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In der Region erinnern Denkmäler an den Krieg von 1870/71

Geschichte : Aus Erbfeinden werden Freunde

Vor 150 Jahren hallte Kanonendonner über den Schlachtfeldern im Elsass und in Lothringen. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurden im neugegründeten Reich Denkmäler errichtet – auch in der Eifel.

Am 27. Oktober 1870 gab Bazaine Metz auf und kapitulierte vor der preußischen Armee.

Nach der Niederlage bei Sedan war dies ein weiterer schwerer Rückschlag für die französische Armee, die bis zuletzt glaubte, dass sich die eingekesselte Rheinarmee würde befreien können. 140 000 französische Soldaten gingen laut Tobias Arand, Autor des Buches „1870/71-Die Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges erzählt in Einzelschicksalen“ in preußische Gefangenschaft. „Die junge Republik verlor eine nicht zu ersetzende Zahl von ausgebildeten Soldaten und vor allem Offizieren“, schreibt Arand. Zudem starb der Glaube auf ein „mögliches Wunder“, dass die Rheinarmee sich würde halten oder gar befreien können.

Die Soldaten der besiegten Rheinarmee verließen am 29. und 30. Oktober die Festung Metz bei strömenden Regen, „ausgezehrt, zu Fuß, zum Teil an Krücken, verdreckt und geschwächt“. Sie waren demoralisiert und mancher Kämpfer auch betrunken.

Bevor die Soldaten nach Deutschland transportiert wurden, kamen sie in Sammellager. Friedrich Engels (1820-1895) urteilte über Bazaine: „Er wird unsterblich werden als der Mann, der die würdeloseste Tat der französischen Kriegsgeschichte beging; der 160 000 Franzosen daran hinderte, die einschließende Armee zu durchbrechen, obwohl diese absolut schwächer war, und der sie als Kriegsgefangene auslieferte, als nichts mehr zu essen da war“.

Dieses Drama greift in Gerolstein auf dem Friedhof in der Sarresdorfer Straße ein französisches Soldatengrab auf. Es erinnert an zehn französische Soldaten, die im November 1870 in der Brunnenstadt gestorben sind. Insgesamt 75 000 der Männer, die nach dem Fall von Metz gefangen genommen worden waren, wurden in Gerolstein in Eisenbahnwaggons verladen und weiter nach Norddeutschland befördert.

Der französische Staat ließ das Denkmal dort errichten und „zahlte der Gemeinde Gerolstein für die Pflege einen ansehnlichen Betrag“, schreibt Martin Meyer in seinem Aufsatz „Ein französisches Grab“ im Heimatjahrbuch der Vulkaneifel von 1996.

Nur wenige Kilometer entfernt erinnert bei Daun das Kriegerdenkmal auf dem Wehrbüsch an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Dieses Denkmal ist laut der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier „wohl eines der ältesten in Deutschland“, das an diesen Krieg erinnert.

Die aus Basalt errichtete Pyramide zierte für kurze Zeit eine goldene Kugel. Doch nach dem Ende des Krieges 1871 regte Robert Thomé, ehemaliger Leutnant und Vorsitzender des Verschönerungsvereins Daun, an, die Kugel durch einen Adler zu ersetzen und eine Bronzetafel als Erinnerung an den glorreichen Feldzug an dem Denkmal anbringen zu lassen. Und in welche Richtung schaut der Adler? Richtig, bis zur Renovierung des Kriegerdenkmals in den 190er-Jahren in Richtung Westen, in Richtung des „Erbfeindes“ Frankreich. Das wurde inzwischen geändert. Heute blickt der Adler in Richtung Norden.

Das Kriegerdenkmal in der Denkmalstraße in Bitburg wurde im August 1900 zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges 1870/71 errichtet. Auf dem  Obelisk aus Belgisch-Granit sind die Namen der Gefallenen zu lesen. Zwischen der Säle und dem Ruhestein, an dem  die Platten befestigt sind, befinden sich in Porträts von Kaiser Wilhelm I., Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke und  Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck sowie das Bitburger Stadtwappen. Als der Platzes im Jahr 2000 ausgebaut wurde, ließ die Stadt  auch das Denkmal in seiner ursprünglichen Form wieder errichten.

Anders in Saarburg: Das Kreis-Kriegerdenkmal von 1898, das  an den Feldzug von 1870/71 erinnerte, ist in den 1950er-Jahren verschwunden. An den sich nach oben hin verjüngenden Obelisken waren Portraits von Kaiser Wilhelm I., des Reichskanzlers Otto von Bismarck sowie der Generäle Helmuth von Moltke (1800 – 1891) und August Karl von Goeben (1816 – 1880). Auf dem Obelisken war eine Kaiserkrone angebracht. Seinen Platz hatte das Denkmal auf dem Platz neben dem Burgbergtunnel. Eingeweiht wurde es am 15. Mai 1898. Zwischen den beide Weltkriegen diente es auch als Ehrenmal für die zwischen 1914 und 1918 Gefallenen.

Errichtet worden war das Kreis-Kriegerdenkmal im Anschluss an die 25-Jahr-Feier der Schlacht von Sedan am 1. September 1895 auf Anregung des Veteranen Sauerwein aus Orscholz (das seinerzeit noch zum Alt-Kreis Saarburg gehörte).

Dort, wo in Saarburg einst das Kreis-Kriegerdenkmal stand, steht seit 1959 ein Deutsch-Französisches Freundschafts-Denkmal.

Mit dem Denkmal brachten die in der Stadt stationierten Einheiten der französischen Panzerkampfgruppe Nr. VII „den Einwohnern der Stadt Saarburg ihre Zuneigung und Dankbarkeit für den beispielhaften Geist des Verständnisses zum Ausdruck, den sie stets in den deutsch-französischen Beziehungen gezeigt haben“.

Auf dem Friedhof in der Sarresdorfer Straße in Gerolstein erinnert ein Grabstein an die auf dem Weg in die Kriegsgefangenschaft verstorbenen französischen Soldaten. Foto: Alexander Schumitz
Das Kriegerdenkmal in Daun ist eines der ältesten in Deutschland, das an den deutschen Sieg im Deutsch-Frazösischen Krieg erinnert. Foto: TV/Alexander Schumitz

Damit wurde ein neues Kapitel deutsch-französischer Freundschaft aufgeschlagen – nach den auf den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 folgenden Tragödien von Verdun.