In den Kronen nistet der Ärger

In den Kronen nistet der Ärger

Warum ausgerechnet der Bitburger Waisenhaus-Park bei den Saatkrähen so beliebt ist, bleibt ein Rätsel. Tatsache ist aber, dass die Zahl der dort brütenden Tiere von Jahr zu Jahr zunimmt, weshalb nun erneut überlegt wird, wie man den Bestand reduzieren kann.

Bitburg. Gerade im November, wenn der Himmel grau ist und die Bäume kahl sind, wird das Ausmaß besonders deutlich. Bis zu zehn Nester, manchmal sogar noch mehr, zieren die einzelnen Kronen des Baumbestands im Waisenhaus-Park. Die Jungvögel, die dort oben ihre frühe Kindheit verbracht haben, sind längst ausgeflogen, so dass es derzeit in der Parkanlage an der Kölner Straße im Vergleich zur Brutzeit im Frühjahr zwar recht ruhig ist, das eigentliche Problem aber nach wie vor bleibt. Denn dass die Saatkrähen zurückkommen, gilt als sicher.

Rund 200 Nester wurden in diesem Jahr gezählt, und wie Erich Grün, Leiter des städtischen Ordnungsamts, erklärt, hat die Zahl der Nistplätze somit in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Warum die Krähen ausgerechnet in Bitburg so stark vertreten sind, kann auch Grün nicht erklären, dafür aber kennt er die Folgen dieser Entwicklung zur Genüge. Entsprechend der Siedlungsdichte nimmt nämlich auch der Lärmpegel von Jahr zu Jahr zu. Das eigentliche Problem sind aber weniger die Krähen selbst, sondern vielmehr ihr Kot. So mussten in der Vergangenheit schon Spielplätze in der Umgebung vorübergehend geschlossen werden, weil sie völlig verschmutzt waren. Von den Sitzbänken im Park ganz zu schweigen. Zwar bekomme die Stadt jedes Jahr eine Ausnahmegenehmigung, um einige der Nester zu entfernen, doch das allein reiche nicht aus, erklärt Grün, weshalb Bitburg jetzt Unterstützung angefordert habe. So sei die zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord gemeinsam mit einem Ornithologen (Vogelforscher) vor kurzem vor Ort gewesen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Die SGD prüft jetzt die Möglichkeiten, damit wir wissen, was wir machen können und was nicht", sagt Grün. Denn schließlich seien die Saatkrähen geschützte Tiere, die man nicht so ohne weiteres vertreiben könne.

In der Vergangenheit wurden die Krähen auch im Stadtrat schon des öfteren thematisiert, und es gab auch schon mehrfach den Vorschlag, sogenannte Krähenklatschen an den Eingängen des Parks zu installieren. Diese Krähenklatschen, die lediglich aus zwei Brettern und einem Zugseil bestehen, werden in den Bäumen befestigt, während ein Ende des Seils in Griffweite hängt. Zieht der Parkbesucher an dem Seil, knallen die Bretter aneinander, wodurch die Krähen aufgescheucht werden.

So gering der damit verbundene Aufwand ist, so umstritten sind jedoch auch Einsatz und Wirkung der Klatschen, die darüber hinaus während der Brutzeit auch nicht erlaubt sind. Bis die Krähen wieder beginnen zu brüten, dauert es zwar noch ein paar Monate, doch dass sich der Waisenhaus-Park zum Nisten bestens eignet, hat sich im Luftraum über Bitburg längst rumgesprochen.

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