Immobilienportalen wird jedenfalls nach einem neuen Eigentümer gesucht. Für 275 000 Euro ist das Haus zu haben. Unter Denkmalschutz steht es nicht.

Weitere Bilder der Bitburger Denkmäler gibt es online unter:

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Gebäude stehen in Bitburg unter Denkmalschutz